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Die Wahrheit · 1928-07-22 · Heft 29 (22.7.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 29 (22.7.1928)
Date
1928-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iimnnnnmimiiHiiiiunHiiiiMiiiiiiHiim Seite 5 Zuckerkranke Wie Sie Ihren Zucker los und wieder arbeitsfähig werden, teile ich jedem Kranken unentgeltlich mit. Fr. Löw, Walldorf A 21 (Hessen) stieg, der diesem Rothschild zuteil wurde, sondern ein mühseliges Emporklimmen von Stufe zu Stufe. Hier war Genie auch Fleiß. Ein scharfer Blick paarte sich mit seltener Entschlossenheit. Mit dem Streben nach Macht und Reichtum gingen schöpferische Leistungen Hand in Hand. Die Rothschilds wurden Bahnbrecher neuer volkswirtschaftlicher Ideen. Daher sind sie jahrzehntelang Führer auf dem Weltgeldmarkt. Maßgebend für das finanzielle Geschick des ganzen Kontingents. Keine Staatsanleihe von Bedeutung kann ohne sie aufgenommen und untergebracht werden. So dienen sie den Ländern, die zu ihrer Heimat geworden sind. Im Jahre 1743 kommt Meyer Amschel Rothschild zu Frankfurt a. M. zur Welt, sechs Jahre bevor auf dem benachbarten Hirschgraben dem Kaiserlichen Rat Goethe ein Sohn geboren wird. Ein Ahne Meyer Amschels, Isaak Elchanan, wohnte Ende des 16. Jahrhunderts im Frankfurter Ghetto in einem Hause „Zum roten Schilde". Von diesem Wappen trug die Familie den Namen, obwohl sie das Haus längst verlassen hatte. Mit zwölf Jahren schon Waise, muß Meyer Amschel früh für seinen Lebensunterhalt sorgen. Das Geldwechselgeschäft, unentbehrlich in dem zerrissenen Deutschland, führt ihn zum Studium der Münzkunde. Als anerkannter Numismatiker tritt er in Beziehungen zum Prinzen Wilhelm von Hessen-Nassau. Schon 1769 ist er Fürstlich Hessen-Hanauischer Hoffaktor. Sein Ansehen steigt. Er heiratet 1770 Gudula Schnapper. Fünf Söhne und fünf Töchter entstammen dieser Ehe. Durch die Beziehungen zu dem hessischen Fürsten, dem reichsten Deutschlands, der seit 1785 als Landgraf in Kassel residiert, gelangt Rothschild in das Anleihegeschäft. Sein Reichtum wächst. Schon 1785 kann er sich das Haus „Zum grünen Schild" kaufen, das noch heute als Stammhaus der Rothschilds gezeigt wird. Durch die französische Revolution und die Koalitionskriege beginnt für ihn die Möglichkeit, sich auch an Kriegslieferungen zu beteiligen. Die unruhige Zeit begünstigt den Aufstieg. Zunächst mit den Geldern des hessischen Kurfürsten vermittelt Rothschild Anleihen, die er gegen die Konkurrenz führender christlicher Bankhäuser abschließt. Als der Kurfürst vor Napoleons Truppen aus Kassel fliehen muß, werden seine unermeßlichen Schätze zum Teil von Rothschild gerettet. Rothschild tritt nun auch in Beziehungen zum Fürstprimas Dalberg von Frankfurt. 1810 kann er bereits aus eigenen Mitteln die erste Anleihe an Dänemark geben. Bei Dalberg setzt er die Verleihung des Bürgerrechtes an die Frankfurter Juden durch. Rothschilds Sohn Nathan, der sich seit 1798 in England befindet, und sein Sohn James, der 1811 nach Paris geht, bilden dre Außenposten seines Hauses. Sie leisten dem hessischen Kurfürsten bei der Anlage seiner Gelder in England größte Dienste, aber sie..vermitteln auch bereits die Ueberführung englischer Gelder nach dem Kontinent. Schon bereitet das Haus Rothschild, das konservativ zu den alten Mächten hält, den Gegenstoß gegen den korsischen Eroberer vor. Der Umschwung für den französischen Kaiser naht. Während Napoleon vor dem brennenden Moskau zurückweicht, erkrankt Meyer Amschel plötzlich am Versöhnungsfest. Schon drei Tage später, am 19. September 1812. beschließt er sein tatenreiches Leben. In seinem Testament bestimmt er, daß nur seine fünf Söhne seine Erben werden sollten. Jeder erhielt zehn Fiinfzigstel des Geschäftsvermögens, das sie um 190.000 Gulden erwerben mußten. Von dieser Kaufsumme bekam Frau Gudula 70.000 Gulden zu lebenslänglicher Nutzung, den Rest von 120.000 Gulden die Töchter. So hatte in weiser Voraussicht Meyer Amschel Rothschild das Haus, das er gegründet hatte, gesichert und vor Ueberfremdung geschützt. Der Ruhm des Hauses Rothschild strahlte schon weit über Frankfurt hinaus. Dem klugen Vater folgten die genialen Söhne._ Erklärung f Dr. Leo Werdisheim. Ordinarius des Israelitischen Hospitals und Kurarzt in Gleichenberg, erklärt mit dem sogenannten Kurverband „Agudas Ripuz" in keiner Hinsicht etwas semein zu haben und daß er seine Namensunterfertigung Im Aufrufe dieses Vereines zurückgezogen hat Juda und die anderen. Von Julius Bab. Ein Buch, das in Romanform vom jüdischen Problem im heutigen Deutschland handelt, das nicht jüdische Selbstdarstellung, sondern die Arbeit eines Deutschen rein christlicher Herkunft ist, ein Buch, das dabei nicht von völkischem Agitationswillen diktiert ist, sondern von einem leidenschaftlich ernsten Verlangen nach Erkenntnis der Wahrheit und nach Gerechtigkeit! Ein solches Buch hat schon einen Seltenheitswert großer und schöner Art. Solch Buch liegt vor in dem Roman „Juda und die anderen" von Heinrich Sierner (Verlag von Gebrüder Partei, Berlin-Leipzig). S i e m e r betont im Vorwort seines Buches selbst, daß es ihm so wichtig gewesen sei, in diesem Buche das sachliche Material einer gerechten Erkenntnis auszubreiten, daß er die reine Kunstform des Romans deswegen vielfach bewußt durchbrochen habe. Tatsächlich hat er eine große Menge sehr nützlichen und verbreitungswürdigen Erkenntnismaterials in eine ziemlich karge und auch rein typenhaft umrissene Handlung eingebaut. Die Absicht dieser Handlung ist, das Verhältnis des jüdischen und des nichtjüdischen Menschentums in Deutschland während dier letzten Generation durch das Schicksal von vier Schulfreunden zum Ausdruck zu bringen. Zwei extreme Figuren sollen die äußerste Spannungsmöglichkeit verkörpern! Hans Georg Weete aus reinblütigem, niedersächsischem Bauernblut, Hofbesitzerssohn aus der Weserniederung; und Samuel Goldstein, in Whitechapel, dem Londoner Ghetto, geboren, Sohn polnischer Flüchtlinge, dann bei Verwandten in Oldenburg heranwachsend. In diesen beiden steigert sich die Fremdheit des Blutes bis zu mörderischem Haß. Nach dem Krieg, den Hans Georg Weete mit naiver, altnordischer Kampffreude. Samuel Goldstein, wenig tauglich, aber aus Stolz und Trotz mit ingrimmig zäher Pflichttreue mitmacht, gerät der Niedersachse in die Hände eines skrupellosen (und nichts weniger als „rassereinen") antisemitischen Agitators, der den dumpfen Grimm des Jünglings über den verlorenen Krieg als Judenhaß zum Entladen bringt; Samuel Goldstein aber entdeckt unter dem letzten, furchtbaren Druck des Krieges seine Sendung als Agitator zur Vernichtung der bestehenden Gesellschaftsordnung, als Verkünder einer neuen, befreiten Menschheit. Der Jude wird von jungen Fanatikern aus dem Kreise des Hans Georg erschlagen; Hans Georg selber wird zum Mörder an einem jüdischen Staatsmann (der leider gar nicht dargestellt ist, aber in der Meinung wohl auf Rathenau zielt) und nimmt sich dann selbst das Leben, weil er flüchtig, verborgen und heimlich nicht leben mag. „Der gerade Weg und der anständige Weg war der einzige für Hans Georg Weete, und wer kann leugnen, daß auch Samuel Goldstein einen anständigen und geraden Weg gegangen war". — Während aber die allzu starre Gradlinigke.it dieser beiden Lebenswege in tödlich extremer Richtung voneinander entfernt, halten in der Mitte ein jüdischer Bauernsohn aus Süddeutschland, Benno Kohn, und Gerd Jürgens, ein aus mannigfachen deutschen Stämmen gemischter Sohn eines Bankbeamten, gut zusammen. Schriftsteller der eine, Ingenieur der andere, suchen und finden sie Verständigungsmöglichkeiten in einer gut bewohnbaren Mitte. Der eine hat sich mit der Schwester Goldsteins, der andere mit der des Hans Georg Weete verbunden. Sie suchen Verständigung auf dem Grunde der Wahrheit, suchen Freiheit von der Macht fanatischer Schlagworte und leben für die Zukunft des starken, freien Menschen, der wohnen soll — „endlich ganz innig verschmolzene und festgefügte Doppelnatur! — zwischen fruchtstrotzendem Boden und kraftstrotzendem ätherblauen Strahlenkosmos". Die lehrhafte Absicht der hier im Grundriß angedeuteten, aber auch im Buch nach der sinnlich darstellerischen Seite wenig und nur punktweise ausgeführten und um so reicher mit unpersönlichem Erkenntnismaterial ausgestatteteen Dichtung, diese außerkünstlerische, aber wahrhaft gute Absicht ist so offenbar, daß es (zumal an dieser Stelle, wo solch Buch ja nicht ästhetisch, sondern kulturpolitisch gewertet werden muß) ganz überflüssig scheinen könnte, von den künstlerischen Qualitäten dieses Romans zu sprechen. Aber bei einem Werk, das nun doch einmal als epische Dichtung angelegt ist, ist es ganz unmöglich, die Wirkungen der künstlerischen Form oder Uniform und den Ausdruck der Gesinnung rein auseinanderzuhalten. Man muß nach Einzelheiten dieses Buches Heinrich Siemer (der ja übrigens schon mit anderen interessanten Veröffentlichungen hervorgetreten ist) durchaus auch für einen

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