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Die Wahrheit · 1928-07-13 · Heft 28 (13.7.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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D!E WAHRHEIl llililÄ «l!ll!llll!lll!III!!ll!il!lil!l!ll!!t Seit« 11 Beratung des Council und der Delegierten. Es waren 378 Synagogenvertreter anwesend. Der Antrag auf Einführung des Prauenwahlrechtes wurde von Dr. M. Einstein unter Berufung auf die Erklärung des Chiefrabbi, wonach das Frauenwahlrecht nicht gegen den Din verstoße, begründet. Mr. S o 1 om a n suchte die Bedenken zu zerstreuen, die dahin gehen, daü die Einführung des Frauenwahlrechtes nur den ersten Schritt auf der Bahn völliger Anpassung an die liberale Synagoge bedeute. Das Bes Din sei offenbar von solchen Befürchtungen beherrscht, wenn es im Gegensatz zum Chiefrabbi sich gegen die Einführung des Frauenwahlrechtes ausgesprochen habe. Aber man vergesse, daß das lebendige Interesse der Frauenwelt für die Synagoge, das durch die Annahme des Antrages erkauft werde, die Bedenken aufwiege. Als Gegner des Antrages traten die Herren H. H. G o r d o n und Isac Landau auf. Ersterer machte geltend, daß der Chi'efrabbi sich darauf beschränkt habe, zu erklären, das Frauenwahlrecht sei „nicht gegen" den Diu; aber er habe damit die Einführung durchaus nicht für wünschenswert erklärt. Mr. Landau wurde nocli etwas deutlicher und teilte mit: er habe über die Angelegenheit mit dem Chiefrabbi gesprochen, de/r ihm erklärte, daß der gestellte Antrag, obgleich er nicht gegen den Din verstoße, doch keineswegs in UebereinsWmmung mit der jüdischen Tradition sei. Er und seine Freunde, so habe ihm der Chiefrabbi gesagt, täten recht daran, das Frauenstimmrecht auf Tod und Leben zu bekämpfen, wenn sie der Ueberzeugung seien, daß es gegen die besten Interessen des orthodoxen Judentums verstoße. Die Erklärungen Landaus wurden von der Versammlung mit stürmischem Beifall aufgenommen. Mr. Josei Prag bezweifelte die Genauigkeit der Mitteilungen über die Stellungnahme des Chiefrabbi. Er bezeichnete die Frauen als das konservative Element in der jüdischen Gesellschaft, das man deshalb stärken müsse. Schlimmer als das Frauenwahlrecht sei die Spielwut der englisch-jüdischen Frau. In manchen Häusern würden die Sabbatlichter nicht mehr entzündet, weil die Mutter nicht rechtzeitig aus ihrem Spielklub nach Hause gekommen sei. Stürmisch begrüßt, ergriff dann der entschlossenste Gegner des Frauenwahlrechtes in England, Mr. Lionel L. Cohen das Wort. Er beteuerte, daß er diesen Kampf weiter führen werde, solange ein Tropfen Blut in seinen Adern sei. Die Sphäre der jüdischen Frau liege in ihren' Heim, in der Erziehung der Kinder und in der treuen Wacht über die Wahrung der Speisegesetze. Ein von Mr. Schiff gestellter Vermittlungsantrag, das Frauenwahlrecht unter gewissen Kautelen gegen weitere Entwicklungen einzuführen und die Versammlung zunächst zu vertagen, wurde vom Vorsitzenden Sir Robert Waley Cohen als zwecklos bezeichnet. In der Endabstimmung wurden, wie gemeldet, 167 Stimmen für den Antrag, 211 gegen den Antrag abgegeben. Das Ergebnis wurde von der Mehrheit mit aufgeregten Beifallskundgebungen begrüßt. Das neue cuzistische Programm. Man weiß, daß der ärgste rumänische Judenfeind, Professor C u z a, sich dieser Tage mit seinem früheren antisemitischen Feind und Gegner C u t a v a vereinigt hat. Die „Cutavistischen Ideen" wurden auch bereits zur Plattform der „Verständigung" gemacht. Sie) wurden gelegentlich des antisemitischen Kongresses in Jassy, wo Herr Miltiade E. Cutava als erster m seiner Eigenschaft als Mitglied des obersten Rates der christlichen Liga das Wort ergriff, bekanntgegeben. Diese „Cutavistischen Ideen" — die wahre Ideologie der Liga — lauten: 1. Die Synagogen und Bethäuser sind anzuzünden. 2. Die Häuser der Juden sind ebenfalls zu zerstören und zu verwüsten. 3. Den Juden sind alle Gebetbücher, aus denen so viele Ungesetzmäßigke.iten gelernt werden, wegzunehmen. 4. Auflösung der religiösen Gemeinschaft der Juden. 5. Den Juden ist alles Bargeld und aller Schmuck zu konfiszieren. Dies ist also das Programm, welches vom Kongreß approbiert wurde. Das Blatt Cutavas schreibt dazu: „lausende von Bürgern aus allen Teilen des Landes erhoben sich von ihren Plätzen und schrien so laut sie konnten: „Es lebe der Rumäne Cutava!" Wir reproduzieren den vorstehenden Wahnsinn mit der Reserve, die gegenüber unglaublich scheinenden Dingen geboten ist. Aber in Rumänien wird oit das Unglaubliche zur Wahrheit, das Unwahrscheinliche zum Ereignis; dann muß man wohl den Herrn Innenminister Duca fragen, wie er sich zu dieser Hetze verhält. Die Religion im Lande unserer Väter! Die orthodoxe „J ü d i s c Ii e Presse" veröffentlichte einen Brief aus J e r u s a 1 e m, in dem über die religionsfeindliche Tendenz gewisser Anstalten berechtigte Klage erhoben wird. Es heißt darin unter anderem: „Auf dem heiligen Boden Erez Jisroel spielen sich zur Zeit Dinge von unglaublicher Frivolität ab. In einer jüdischen Krankenkasse, welche von der zionistischen Organisation mit 13.400 Lstr. unterstützt wird, ist die Anstaltsküche trefo! Wurden die Kranken an den Pessachtagen mit Chomezkost verpflegt, wird an jüdischen Kindern die Miloh, wenn überhaupt, in traditionswidriger Weise vollzogen. Aus einem Artikel des ,Haolam* erfahren wir, daß einer der konsequentesten Wortführer des religionslosen Nationalismus im heiligen Lande, Itmar Beu-Awi, allen Ernstes die Idee propagiert, auch christliche Juden als vollwertige Glieder des jüdischen Volkes anzuerkennen; denn das jüdische Religionsgesetz habe schon längst aufgehört, das Kriterium des Judentums, des jüdischen Volkes, des jüdischen Menschen zu sein. In gewissen Kreisen scheint man sich nur dann an die durch die jüdische Religion geschaffene Zusammengehörigkeit der Juden der ganz.en Erde zu erinnern, wenn man von Juden, für die das jüdische Keligionsgesetz noch nicht Jüngst aufgehört hat*. Geld haben will." — Die Palästina* Zentrale der Agudas-Jisroel veröffentlicht einen eindringlichen Aufruf zur Unterstützung ihres Schuhverkcs, in welchem folgendes ausgeführt wird: „Das palästinensische Unterrichts- Departement teilt in seinem soeben herausgegebenen Bericht mit, daß 524 jüdische Schüler in Erez JisroeJ die Schulen der christlichen Mission besuchen. Wenn es etwas gibt, was jedem Agudisten, mag er nun .paiästino-zentrisch' oder anders eingestellt sein, aufrütteln müßte zur aktiven Tat, so wäre es diese erschütternde Tatsache, daß durch die Schuld der Juden 500 Kinder in Erez Jisroel systematisch dem Judentum entfremdet und dem Christentum in die Hände getrieben werden. Auch wenn es. sich um jüdische Kinder in Frankfurt, Wien oder Warschau handelte, würde man es als die dringendste Gegenwartsaufgabe erachten, eine solche Schmach des jüdischen Namens zu tilgen, wenn, getrieben von der Verzweiflung und der Not und dem Kunger, Eltern sich dazu verstehen würden, um ein warmes Mittagessen die Seele ihres Kindes zu verkaufen. Daß aber in Erez Jisroel selber, an der Stätte, wo noch FLEISCHH AUEREIk SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGER STRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BiFggasse IS und XVIII.» RlhrlngerstraßB 97 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der I»p. Kultusgemeinde Wien. 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