Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 28 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT üiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiniDminiiiniiiiüiiiiiuiiiiiiJüiiüi Hiiiiiiufliuut s©!te 9 aber der längst als verschollen und verloren geglaubte Briefwechsel hat sich dank eines seltsamen Zufalles gefunden. Ein verstaubter, vergessener Arcnivkasteh, dessen Schlüssel verloren gegangen, brach unter der Last des Alters zusammen und nun kennt man den Brief Bismarcks an Lassalle, der Jahrzehnte nach dem Tode beider die Wahrheitsliebe Lassalles bezeugt. Es wäre aber wirklich töricht, anzunehmen, daß auch nur e i n deutscher Antisemit sich durch diese nachträgliche Enthüllung abhalten lassen werde, zu behaupten, daß die Juden es mit dem Worte nicht genau nehmen. * * Der nationalsozialistische Abgeordnete Strasser erklärte im Reichstag, es sei eine Schande für Deutschland, daß Dr. Hilferding, „ein in Ostgalizien geborener negroider Jude als Reichsfinanzminister auftreten dürfe". Man mag sich über Herrn Strasser, dessen Namen man sich merken wird, welches Urteil immer bilden, aber den Ruhm, nicht in Ostgalizien das Licht der Welt erblickt zu haben, wird man ihm fürderhin nicht streitig machen können. Was bedeutet demgegenüber Wissen, Geist, Können, Charakter usw.? Strasser hat nicht umsonst gelebt. Noch in den spätesten Zeiten werden sich edle Gemüter dankbar seines erlösenden Wortes erinnern und manches verkommene, der Geringschätzung seiner Nebenmenschen preisgegebene Subjekt wird sich noch an den erhebenden Gedanken klammern dürfen: „Und wenn die Leuf was immer von mir sagen, in Ostgalizien bin ich nicht geboren!" * * * Der Präsident Löbe war wirklich der ziemlich naheliegenden Meinung, daß er die Worte des Herrn Strasser als eine „ungewöhnlich beschimpfende Bemerkung gegen ein Mitglied der Reichsregierung" werten müsse und daher ein weiteres Verweilen des Herrn Strasser in der Sitzung nicht geduldet werden könne. Sollte man es für möglich halten, daß sich sonst ganz vernünftig denkende und auch vernünftig schreibende Menschen gefunden haben, die gerade in dieser Erklärung des Präsidenten eine Beleidigung des Reichsfinanzministers erblickten, da man aus ihr herauslesen könne, es sei wirklich schimpflich, ein Jude zu sein. Haben diese, es sei wiederholt, ganzvernünftigen Menschen nie gehört, daß die Absicht, jemand zu beleidigen, schon die Beleidigung enthält? Ego. Der Bethausverein 9,Ose Chesed", Wien 11., Schiffamtsgasse 5, sucht einen geschulten frommen t/orbeter ganzjährig aufzunehmen. ___ Der Vorstand. WzMätnrcnfä** Gespenster. Vergangenen Samstag und Sonntag hat die zehnjährige Wiedersetoeinsfeier der Mitglieder des ehemaligen Deutschen N a t i' o n a 1 v e r b a n d e s unrühmlichen Angedenkens stattgefunden. Sie waren alle da, der weiße Bart des Dr. Groß, Herr Dr. Sylvester, Herr Hummer, Herr I r o, der Gurkenhändler aus Zniaim Teufel, dieir Riese Wedra und K. H. Wolf. Abgeordneter Dr. Wotawa begrüßte die Erschienenen namens des Verbandes der G r o ß d e u t s c h e n Volkspartei, die sich als den Treuhänder jenes Geistes betrachtet, der von dem Deutschen Nationalverband im österreichischen Parlament gepflegt und gehütet wurde. Die Ziele der Großdeutschen Volkspartei bewegen sich in dem Ideenkreiis des alten Deutschen Nationalverbandes. „Wir betrachten,'- so führte der Redner aus, „uns als die Treuhänder der Interessen des Deutschtums in jenen Gebieten und Landstrichen, die heute nicht zu Deutschösterreich gehören, aber von vielen Mitgliedern des Deutschen Nationalverbandes, die seinerzeit im österreichischen Parlamente saßen, vertreten wurden." Daß die Großdeutschen die Hüter des Geistes des Deutschen Nationalverbandes sind, hat alle Welt längst an ihren Handlungen „einerseits" und „anderseits*1 erkannt. Wie sehr sie Treuhänder der Interessen des Deutschtums in ehemals österreichischen Gebieten sind, haben sie in den letzten Tagen wieder in der Südtiroter Frage bewiesen. Nichts als Gespenster! Die geistige Zukunft Deutschlands. Man hat in manchen Kreisen Deutschlands zu früh gejubelt über die Niederlage der Reaktion. Ach, sie liebt noch, und was sie an Breite verloren hat, das sucht sie durch Brutalität zu ersetzen. Das hat vor einiger Zeit Berlin, sogar in der Bannmeile vor der Universität erleben müssen. Die stolzen akademischen Bürger, die Hoffnung Deutschlands, haben einen Rummel aufgezogen, der an Roheit, Häßlichkeit und Feigheit an die Wiener Cherusker erinnert. Diese Herrchen, deren geistige Reife auf derselben Höhe wfe ihre vornehme Gesinnung steht, demonstrierten mit .„geistigen Waffen", mit Johlen und Prügeln, gegen die „gefährliche Uebermacht der Juden". Sie, die einzig legitimierten Träger dies unverfälschten deutschen Geistes, wollen Deutschland vor dem „inneren Feind" schützen! Und das geschieht nicht als Karnievalsscherz, sondern mit ernstem Gesichte, und — tausende von Menschen jubeln ihnen zu! Das ist das Gefährlichste und Beschämendste dabei. Gewiß, sie sind sogar in der Form des Judenhasses zum Mittelalter zurückgekehrt. Das ist nicht schön und nicht erfreulich. Aber noch schlimmer ist, daß diese Elemente die Zukunft Deutschlands repräsentieren, und daß aus ihren Reihen die späteren Richter, Lehrer und Regierer genommen, werden. Wehe einem Volke, dessen Zukunft in solchen Händen liegt! Und sie regieren heute schon, sie üben einen unheimlichen Terror auf die Professoren aus. Die akademischen Lehrer geben in engem Kreise zu, daß die Studenten von heute vielfach unreif, unbescheiden und ohne Ideal sind. Aber sie fürchten sie und beugen sich vor der rohen Macht. Die Herren haben wohl vergessen, daß „Professor" Bekenner heißt. Wie soll dieses Elend enden? Es packt einen ein Grauen, wenn man an die Zukunft denkt. Deutschland hat seinen politischen Kredit in der Welt wieder gewonnen. Auch wirtschaftlich steht es heute mindestens so fest wie die meisten Länder Europas. Es sollte nun alles daran setzen, auch seinen moralischen Kredit wieder zu gewinnen. Und dazu gehört auch die Beseitigung der antisemitischen KleiderkreditZahlbar SSS£,a 011168 Sämtliche Herren- und Damenkleider Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., Telephon A 21-501 Ottakrlngerstrafie 17 Telephon A 21-501 Bollinger-Eiskasten •ind seit 1870 die beste« Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 80-5-38 Pillale: VII., Bnrggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80