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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Gemeinden zu erforschen, ist für die Bestimmung der Provenienz mancher Bräuche und sonst von Wert. Für alle diese Zwecke bildet das vorliegende Buch ein neues Hilfsmittel. Daß aus Portugal direkt ein Cardoso gekommen sei. ist kaum anzunehmen. Es dürfte einer der bei Grunwald. „Portugiesengräber" Erwähnten dieses Namens sein. Audrote ist wohl Andrate (in Hamburg auch D'Andrate). G. „Kol Sch'muel", Synagogen-Gesänge für Kantor und gemischten Chor, mit und ohne Begleitung der Orgel, von S. Lampel, Oberkantor der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. (Kommissionsverlag von M. W. Kauffmann, Leipzig.) Wie, seitdem synagogale Musik „komponiert" wird, diese in jeder Epoche mit den Ausdrucksmitteln der jeweiligen Zeit geschaffen wurde, so versucht auch der Autor dieses Werkes mit den gemäßigt modernen Mitteln der heutigen Tonsprache die jüdisch-religiöse Musikliteratur zu bereichern. Dieses Bemühen ist ihm vollauf gelungen. Wenn allerdings in einem Prospekt der Verlagsfirma gesagt wird, daß hier der „wohllautende" Mendelssohnstil Lewandowskis entschieden verlassen und die „herbe" Harmonik Regers der Synagoge erschlossen ist, so ist diese Charakterisierung nach meiner Ansicht nicht zutreffend: Von „herber" Harmonik ist in dem Lampeischen Werk nur an wenigen Stellen zu merken; vielmehr ist auch die Lampeische Harmonik wohltuend, ja blühend, und viel angebrachter als der Vergleich mit Reger wäre der mit Richard Strauß. Man untersuche daraufhin etwa den „Kiddusch", ein Prachtstück unter den modern erfundenen Teilen des Werkes, der unter der Assistenz der kraftvoll behandelten Orgel und des Chores zu einer grandiosen Jubelhymne wird. Aber auch die Bearbeitung traditioneller Melodien ist interessant, farbenreich und niemals seicht. Es ist immer als Verdienst zu buchen, wenn bei der sehr heiklen Aufgabe, traditioneilen Rezitativstil mit modern empfundenem Orgelsatz zu vereinigen, die Linie des guten Geschmacks nicht verlassen wird. In einem einzigen Falle möchte ich den Autor von dieser Linie abgewichen sehen: Die Orgelbegleitung, vor allem das Vorspiel, zu dem „Adonoj moloch"-Rezitativ des Kantors ist zu gefällig und paßt nicht recht zum Stil des alten „Steigers". Alles in allem bietet das Werk sowoh dem Kantor, wie auch ehrgeizigen Chordirigenten und Organisten sehr dankbare Aufgaben und ist durchaus geeignet, der Verschönerung und Bereicherung des modernen jüdischen Gottesdienstes zu dienen. Es stellt aber auch an die Ausübenden sehr hohe Anforderungen und wird darum leider nicht überall zu der Wirkung kommen können, die ihm bei erstklassiger Ausführung innewohnt. Es ist jedenfalls das Werk eines vortrefflichen Musikers. Oberkantor B. Alt, Danzig. Fritz Mauthner, der bekannte Schriftsteller jüdischer Abstammung, reiste eines Tages von München nach Rosenhehn. Im selben Abteil befanden sich drei Münchner Studenten, welche auf Mauthner ironische Anspielungen machten, ohne daß dieser sich in seiner Reiselektüre stören ließ. Plötzlich verbeugt sich der erste der Jünglinge mit den Worten: „Guten Tag. Vater Jakob." Darauf der zweite: „Guten Tag, Vater Abraham." Schließlich erhebt sich der dritte: „Guten Tag, Vater Isaak." Mauthner sah lächelnd auf und antwortete: „Sie irren, meine Herren! Ich bin weder Abraham. Isaak oder Jakob. Ich bin Saul. der fortgeschickt worden ist, um die E s? 1 .seines Vaters zu suchen. Aber ich glaubte nicht, solche so schnell zu finden!" Sprach's und las weiter! H. R. in Heilbad Gleldienberg Steiermark Station: Kurzeit: Feldbach-Bad Gleichenberg Mai—Oktober Hellanzeigen: Luftröhre, Bronchial- und Lungenspitzenkatarrhe, Asthma, Emphysem, Herzmuskelerkrankungen, Nervenleiden usw. Kurmittel: Nalärlidie Kohlensäurebäder, pneumatische Kammern, Quellsoleand Fichtennadel-Inhalationen, Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrische Liditbäder. künstliche Höhensonne Berühmte Heilquellen Konstantin- und Emmaquelle Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen Gute Verpflegung! Mildes Klima! Auskünfte durch die Kurkommission Seite 13 Vonfflo&ßzu IDcckc Trauerfeier. Dienstag, den 26. v. M., veranstaltete der Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" im Gotteshaus IL, Pazmanitengasse, eine Trauerfeier für seinen verewigten unvergeßlichen Rabbiner Dr. Salomon Funk, zu der sich eine überaus zahlreiche Trauergemeinde eingefunden hatte. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, den Obmann der Organisation der Tempelvereine Börserat Ignaz Glück, den Gesamtvorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" mit Obmann Oskar Schrämek an der Spitze, mehrere Abordnungen von Tempelvereinen, viele Rabbiner. Kantoren und Kultusbeamte sowie die engere Familie des Dahingegangenen. Nach dem vom I. Kantor A. Stift verrichteten Mincha- Gebet rezitierte Oberkantor I. Müller den Psalm 49. Hieran! hie-t Rabbiner Dr. D. Feuchtwang eine vom Herzen kommende und zu aller Herzen gehende Gedenkrede, in der er ein herrliches Bild von der leuchtenden Persönlichkeit des Heim-r gegangenen entwarf. Er brachte allen Anwesenden trefflich zu Bewußtsein, welch großen Schatz die Gemeinde in Dr. Salomon Funk besessen, und wie schwer der Verlust ist, der sie nun betroffen. Aus der guten alten Schule hervorgegangen, verstand es der Verblichene, seine dort erworbene jüdische Gelehrsamkeit mit den wissenschaftlichen Ueberzeugungen der Neuzeit'zu verbinden, und bot so ein exemplarisches Beispiel dafür, daß hier keine Unvereinbarkeit besteht. Dr. Feuchtwang schilderte des Heimgegangenen Wirken als Talmudicrscher, in welcher Eigenschaft er sich bei der jüdischen und nichtjüdischen Wissenschaft Position und Anerkennung errang, und rühmte seine p^oßen Verdienste fls wirklicher Raw. deden Dienst für die Thora als „Awaudoh" betrachtet hat. Viele Anerkennung wurde ihm zuteil, der Tempelverein „Aeschel Awrohom" ernannte ihn zum Ehrenmitglied, seine Heimatstadt zum Ehrenbürger, beide ehrten sich durch diese Ehrung nur selbst. Dr. Feuchtwang schloß mit den Worten, daß nicht an- Abschiednehmen gedacht ist, sondern daß die Gemeinde in dem Geiste des Toten weiter geführt werden soll und sein Andenken stets ein gesegnetes bleiben wird. Oberkantor 1. Müller rezitierte hierauf besonders eindrucksvoll das Schiwisi und das El mole rachamim und verrichtete schließlich das Maariw-Gebet. mit gewohnter Meisterschaft. Chajes-Realgymnaslum. Die am 25. Juni 1. J. unter Vorsitz des Direktors Dr. Koppitz abgehaltenen Reifeprüfungen hatten nachstehendes Ergebnis: Von 31 Kandidaten, die sich der Prüfungskommission stellten, erhielten zehn ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung, 20 wurden für reif erklärt, ein Kandidat für zweieinhalb Monate reprobiert. Der Reifeprüfung wohnten als Vertreter des Kuratoriums der Präsident Hofrat Prof. Dr. Sal. Frankfurter, der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornstein sowie Rabbiner Dr. David Feucht wang bei. Tempelverein Hietzing. Am 18. v. M. beging der Tempelverein im XIII. Bezirke seine 24. ordentliche Generalversammlung in festlicher Weise. Der Anlaß hierzu war der für den 8. Juli festgesetzte Beginn des Tempelheues. Es ist nicht unbekannt, daß der Tempelverein während der 24 Jahre seines Bestandes mit allen Mitteln die Erbauung eines Tempels anstrebte und dabei von vielem Mißgeschick verfolgt war. Zunächst mußte der Bau wegen des Kriegsausbruches eingestellt werden. Das Kriegsende brachte die Entwertung unserer Valuta und die bereits gesammelten Mittel verloren ihren Wert. Nichtsdestoweniger fanden sich Männer, die neuerdings die schwere Aufgabe auf sich nahmen und von ■ft«e«iw«enn«s Tellzalil Verblüffend billig \ solid und fein S kaufen Sie Im ■ Sanitätshaus ■ Fischer em l m Wien, II., Taborstrasse 24 a Tel. R 40-5-95 ■ Wohlfahrtsanstalten hohe Rabatte! ■ Damen- und Herrenbedienung! ■

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