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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Vorkämpfer freiheitlicher internationaler Entwicklung und als Gegner jeder imperialistischen Tendenz gelten, nicht zugestehen dürften, daß die Institution der Mandate, deren Schaffung einen Schritt auf dem Wege zu freiheitlicher Entwicklung der Völker bedeute, umgebogen werde zugunsten der Schaffung von unter der Oberhoheit anderer Staaten stehenden Ländern. Die. Not in Bulgarien. Die Bnei Brith-Loge „KarineT in Sofia hat an das Emigrationsdirektorium in Berlin einen Appell um Hilfe gerichtet, in welchem auf die ungeheure?^ot hingewiesen wird, der die Judenschaft im bulgarischen Erdbebengebiet ausgesetzt ist. 15.00 0 JudensindHunger, Kälteund Feuchtigkeit ausgesetzt, mehrere Synagogen und Schulen sind eingestürzt. Das Emigrationsdirektorium hat als erste Hilfe einen Betrag übermittelt. Besorgnis wegen des Schicksals Pontremolis. In jüdischen Kreisen Italiens hegt man große Besorgnis wegen des Schicksals des hervorragenden jüdischen Gelehrten aus Mailand, Professor ing. Aldo P o n t r e m o 1 i, der mit General Nobile die Italia-Fahrt nach der Arktis unternommen hat. Man weiß nun, daß Pontremoli sich nicht bei Nobile befand, sondern bei denjenigen ist. die mit dem Luftschiffkörper abgetrieben worden sind. Wozu Juden gut sind. In der gerichtlichen Ehescheidungsklage, die die Prinzessin Helena, die Mutter des jungen rumänischen Königs den fnüneren Kronprinzen Carol angestrengt hat und die mit der Ehescheidung endete, hat die Prinzessin und Königin-Mutter der bekannte Bukarester jüdische Advokat Dr. Rosenthal vertreten. Die geduldige „Judenrepublik". Es ist so weit gekommen, daß in ostelbischen Wahlversammlungen, wenn ein Hoch auf das deutsche Vaterland ausgebracht wird, der Zwischenruf „Judenrepublik" ertönt, ohne daß ein Hahn oder gar ein republikanischer Staatsanwalt darnach kräht. Antisemiten, denen die Republik nicht gefällt, rufen in Zukunft völlig straffrei der „Judenrepublik" ihr „Pfui" zu. Sie werden als Angeklagte — wenn es überhaupt noch so weit kommt — glatt freigesprochen, es ergeht ihnen wie jenem Bremer Hitlermann, dem das Reichsgericht nolens volens einen Freibrief für Verächtlichmachung der Republik ausgestellt hat . . . Wir entnehmen der deutschen Tagespresse folgenden aufschlußreichen Bericht: Vor dem Schöffengericht in Bremen hatte sich der Nationalsozialist Cude wegen Vergehens gegen § 8, Abs. 1, des Gesetzes zum Schutze der Republik zu verantworten, weil er als Gauleiter der Nationalsozialisten ein Flugblatt mit dem Ausdruck „Juden-Republik" hatte verteilen lassen. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger wies auf die bekannte Entscheidung des Reichsgerichtes hin, die zu einem jetzt in Thüringen gefällten Urteil aus gleichem Anlaß abermals ergangen sei. Das Reichsgericht habe dabei ausgeführt, daß bei der Urteilsfällung zu prüfen sei, in welchem Sinne der Ausdruck „Juden-Republik" gebraucht werden könne. Er könne die besondere Form der demokratischen Republik bezeichnen, welche durch die Weimarer Nationalversammlung festgestellt sei, er könne auch die gesamte Staatsform umfassen, die in Deutschland seit dem gewaltsamen Umsturz im November 1918 bestanden habe. Gemeint sein könne auch, daß die neue Rechts- und Gesellschaftsordnung deutscher und ausländischer Juden aufgerichtet worden sei. Gemeint könne auch sein die übermäßige Macht und der übermäßige Einfluß, den die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung kleine Anzahl von Juden nach Ansicht weiter Volkskreise ausübt. Das Gericht sprach den Angeklagten frei unter Auferlegung der Kosten an die Staatskasse. In der Begründung wurde gesagt, das Gericht erachte es als festgestellt, daß der Angeklagte die Staatsform nicht beschimpfen, sondern lediglich den erheblichen Einfluß der Juden, zu dessen Bekämpfung der Angeklagte, soweit er sich als verderblicher Einfluß zeige, berechtigt sei, treffen wollte. itiiiiuiiJßnjiiJUiiiiDiiiiiiJiiiiiiutHiinHiiiiiiiiiiiiJiiiiiiiii} die WAHRHEIT kund und Literatur Rosenblatt-Konzert Mittwoch, den 27. v. M. hatte das Wiener Publikum die seltene Gelegenheit, die Sangeskunst des berühmten Oberkantors Josef Rosenblatt aus New York im großen Konzerthaussaale zu bewundern. Seine künstlerischen Darbietungen in jiddischer, spanischer und italienischer Sprache wie auch seine synagogalen Vorträge lösten bei dem zahlreichen Publikum unendlichen Beifall aus. Die herrliche Stimme und der vollendete Vortrag gefielen sehr stark, ganz verblüffend wirkte aber sein fabelhaftes Falzett. Der jugendliche Pianist A. E11 stein aus New York, der Oberkantor Rosenblatt auf seiner Europatourne begleitei, scheint mit dem Sänger ganz verwachsen zu sein. Der ungeheure Erfolg ist zum Teil auch ihm gutzuschreiben. Das enthusiasmierte Publikum gab sich mit den programmgemäßen Darbietungen nicht zufrieden und verlangte unter stürmischen Ovationen noch weitere Draufgaben, welchem Wunsche der Künstler auch Rechnung trug. Mit der Hoffnung, den gottbegnadeten Sänger baldigst in Wien wiederzuhören, verließ das begeisterte Publikum, mit einem Kunstgenuß bereichert, den großen Konzertsaal. Blätter des Heine-Bundes. Zum Beginn seines zweiten Jahrganges bringt der Heine-Bund eine kleine Zeitschrift heraus. Die BDHB. sind bestimmt, den Kontakt der Mitglieder . mit der Leitung und untereinander herzustellen und über bemerkenswerte Vorgänge des jüdisch-literarischen Lebens zu informieren. Das erste Heft liegt uns vor. Es enthält folgende Beiträge: Erinnerungen des Herausgebers Dr. Ahron Eliasberg an Martin Bubers Jugendzeit mit einem Bildnis Bubers als Verbindungsstudent im „Wichs" — eine nachträgliche Gabe zu Bubers 50. Geburtstag; eine Analyse des Romans von Myriam Harry (Bd. 1 der zweiten Jahresreihe) aus der Feder des großen französischen Kritikers Jules Lemaitre; eine hübsche Auseinandersetzung der Frau Nadja Stein mit den „Judendichtern" Gebrüder Tharaud anläßlich ihrer „Kleinen Geschichte des jüdischen Volkes": ferner Proben aus den in Vorbereitung befindlichen Büchern, Bildnisse von Verlagsautoren und endlich wissenswerte Angaben über Aufbau und Stand des Heine-Bundes. — Interessenten erhalten die Nummer kostenlos durch den Verlag des Heine-Bundes, Berlin W 57, Pallasstraße 10/1. M. Freudenthal: Leipziger Meßgäste. Franfurt a. M., 1928, J. Kauffmann. — Die Listen dieser jüdischen Meßgäste liefern ein dem Historiker oft willkommenes Alibi. Sie sagen uns, daß dert und der um die und die Zeit am Leben uind im Berufe tätig war. Zugleich gewähren sie uns einen Einblick in die vielen Gemeinden, die wir hier vertreten finden. Da die meisten Juden jener Zeit Handel trieben, darum die Messen besuchten, ist das so gewonnene geschichtliche Bild ein ziemlich erschöpfendes. Ganz besonders kommt aber die jüdische Familiengeschichte hier auf ihre Rechnung. Es wird, so sehr auch das Wirrsal der Namen die Forschung erschwert, letzten Endes die Aufgabe doch nicht zu umgehen sein, festzustellen, welche Familien überhaupt den Grundstamm z. B. der deutschen Juden bilden. Bedenkt man die zahlreichen radikalen Judenausrottungen, so dürften dieser Stammhäuser nicht allzuviele sein. Auch die Herkunft der Familien einzelner KONKURS. > In der israel. Kultusgemeinde Mistelbach, : : N.-ö., gelangt die erledigte Stelle eines l Kantors der auch die Funktionen eines Schächters, Se kret£rs 2 : und Religionslehrers für Mistelbach und die Relis; gionsunterrichtsstationen des Sprengeis zu versehen ■ hat, zur sofortigen Besetzung. ■ : Dem Funktionär wird ein der Kultusgemeinde ge- £ : höriges Haus samt Zugehör zum alleinigen Bewohnen und ■ Benützen eingeräumt. — Gehalt nach Übereinkommen.! Bewerber, nicht über 40 Jahre alt, mögen ihre S : Anbote mit Zeugnisabschriften, Nachweis der Befähigung : : zur Erteiluug des Religionsunterrichtes für österr. Volks- und Bürgerschulen und Angabe der Familienverhältnisse 5! bis 15. Juli an den Kultus vorstand in Mistelbach richten. : Der Kultusvorstand. »

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