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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iliiiiliiniliM Seite i i unter der Studentenschaft führt. Die Zeitungen fordern die Entfernung Tschudinows vom Lehrstuhl der Universität. Angesichts verschiedener antisemitischer Vorkommnisse in der Gegend von Poltawa hat das Kreiskomitee der Kommunistischen Partei beschlossen, einen systematischen Kampf gegen den Antisemitismus zu beginnen und Parteimitglieder, die sich antisemitischer Propaganda schuldig machen, auszuschließen und auch sonst unschädlich zu machen. Es ist festgestellt worden, daß die Schul-Cooperative von Poltawa sich geweigert hat, ihr von der Arbeitsbörse zugewiesene jüdische Angestellte zu beschäftigen. Die Moskauer Zeitung „Emes s" druckte eine Korrespondenz aus dem Distrikt W i n i z a ab, in welcher die besonderen Formen des Antisemitismus Sn der Provinz und die Leiden, die die jüdische Bevölkerung durch ihn durchzumachen hat, geschildert werden. Chaplin — kein Jude. Charlie Chaplin hat sieben Jahre in Hollywood gefilmt, Charlie ist müde«, braucht „empfindsame Ferien". Da kriegt er — gleich nach Kriegsende — ein Kabel aus London: man erwartet ihn zur Erstaufführung des „K i d". Er zögert einen Augenblick: die Heimat, England, wiedersehen, neue Länder, neue Menschen kennenlernen. Reist unter Segenswünschen ab. Und nun geht's los. Reporteransturm in Chikago. Vorbote kommender Qualen. Begeisterungstrunkene reißen ihm schier die Kleider vom Leibe. Nicht einmal auf dem Schiff gehört er sich selbst. Aber es freut ihn doch ein bißchen. Und er gibt es zu, sagt es ieinfach, menschlich, wie alles Uebrige von dieser Reise (das Büchlein darüber heißt in französischer Uebertragung von P. A. Hourey „Mes Voyages"). Auf der Fahrt vergnügt er sich mit den Passagieren im Zwischendeck, bis ihm zudringliche Neugierde der „feinen" Gesellschaft den Spaß vergällt. Gewinnt ein kleines Mädchen zur Freundin. „Schwarze Haare, ein schönes spanisches Profil. Dunkle, strahlende, ausdrucksvolle Augen, in denen lachendes Leben tanzt. .Spanierin', frag ich. — ,Nein, Jüdin'." — „Was erklärt dein Talent (die Kleine möchte, wie Jackie, von Chaplin .adoptiert' werden)." — „Oh, finden Sie die Juden intelligen t?" — „Gewiß. Fast alle großen Talente hatten jüldischies Blut in sich. Nein ich bin nicht Jude (ich sehe ihr die Frage an), aber ich glaube bestimmt, in mir ist irgendwo was von der Rasse. Hoffe es wenigstens." Mit dieser Notiz aus seinem Reisebuch ist wohl auch das Märchen von Chaplins Zugehörigkeit zum Judentum endgültig zerstört. Otto A b e 1 e s hatte seinerzeit in der „Neuen Welt" einen langen begeisterten Hymnus auf „Charlie Chaplin, den jüdischen Künstler" geschrieben. Besser informieren! Bestrafte Synagogenschänder. In Lüneburg (Deutschland) wurde im November vorigen Jahres die Synagoge von Nationalsozialisten beschmiert und beschmutzt. Die Täter, junge Nationalsozialisten, waren vor kurzem vom Schöffen-1 gericht verurteilt werden. Diese und auch der Staatsanwalt' hatten Berufung eingelegt. In der Berufungsverhandlung ergab sich, daß der Vorsitzende der Nationalsozialisten in Lüneburg der Anstifter der schändlichen Tat war. Er hatte außerdem aufgepaßt, daß seine Freunde von der Polizei nicht überrascht wurden. Es wurden Strafen bis zu sieben Monaten ausgesprochen. PMkptftlHftffi« Iii n|i\iu|i|u bi^^ Ul llUUlblllk SellensteltLngasse 2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-8S Antijüdische Ausschreitungen in Warschau. In der Warschauer Vorstadt P r a g a kam es kürzlich zu sehr schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Große Trupps Huligans zogen durch die Gassen und Parks und überfielen alle ihnen entgegenkommenden jüdischen Passanten, die nicht nur schwer mißhandelt, sondern auch ausgeraubt wurden. 84 jüdische Einwohner erlitten Verletzungen, 30 Huligans wurden von der Polizei in Haft genommen. Erst spät abends, als ein größeres Polizeiaufgebot heranrückte, trat Ruhe ein. Walter Rathenau-Gesellschaft. Am 24. Juni, dem sechsten Todestage Walter Rathenaus, ist in seinem Berliner Hause in der Königsallee im Grunewald eine Walter Rathenau-Gesellschaft gegründet worden. Der Gedanke der Gründung geht aus von dem Stiftungsvorstand, insbesondere von Ministerialdirektor Brecht und Reichskunstwart Dr. Redsloh. Die Walter Rathenau- Gesellschaft soll den Freunden Walter Rathenaus und denen, die an seinem Leben oder seinen Werken Anteil nehmen. Gelegenheit geben, in eine enge Verbindung mit Dr. Walter Rathenaus Stiftung zu treten. Sie soll im Sinne Walter Rathenaus für die Beachtung der kulturellen und politischen Aufgaben des Staates und des einzelnen wirken und das Vermächtnis der Walter-Rathenau-Stiftung lebendig erhalten. Keine Juden in der palästinensischen Grenztruppe. In einer Unterredung mit einer Abordnung des W a a d L e u m i erklärte der Oberkommissär für Palästina Feldmarschall Lord P1 u m e r, die Zusammensetzung der palästinensisch-transjordanischen Grenzschutztruppe sei nun vollständig und es sei darum unmöglich, die Zahl der Juden in dieser Truppe zu erhöhen. Lord Plumer fügte hinzu, daß im Finanzjahre 1929/30 die Grenztruppe in ihrer Kopfzahl noch eingeschränkt werden wird. Palästina — ein englisches Dominium? Unter dem Vorsitz von Richard Licht he im fand in Berlin eine erweiterte Komitee-Sitzung der zionistisch-revisionistischen Gruppe statt, um zu dem bekannten Projekt des britischen Arbeiterführers Wedgwood, Palästina zum Dominion des britischen Reiches zu machen, Stellung zu nehmen. Die Diskussion ergab, daß die Meinungen über die politischen Möglichkeiten, die das Wedgwood-Proiekt böte, durchaus geteilt sind. Während sich Jabotinsky in einem Aufsatz im „Rasswjet" zu dem Vorschlag Wedgwoods positiv verhielt, wurde von anderen Rednern das Projekt aus ideologischen und praktischen Bedenken heraus abgelehnt. Hans Klee z. B. führte aus, daß die Juden, die in der ganzen Welt als FLE ISCHHAUEREI^ SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Bcrggasse IS und XVIII., SahringerstraBe 97 unter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen Ulli Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kohlen- und KoksgroBhandlung Für Tempel- und Wohlfahrtsvereine Ananahmspreiae Nordbahnrutscben 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien IL. Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. R 41-0-22 §

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