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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT «nnmiM^ Seite 9 Juden rückwärts der Front in der Etappe und der Heimat, in Kriegsgesellschaften usw. verwendet worden ist. Dagegen äst mir keine Festlegung irgendwelcher Art bekannt, daß die Juden ander Front ihre Schuldigkeit nicht getan hätten, sondern meine persönlichen Erfahrungen und die Erfahrungen, die mir von anderen übermittelt worden sind, lassen erkennen, daß die Juden an der Front ebensogut ihre Schuldigkeit getan haben wie die anderen auch." Besonders warme Worte für die Verteidigung der Juden gegen Verleumdungen fand der Vertreter des Reichswehrministeriums, Oberstleutnant von Stülpnagel: „Ich bin Qeneralstabsoffizier gewesen, von der Division anfangend, also direkt an der Front, bis herauf zur Heeresgruppe. Ich möchte scharf unterstreichen, was Exzellenz v. Kühl eben sagte. Ich habe schon als junger Generalstabsoffizier bei der 6. preußischen Division , die Erfahrung gemacht, daß d i eienigen Juden, die an der Front waren, ihre vollste Pflicht und Schuldigkeit getan haben. Ich will erwähnen, daß es mir eine Freude war, als unter den ersten auch einem Juden das Eiserne Kreuz verliehen wurde." In Wirklich objektiver Weise äußerte sich auch der Sachverständige Oberst a. D. Schwertfeger: „Ich habe im Kriege jahrelang Gelegenheit gehabt, die Verhältnisse im Generalgouvernement Belgien kennen zu lernen, das als Etappe anzusehen ist. Im Bereiche des Generalgouvernements Belgien waren natürlich an verschiedenen Stellen, besonders der politischen Verwaltung und der wirtschaftlichen Behörden, Angehörige der jüdischen Religion, und es ist damals verschiedentlich auch an das Generalgouvernement mit dem Wunsch herangetreten worden, eine stärkere Auskämmung im Sinne der Abgabe an die Front vorzunehmen. Es stellte sich aber dann in den meisten Fällen heraus, daß diese Herren auf dem Posten, auf dem sie waren, wirklich unentbehrlich waren und durch bessere und eingearbeitete Persönlichkeiten nicht ersetzt werden konnten, so daß sich auch die Mißstimmung, die gelegentlich darüber auch in Offizierskreisen geherrscht hat, verhältnismäßig bald gab. weil im einzelnen nachgewiesen werden konnte, daß man nicht in der Lage war, diese Leute aus ihrer Stellung zu entfernen und durch gleichwertige zu ersetzen. Ueberhaupt muß man, glaube ich, einen scharfen Unterschied zwischen den wirklichen Angehörigen des jüdischen Bekenntnisses und den Vielen machen, denen das Judentum nur angehängt wurde, weil sie Juden gewesen sind und nachher zu einem anderen Bekenntnis übergetreten sind. Diese Persönlichkeiten haben sich ja sehr häufig selbst leidenschaftlicht gerade über die vermeintliche Bevorzugung und Drückebergerei der Juden entrüstet." Der Schlußsatz ist bezeichnend: Von objektiver christlicher Seite, noch dazu von einem höheren Militär, wird hier die beklagenswerte Tatsache festgenagelt, daß die Hetze der Antisemiten gegen die angebliche Drückebergerei der Juden Unterstützung findet bei gewissen Kreisen jüdischer Proselyten, die in dem Bestreben, die Trennung zwischen sich und ihren ehemaligen Glaubensgenossen besonders auffällig zu machen, den Antisemiten willkommenes Material liefern, ohne zu bedenken, daß dieses Material sich letzten Endes gegen sie selbst richtet, da der Rassenantisemitismus in dem Wechsel des Glaubens kein wesentliches Moment für die Frage der Rassenzugehörigkeit sieht. Schließlich nahm noch der demokratische Abgeordnete Pfarrer Korell, jetzt hessischer Minister, die Gelegenheit wahr, Herrn Philipp gegenüber dessen Methode selbst anzuwenden. Da Herr Philipp aus einem Einzelerlebnis mit einem Juden verallgemeinernde Folgerungen auf den Charakter der Juden zog, erzählte Abgeordneter Korell einen Fall, wo ein jüdischer Unteroffizier bei dem Versuch, seinen Vorgesetzten zu retten, der durch eine Fliegerbombe schwer verwundet worden war, das Leben lassen mußte. Diesem jüdischen Unteroffizier sei damals von der Division ein sehr ehrenvolles Begräbnis bereitet worden. Damit war die Debatte über die Drückebergerei der Juden erledigt. Das Ergebnis war: Der deutschnationale Abgeordnete Philipp hatte einige unbewiesene Behauptungen aufgestellt, die sich auf ebenso unbewiesene Angaben Wrisbergs stützten. An konkretem Material konnte er lediglich einen einzigen Fall von jüdischer Feigheit bei seiner Kompagnie anführen. Demgegenüber konnte ich wahrhaft erschütterndes Zahlenmaterial über die jüdischen Blutopfer im Kriege vorlegen, aus dem hervorgeht, daß die Zahl der jüdischen Toten mit 15 Prozent den allgemeinen Durchschnitt von 12 Prozent überstieg. Aus den Darlegungen der militärischen Sachverständigen ergab sich, 1. daß die Juden an der Front in gleicher Weise wie die Christen ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, 2. daß sie zwar in vielleicht höherem Durchschnitt als die Christen (beweiskräftiges Zahlenmaterial liegt aber nicht vor) in den Kriegsämtern beschäftigt waren, daß aber diese Zuteilungen im Interesse der Kriegsführu n g erfolgten und nicht im Interesse der betreffenden 'Juden. Oberst Schwertfeger legte ja dar, daß eine Abberufung dieser Juden mangels geeigneten Ersatzes nicht möglich war. Auch diese Juden haben also dem Vaterlande gedient. Die Frage der Beteiligung der Juden am Kriege wird übrigens nicht nur in Deutschland, sondern in vielen anderen Ländern von antisemitischen Hetzern zu Lügen und Verleumdungen gegen die Judenschaft benutzt. Wegen des allgemeinen Charakters dieses Problems sei an dieser Stelle auf einen außerdeutschen Zeugen Bezug genommen. Im ungarischen Parlament machte vor kurzem der ehemalige Generalstabshauptmann Ludwig S z i 1 a g y i bei der Beratung des numerus clausus-Gesetzes interessante Mitteilungen über die Kriegsmentalität der Juden. Szilagyi war während des Krieges eine Zeit lang Generalstabsoffizier eines höheren Kommandos gewesen. Täglich liefen bei ihm Klagen darüber ein, daß die Judenschaft nicht ihrer Bevölkerungsziffer entsprechend Soldaten stelle. Szilagyi bildete darauf, vor allem in Budapest, Rekrutierungskommissionen, in denen weder ein jüdischer Arzt noch ein jüdischer Offizier saßen. Er ließ dann die Ergebnisse der Rekrutierungskommissionen zusammenstellen. Beim Vergleich stellte sich heraus, daß diese judenreinen Kommissionen vollkommen überflüssigerweise aufgestellt worden waren, weil sie eine ebenso große Anzahl von Juden als untauglichzurückgewiesen hatten wie vorher die gemischten Kommissionen. Daraus ergab sich, daß die nicht zum Heeresdienst eingezogenen Juden tatsächlich untauglich waren. Was die Zahl der toten Juden in der ungarischen Armeee im Kriege anbelangt, so stellte Szilagyi fest, daß bei den jüdischen Mannschaften die Todesopfer unter dem Durchschnitt blieben. Nehme man aber Offiziere und Mannschaften zusammen, dann hätten die Juden weit über die Verhältnisziffer hinaus Verluste an Toten gehabt. Auch die Zahl der Kriegswaisen gehe bei den Juden über die Verhältnisziffer hinaus. Die Juden haben also keinen Grund, die Verleumdungen ihrer Gegner mit Verachtung stillschweigend zu übergehen. Gerade die Verhandlungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Deutschen Reichstags haben wesentlich dazu beigetragen, den Mangel an antisemitischem Material und die wertvollen Argumente objektiver Zeugen und Sachverständiger dem Volke darzulegen. Im Interesse der Juden aber ist es, dieses Material entsprechend auszuwerten. ■ i 1 Herren^ und Damenkleider ■ ■ 5 S nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Even-; S tuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlungserleichternngen! ■ ■; Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 ■ ■ Telephon 2-15; l______________________________________________............____„_____J Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 dim bestell Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 80-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■

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