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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT JililillilllilliillllllllUllHlimiüinillllllllllHlllIH mmuniiminHiiwum, 5^ 1 „Nach Verlauf dreier Jahre mußt du ausscheiden den Zehnten deines Ertrages in diesem Jahre und es liegenlassen in deinem Tore. Dann soll kommen der Levi, denn er hat kein Landbesitz bei dir, und der Fremdling, und die Witwe und die Waise, daß sie essen und satt werden, daß dich segne der Ewige dein Gott, in allem Werk deiner Hände, das du tust." Wir sehen, daß der Fremdling noch vor der Witwe und Waise genannt wird. Im selben Geiste der Liebe bestimmt der Gesetzgeber II. 22. 20: „Und einen Fremdling sollst du nicht kränken und nicht drücken, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten." II. 23. 9: „Und den Fremdling bedrücke nicht, denn ihr wisset um der Fremdlinge Herz, da ihr selbst Fremdlinge gewesen im Lande Aegypten." III.. 19. 34: „Und wenn bei dir weilet ein Fremder in eurem Land, sollt ihr ihn nicht drücken. Wie der Eingeborene unter euch sei euch der Fremdling, der bei euch weilet, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremdling wäret ihr im Lande Aegypten. Ich bin der Herr, euer Gott." Nur eine einzige Ausnahme ist bei der Gleichstellung vorhanden, und es ist notwendig, daß wir diese Stelle eingehend betrachten. Es heißt V. 23. 21: „Du sollst nicht nehmen von deinem Bruder Zins an Geld, Zins an Speise. Zins an irgendeiner Sache, die verzinst werden kann.'" Dann aber heißt im folgenden Verse weiter, und ich zitiere diesmal den Text in seiner Sprache: „Lanochri ssaschich ulochicho lau ssachich." Wörtlich übersetzt: „Den Ausländer bezinsen und deinen Volksgenossen nicht bezinsen." Sinngemäß wird die Stelle in zweifacher Weise übersetzt. Die einen übersetzen: „Von dem Ausländer darfst du Zins nehmen, aber von deinen Volksgenossen darfst du keinen Zins nehmen"; die anderen übersetzen: „Von dem Ausländer sollst du Zins nehmen, aber von deinem Volksgenossen sollst du keinen Zins nehmen." Was nach der hebräischen Grammatik richtiger ist. darüber bin ich nicht imstande zu urteilen, aber ich glaube, daß. wenn der eine Teil der Bestimmung ein Verbot ist, der andere Teil der Bestimmung ein Gebot ist, daß demnach die richtige sinngemäße Uebersetzung lauten muß: „Von dem Ausländer sollst du Zins nehmen." (Fortsetzung folgt.) Wilhelm IL hat seit dem Ausgang des großen männermordenden Krieges einen Teil seiner Zeit bekanntlich dazu benützt, die Meinung, daß er sich je mit anderen als pazifistischen Plänen getragen habe, als eine — jüdische Verleumdung zu brandmarken. Wie pazifistisch noch heute der Exilierte in Doorn denkt, zeigt wohl auch das Telegramm, das er in Beantwortung einer huldigenden Zuschrift an die „Sulzbacher Zeitung" sandte. Da erklärt der Exkaiser, er halte sich versichert, „daß der opfermutige Kampfgeist, der sein Regiment (das königlich-bayrische Infanterieregiment) beseelte, auch weiterhin gepflegt wird und sich auswirkt, wenn es gilt, das deutsche Vaterland zu befreien und wieder aufzurichten unter sei n. e m König und seinem angestammten Fürst e n". Man wird zugeben müssen, der Exkaiser ist heute, wo er sich im wohlverdienten Ruhestand befindet, genau noch derselben Pazifist, der er zur Zeit seiner schrankenlosen Aktivität war. * * * Ein „alter Wiener Journalist" schreibt uns: „Darf ich Ihnen anläßlich der Enthüllung des „Unger- Denkmals" eine kleine Mitteilung machen, die vielleicht nicht einer gewissen Pikanterie entbehrt. In einem der vielen Festartikel, die dem Andenken des genialen Staatsmannes und Rechtsgelehrten Unger gewidmet wurden, ist u. a. auch an ein Witzwort erinnert worden, das Unger einst in einer Sammlung epigrammatisch zugespitzter Bemerkungen zur Charakteristik eines in seiner Ueberzeugung nicht allzu konsequenten Politikers veröffentlicht hatte. Er nannte diesen Politiker einen zweiten Luther, der in Variierung eines berühmten Wortes von sich sagen durfte: „Hier stehe ich, Gott helfe mir, ich kann auch anders." Manchem Leser mochte sich wohl die Frage aufgedrängt haben, wen Unger gemeint habe. Diese Frage muß ich offen lassen. Aber dafür kann ich mit Bestimmtheit erklären, daß schon einige Jahre, bevor das Ungersche Buch erschienen, ein Journalist, der in einem Wiener Montagsblatt die Wandlungen Dr. Luegers vom enthusiastischen Demokraten zum antisemitischen Führer mit den schärfsten Glossen begleitete, dieses Wort zur Charakteristik des einstigen glühenden Verehrers Fischhofs in einem Artikel des erwähnten Blattes angewendet hatte. Dr. Unger hatte es wahrlich nicht nötig, sich fremde Witze anzueignen. Begegnungen in einem Apercu sind nichts Neues, aber schon vor ein paar Jahrhunderten hat ein Schriftsteller treffend bemerkt: „Das Gedächtnis ist auch ein — Plagiator". * * * Demnächst soll nicht weit von Wien, also noch auf europäischem Boden, der sensationelle Prozeß gegen eine Gesellschaft prinzipiell kannibalisch lebender Zigeuner beginnen, die sich nicht begnügten, Menschen totzuschlagen und zu berauben. Mit Grauen und Entsetzen hört man, daß es noch in unseren Tagen Menschenfresser im buchstäblichen Sinne des Wortes gibt. Man wird sich wirklich hüten müssen, die speziellen Judenfresser mit einem harten Worte zu treffen. Das sind ja wahre Engel an Güte und Erbarmen! * * * Baron Hatvany hat in der dritten Instanz mildere Richter gefunden, die es zu würdigen wissen, daß der anklagende Kronanwalt selbst es war, der die dankbare Rolle des Verteidigers übernommen. Die ursprüngliche Gefängnisstrafe von 7 Jahren ist nunmehr auf 18 Monate reduziert und der Reichsverweser braucht nur einen kleinen Griff in den unermeßlichen Schatz seiner Gnadenfülle zu tun und Hatvany ist ein freier Mann. Ein Chronist späterer Tage wird also feststellen können, daß das härteste Urteil über Hatvany in diesem Prozesse eigentlich von — ihm selbst gefällt wurde. Gegen dieses Urteil gibt es nämlich keine Revision. * * * In parlamentarischen Kreisen Ungarns verlautet, daß der Chef der Rassenschützler, Gömbös, dessen Eintritt in die Regierungspartei niemand bezweifelt, demnächst auch zum Staatssekretär ernannt werden soll. Einen solchen Bombenerfolg haben vielleicht selbst, die „Erwachenden" nicht erhofft. Jetzt könnten sie wirklich schon ruhig schlafen. Ego. $>amenkteider - Jitetier Arbeltseemetnsckaft JOdlseber Walsemmtädchea im Dr. KrSger-Helm Wien II., Malzgasse 7, Tel. R43-5-40 Übernahme aller Arbeiten, von Reparaturen bis zur aUertalnaten Maßarbalt. Billige Preis*!

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