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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 iüniH'imidniHiKiiüiuiflfmfflninKiiHi **" DIE WAimHEIt wir nicht einmal das Volk der Erzväter, der Könige, der Propheten — Mosis, Josuas, Simsons, der Makkabäer? Und heute?! Das habt ihr aus uns gemacht durch zwei Jahrtausende einer Menschenhatz, wie sie scheußlicher, blutgieriger, seelenmörderischer diese peststinkende Erde nie gekannt hat--bis zu jenem Tage, da der boche erfunden wurde! Und daran wollt ihr euch beteiligen, ihr, Deutschlatds geistige Blüte, Deutschlands künftiges Hirn und Herz? Dann gut' Nacht deutsches Wesen, deutsche Kultur! Aus dem Haß, den ihr in unsere Herzen sät. wird Vernichtung aufwachsen wie aus des alten Griechen Drachensaat!! Und warum das alles? Weil ihr noch immer in eurer mittelalterlichen Kleinbürgerlichkeit und Borniertheit steckt und die verwandelte Welt um euch nicht begreift, nicht begreifen wollt, weil ihr noch immer nur auf den Stempel seht und nicht auf den Menschen! Weil euer ganzes Nationalgefühl negativ ist, sich darin auslebt, andern das Recht und die Möglichkeit nationalen Empfindens abzustreiten! Darum fühlen der .volksfremde' Jude und der .vaterlasndslose Geselle', der Proletarier, sich zueinander hingezogen, weil ihr, die abgestempelten Patentdeutschen, den einen . wie den anderen zurückstößt, statt uns zu euch hinanzuziehen. hinanzuziehen ..." Der Sozialismus der mosaischen Gesetzgebung. Von Dr. Sternberg (Emden) (Fortsetzung.) Es ist für uns von besonderem Interesse, zu sehen, wie Luther obige Stelle vom Zinsverbot übersetzt. Er übersetzt die Stelle „so lege ihm keinen Zins auf" mit den Worten „so sollst du keinen Wucher mit ihm treiben". Dadurch erhält diese Stelle einen ganz, ganz anderen Sinn, freilich nur für uns Heutige, aber nicht seinerzeit für Luther. Wir finden nämlich, das Luther das Wort Wucher überall dort gebraucht, wo nach jetzigem Sprachgebrauch Zins gemeint ist, und daß Luther das Wort Zins überall dort gebraucht, wo nach jetzigem Sprachgebrauch Tribut oder Steuer gemeint ist. Woher diese verschiedenen Benennungen? Das christlichkanonische Recht hat das Zinsverbot einfach aus unserem Gesetze übernommen. Pecunia pecuniam parere non potest. Geld kann nicht Geld hecken. Unzweifelhaft richtig. Kirchenväter, Päpste und Konzilien haben sich wiederholt gegen den Zins gewandt, stellenweise mit so heftigen Worten, daß man daraus schließen darf, daß Zins genommen und gegeben worden ist. Mit der Geldwirtschaft einerseits und mit der Verkäuflichkeit des Grund und Bodens anderseits mußte nämlich der Zins kommen, so sicher wie der Donner hinter dem Blitze herkommt. Was die Päpste durch das Zinsverbot erreichten, war nur, daß das Geld in Strümpfen aufbewahrt wurde, daß es verschätzt wurde, und daß später bei zunehmendem Geldverkehr das Zinsverbot immer mehr umgangen wurde. Die katholische Kirche hat denn auch schließlich den Kampf gegen den Zins vollständig eingestellt. Luther hat den Zusammenhang zwischen Zins und Rente nicht erkannt, er sah eben in jedem Zins nur Wucher und sagt: „Aber das größte Unglück deutscher Nation ist gewißlich der Zinskauf. Wo der nicht wäre, müßte mancher seine Seide. Sammet, Goldgestick, Spezerei und Prangen wohl ungekauft lassen. Er ist nicht viel über 100 Jahre gestanden, und hat schon fast alle Fürsten, Stifte, Städte, Adel und Erben in Armuth, Jammer und Verderben gebracht. Sollte er noch 100 Jahre stehen, so wäre es nicht möglich, daß Deutschland einen Pfennig behielte, wir müßten uns gewißlich untereinander fressen. Der Teufel hat ihn erdacht, und der Papst wehe getan mit seiner Bestätigung aller Welt" (An den christlichen Adel deutscher Nation.) Dagegen hat Calvin den Zusammenhang zwischen Rente (Grundrente) und Zins erkannt. Er sagt: „Geld erzeugt nicht Geld, das ist unbestritten; aber mit Geld kauft man Land, welches aus sich heraus Pacht bringt; demnach muß man auch für das Geld als solches Zins bekommen können." Unzweifelhaft richtig und allgemein verständlich. Calvin erlaubte also den Zins, und es ist wohl kein Zufall, wenn die calvinistischen Länder Niederlande und Schottland die Länder waren, in denen sich zuerst die Anfänge des modernen Großkanitaiismus tntwickelten. Wenn das Geld verschätzt wird, so ist das volkswirtschaftlich dem Zustande gleich, als ob das Geld gar nicht vorhanden wäre. Das Geld ist aber für den wirtschaftlichen Organismus dasselbe, was das Blut für den tierischen Organismus ist, was die Kohle für den Betrieb der Dampfmaschine ist. Fehlt es an Geld, läuft es nicht um. dann stocken die Betriebe. Der wirtschaftliche Stillstand des Mittelalters wurde bedingt durch die geringe vorhandene Geldmenge. Der Geldmangel war, soweit die Edelmetalle nur spärlich gefunden wurden, ein natürlicher, er wurde aber künstlich noch verschärft durch das Zinsverbot. Bei dieser Sachlage war der jüdische Geldverleiher — der Jude durfte vom Ausländer Zins nehmen; wir werden es gleich näher besprechen — eine wirtschaftliche Notwendigkeit, genau so wie im Kriege bei der unnatürlichen Zwangswirtschaft der Schieber eine Notwendigkeit war. Gibt es in Deutschland auch nur einen einzigen Menschen, der im Kriege nichts gegessen hätte, was geschoben war, oder der, wenn er Selbstversorger war, sich nicht gegen die gesetzlichen Anordnungen vergangen hätte? Wenn dann die Juden durch Geldgeschäfte zu Reichtum gelangt waren, dann wurde eine Judenverfolgung, ein Pogrom, in Szene gesetzt, natürlich nur aus gerecht-religiösen Gründen, so wegen Ritualmordes, Hostienschändung, Brünnenvergiftung usw., usw. Daß das Vermögen der erschlagenen Juden dann eingezogen wurde, war natürlich nur „gerechte Strafe". Worin besteht die Macht des Kapitals? Vom mosaischen Standpunkte aus lautet die Antwort:: „In der Fähigkeit, sich durch Zins und Zinseszins zu vergrößern." Andere geben andere Erklärungen. So sagt der Bolschewist Radek in der „Russischen Correspondenz" August 1920: „Der Prozeß der sozialen Revolution besteht ja darin, daß die Arbeitermassen in eine Lage kommen, in der sie jedes Vertrauen zum Kapital verlieren und darum die Hände ausstrecken nach der kapitalistischen Macht in ihrem innersten ^Kern: den Werken und Fabriken." Die Bolschewisten haben die Hand nach den „Werken und Fabriken" ausgestreckt und diese „sozialisiert". Ob sie damit etwas Kulturförderndes oder das Gegenteil davon getan haben, ob sie die Produktion damit gehoben oder damit vermindert haben, steht hier nicht zur Debatte. Wohl aber dürfen wir hier feststellen, d a ß -e s -Geiste der mosaischen Gesetzgebung widerspricht, wenn sie die Hand nach den „Werken und Fabriken" ausgestreckt haben, und daß sie damit nach den Begriffen der mosaischen Sozialpolitik die kapitalistische Macht in ihrem innersten Kern nicht getroffen haben. Die mosaische Gesetzgebung ist bis auf den heutigen Tag die einzige Gesetzgebung, welche kein Fremdenrecht kennt. Was Fremdenrecht bedeutet, haben die Auslandsdeutschen im Weltkriege leider zur Genüge kennengelernt. Die mosaische Gesetzgebung sagt II. 12. 49: „Ein Gesetz, Ein Recht soll euch und dem Fremdling sein, der bei euch wohnen wird." III. 24. 22: „Es soll einerlei Recht unter euch sein, dem Fremdling wie dem Einheimischen; denn ich bin der Herr, euer Gott." IV. 15. 15 bis 16: „Der ganzen Gemeinde sei Eine Satzung, beides euch und den Fremdlingen. Eine ewige Satzung soll das sein euren Nachkommen, daß vor dem Herrn der Fremdling sei wie ihr." Aber nicht allein gleiches formales Recht war dem Fremdling wie dem Einheimischen, der Gesetzgeber nimmt sich in liebevoller Fürsorge des Fremdlings wie des einheimischen wirtschaftlich Schwachen an. Es heißt V. 14. 28—29: JAC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eigene rfaiOcftfotelluntf Zentrale: Wim II., GlOCkengaSSO 24Tel. R48-4-79 für KuRusbeanrte und Vereins!uaktleaSre gegen Legitimation 10% Nachlaß ■ ■ ■ ■

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