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Die Wahrheit · 1928-07-06 · Heft 27 (6.7.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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* DIE WAHRHEIT «mmmnmiiim^^ Seite 5 selben triumphierten die hehren Prinzipien der Gleichheit und Brüderlichkeit. Am 8. d. M. kam der Bischof der Diözese Syrmiens und Bosniens, Dr. Ante A k § a m o v i£ aus D j a k o v o in unsere Stadt, um die Firmung zu spenden und an der 200jährigen Gründungsfeier des Franziskanerklosters, welche mit ganz besonderem Pomp begangen wurde, teilzunehmen. Dem Kirchenfürsten, der mit den allergrößten Ehren empfangen wurde, machten nach dem Gottesdienste die Vertreter der Konfessionen, Behörden, Aemter und Vereine ihre Aufwartung. Als erste Deputation wurde selbstverständlich die Geistlichkeit empfangen. Die zahllosen katholischen Geistlichen erklärten, daß sie als Hausherren den Vorrang den Andersgläubigen einräumen. Die Serben behaupteten, daß sie auf dem Standpunkte der Gleichheit stehen und daher den Vorrang infolge seines Alters und Ranges dem Oberrabbiner von Syrmien überlassen müssen. Und es ereignete sich der vielleicht einzigartige Fall, daß bei der Begrüßung eines katholischen Kirchenfürsten den Reigen der unzähligen Deputationen ein Rabbiner eröffnete. Sabbath nachmittags stattete ihm der Bischof mit seiner Suite einen halbstündigen Besuch ab und Sonntag mittags, anläßlich des vom Arrangierungskomitee veranstalteten glänzenden Banketts, wurde ihm die hohe Ehre zuteil, den ersten offiziellen Toast auf den illustren Gast zu halten, der einen Sturm der Begeisterung hervorrief und vom Kirchenfürsten mit den allerwärmsten Dankesworten erwidert wurde. Am 13. d. M. wurde in O s i j e k der 9 Tage früher in Franzensbad plötzlich verschiedene Vizepräses der Kultusgemeinde .Julius Weiss unter imposanter Kundgebung der Trauer zu Grabe getragen. Der im besten Mannesalter — im 50. Lebensjahre — Heimgegangene bekleidete seit einigen Monaten die Ehrenstelle des Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer, die an sein Wirken die schönsten Hoffnungen knüpfte. Am 17. d. M. feierte die Chewra-KadischainSombor das Zentannarium ihres Bestandes. Mittag waren die verschiedenen Rabbiner und Vertreter der auswärtigen Gemeinden und Chewras Gäste des vornehmen und streng religiösen Hauses des Vorstehers der Chewra, des Herrn Eugen Wamosi und seiner Gattin Julie. Vormittags erfolgte die feierliche Einweihung des „Zidduk-Haddin"-Hauses, bei welcher der greise Oberrabbiner Dr. Michael Fischer die Festrede hielt. Im Rahmen des im festlich geschmückten Tempel nachmittags abgehaltenen Gottesdienste sprachen der junge Oberrabbiner Dr. Simon Guttmann und Landesirabbiner Dr. Isak Alkalay. Abends fand ein Chewrah-Mahl für 250 Personen statt, bei welchem die Bedeutung des Tages in zahlreichen Reden gefeiert wurde. Dr. Guttmann verewigte ihn mit einer 148 Seiten umfassenden Jubelschrift über die Geschichte der Gemeinde und ihrer Vereine. _[ ■ 1 L.l----J. . Walter Bloem zum 60. Geburtstag. Von Herbert Eulenberg. Sein Lebenslauf ist eigentlich der üblich vorschriftsmäßige eines gebildeten Deutschen gewesen. Als Sohn eines Rechtsanwaltes in Elberfeld geboren, wird er selber wieder Rechtsanwalt. Allerdings mit von Jugend an vorhandenem starken schöngeistigen Einschlag. Aber auch das war bei den Bioems, die es immer etwas mit der Kunst und dem Theater hatten, nichts ganz außergewöhnliches. Angeregt durch Erfahrungen, die er als Referendar, als Paragraphenlehrling und als Reserveleutnant gemacht hat, beginnt er dann Romane zu schreiben: Romane, die sich von vornherein einer großen Gunst des Publikums erfreuen können. Diese Beliebtheit wächst noch mit den späteren Werken, mit dem „Eisernen Jahr" und den „Schmieden der Zukunft", so daß Bloem bald zu den meistgelesenen Schriftstellern des deutschen Volkes gehört. Vom Kaiser angefangen bis zur kleinen Weißnäherin wird er verschlungen. Wilhelm der Zweite hat Bloem eigens mehrfach zu sich beschieden, um sich mit ihm, den er nach Ganghofer von allen Romanschriftstellern unserer Zeit am stärksten verehrte, eingehend über seine Bücher zu unterhalten. Eine Weile schwenkt Bloem dann als Dramatikus und Dramaturg zum Theater über, um nach ein paar Jahren sich wieder ganz der Romanschreiberei zu widmen. Den Krieg übersteht er, als Student schon ein erster Fechter auf dem Paukboden, als einer der tapfersten deutschen Offiziere. Trotz mehrfacher schwerer Verwundungen meldet er, der eigentlich längst aus dem Schneider heraus ist, sich immer wieder an die vorderste Front. Soweit also ein schöner Lebenslaut eines erfolgreichen deutschen Modeschriftstellers. „So schön, wie man ihn nur verlangen kann", wie es am Schluß des „Wozzek" heißt. Da überrascht Bloem sein liebes gutes Publikum plötzlich nach dem Krieg durch einen neuen Roman „Ü rüderlichkei t", in dem er ais neues deutsches Zukunftsideal den „Willen zur Volkheit" aufstellt, das heißt die hingebende Liebe zu allen deutschen Staatsbürgern, weß Standes und Glaubens sie seien, welcher Klasse und auch Rasse sie angehören mögen. Da beginnt ein Teil seines bisherigen Publikums von Bloem sichtbarlich abzurücken. Das hatte man bisher nicht für möglich gehalten, daß ein deutscher Korpsstudent für einen Juden, ja das ganze Judentum Partei nehmen könnte, ja, daß ein deutscher Mann — entsetzlich nur zu denken, geschweige denn auszusprechen! — eine Jüdin als seine rechtmäßige Ehefrau heimführt. Es hieß damals, daß seine Studentenverbindung von Walter Bloem das Bandzurückg/efondert habe, nachdem dieser Roman, in dem „Christus über Wotan triumphier t", dort zur Kenntnis gekommen sei. Wenn dem so gewesen ist, Bloem wird als anständiger, gereifter Mann auch darüber hinweggekommen sein. Für ihn handelte es sich nicht darum — und das ist Anziehendste an dieser Sache wie an ihm —, fortan in Philosemitismus in Deutschland zu machen. Er hat mit diesem Buch nur seine Visitenkarte bei der Humanität abgegeben und seinen früheren und heutigen Studentengenossen erklärt: „Was seid ihr für Heuochsen und wahrhafte Barbaren, wenn ihr die Juden unter den Deutschen verachtet oder gar, wie es geschehen ist, euren Vereinsmitgliedern die ,Ehe mit jüdischen oder farbigen Weibern' untersagt", eine traurige Tatsache, um die Bloem und mein alter Freund Senatspräsident Wierusze wski in Köln ihrer Verbindung das ihnen verliehene Band seinerzeit wieder dankend zugestellt haben. Um dieser vornehmen Gesinnung willen, die leider bei uns noch immer nicht selbstverständlich ist, sei Walter B l o e m s, der aus einem krassen Fuchs ein alter erfahrener Herr geworden ist, an seinem Ehrentag gern gedacht! Möge er weiter dem Spruche Goethes folgen, den er als Motto vor seinem Roman „Brüderlichkeit" gestellt hat: „Alle menschlichen Gebrechen sühnet reine Menschlichkei t." Aus dem Roman „Brüderlichkeit" von Walter Bloem: „Ich habe recht — der Antisemitismus unserer Tage i s t ein mittelalterliches Fossil. Wir müssen mit dem Judenproblem endlich einmal fertig werden — und das können wir nur durch klares und folgerichtiges Handeln, nicht durch Lärm und Hetze und Verewigung unhaltbarer Zustände! . . ." „Ich bin ein Jude, und ich bin ein Deutscher. Das ist kein Gegensatz. Es braucht wenigstens keiner zu sein — darf in Zukunft keiner mehr sein . . ." . . . „wir wollen endlich eine Heimat haben, ein Volk — wollen von jenen Leuten, deren Sprache unsere Muttersprache ist, endlich als Stammesgenossen und Brüder anerkannt werden. Dafür habe ich gekämpft im feldgrauen Rock, dafür meine Mensuren geschlagen, dafür habk ich zähneknirschend hundert und tausend Feindesblicke und Feindesworte in mich hineingewürgt — dafür gehe ich morgen früh den schwersten Gang meines Lebens. Denn ich soll morgen auf einen Menschen zielen, der mein Bruder ist — und wenn er mich zehnmal haßt und verachtet. Ich werde ihn umbringen müssen, sonst bringt er mich um. Aber ich hasse ihn nicht. Ich liebe ihn — euch alle." „Noch habt ihr Korpsstudenten, ihr Akademiker, die ihr euch für die Fährerschicht der Nation haltet, noch habt ihr nicht begriffen, daß ihr uns entgegenkommen, uns helfen müßt. Daß es eure Aufgabe ist. den weltgeschichtlichen Prozeß der .Amalgamierung', den schließlich doch unvermeidlichen, unaufhaltsamen, nach Kräften zu fördern, zu entgifte«, schmerzlos und reibungslos zu gestalten, statt ihn auf jede Weise zu verschleppen, zu erschweren, zu verschärfen. Noch dünkt ihr euch, etwas Großes zu leisten, indem ihr .völkisch' denkt statt national, statt menschheitlich. Ihr beruft euch auf ,euer gesundes Empfinden', das uns als .äußerlich und innerlich wesensfremd und widerwärtig* ablehnt Ja zum Teufel, wer hat uns denn zu dem gemacht, was wir sind?! Waren

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