Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Reihe von Arbeiten darauf richtet, die Düngerstoffgewinnung aus dem Wasser des Toten Meeres zu treiben. Dr. Bobtelsky bemüht sich ganz besonders um diese Arbeiten, die in der Fach- und Tagespresse der ganzen Welt schon zu Diskussionen geführt haben. Der Sekretär der Universität ist ein junger Gelehrter: Ari Ibi Sahhav, ein Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte. Neben seiner amtlichen Tätigkeit verfolgt er besondere wissenschaftliche und literarische Ziele. Er hat soeben einen zweibändigen Roman „Die Tage Davids" abgeschlossen, ein Roman, der bei aller dichterischen Gestaltung sich streng an Ort und Zeit im Sinne der biblischen Geschichte hält. Er schürft und konstruiert physiologisch besonders da, wo der reine Sinn des erhabenen Königs Zweifeln begegnet. Das Problem heißt: David, Badseba und Urias. Der Roman erscheint zunächst in Hebräisch; der Autor hofft auf einen englischen und deutschen Verleger und denkt auch an eine filmische Gestaltung. So wie die Jerusalemer Universität heute ein Convivium von Gelehrten und Studierten darstellt, die die forscherischen Arbeiten viel mehr im Auge haben als die Ausbildung von jungen Leuten für irgend einen praktischen Beruf, so ist sie an einer Verbreiterung der pädagogischen Basis nicht zuletzt dadurch gehindert, daß die offizielle Lehrsprache hebräisch ist. So wie der Roman „Die Tage Davids" erst die Anerkennung der Welt finden kann, wenn eine Uebersetzung in eine der großen Kultursprachen erfolgt ist, so wird es auch mit mancher wissenschaftlichen Arbeit gehen. Es ist also im gewissen Sinne schade, daß die Auswertung der forscherischen Arbeit durch die jüdisch-nationale Tendenz, die der Einfluß des Zionismus immer mit sich führen wird, starke Hemmungen erfährt. Es wird aber kaum zu ändern sein, denn das Werden dieses Jerusalemer wissenschaftlichen Milieus ist letzten Endes auf die politischen und kulturellen Ideen des Zionismus und dessen Freunden zurückzuführen. So wird denn möglicherweise der syrische und ägyptische Student und vielleicht auch gelegentlich der palästinensische, wenn er an seinen späteren praktischen Beruf und sein Fortkommen in der Welt denkt, viel eher nach Beirut gehen als nach Jerusalem. Hebräisch als Lehrsprache und wissenschaftliche Hilfsmittel in Gestalt von hebräischen Büchern sind für den jungen Akademiker, der an Examen und Berechtigung denkt, ein nicht zu unterschätzendes Problem. _ Die Jewish Agency. Nach einem Abkommen zwischen M a r s h a 11 und Weizmann seil die Jewish Agency, die bekanntlich gemäß der Bestimmung des Palästinamandats die englische Mandatarmacht und die Palästinaregierung in allen Fragen des sogenannten „Jüdischen Nationalheims" beraten soll, umgebildet werden. Bisher fungierte die Leitung der zionistischen Weltorganisation als Jewish Agency; fortan soll sie durch eine Organisation repräsentiert werden, die zur Hälfte von der zionistischen Organisation, zur andern Hälfte von anderen Instanzen, unter Beteiligung von Nichtzionisten, besetzt wird. Als Vorstufe zu dieser umgebildeten Agency, von der man in den offiziellen zionistischen Kreisen eine Ueberwindung der jetzigen Stagnation im Aufbau erhofft, war die zur Empfangnahme der Experten-Gutachten eingesetzte Kommission zur Vorbereitung der Erweiterung der Jewish Agency (Joint Palestine Survey Commission) gedacht. Die Kommission hat nun nach Abschluß ihrer Londoner Sitzungen, die bekanntlich hinter verschlossenen Türen stattfanden, ihren Bericht veröffentlicht. Die Kommission se>tzte sich zusammen aus den Herren Sir Alfred Mond, den amerikanischen Wirtschaf tsführern Felix M. Warburg und Dr. Lee K. Frankel, sowie dem Direktor der „Deutschen Bank" Oscar Wassermann: weiters nahmen an den Beratungen auch der Präsident der zionistischen Weltorganisation Professor Dr. Chaini Weizmann und der bekannte amerikanisch-üidische Führer Louis M a r s h a 11 teil, die beide das oben erwähnte Abkommen vom 17. Jänner 1027 betreffend Erweiterung der Jewish Agency und die Einsetzung der Joint Palestine Survey Commission unterzeichnet haben, teil. Der 200 Druckseiten starke Bericht zerfällt in einVorwort und zwei Hauptteile. Das Vorwort behandelt die Geschichte Anmerkung. Diese tiefsinnige, für die jüdische Auffassung vom Tode äußerst charakteristische Sage hörte ich auf den Namen des Wilnaer Gaon erzählen. Doch ist sie auch unter den Chassidim verbreitet, die sie verschiedenen ihrer Heroen vindizieren, u. a. sogar dem Baal-Schern. Eine Nächst im Paradiese. Es fuhr einmal ein armer Mann durch einen tiefen Wald. Er hatte nur einen alten zerbrochenen Wagen und ein armes, kleines Pferdchen, und wie er sich so dahinschleppte, kam der Freitag und es wurde Abend. Da mußte er nun stehen bleiben und den Sabbat feiern. Er gab seinem Pferdchen Futter, betete und holte aus dem Sack ein trockenes Stück Schwarzbrot hervor und hielt das erste Sabbatmahl. Dasselbe tat er am Morgen und am Abend. Und wie er so mit seinem Pferdchen im wilden Walde dastand, gedachte er der alten Zeiten, da er noch reich war und den Sabbat ganz anders feierte, als hier auf dem Wagen mit einer Krume Schwarzbrot. Da saß er mit Frau und Kindern und hatte zahlreiche Gäste bei Tische, und sie sangen die schönen Sabbatlieder, wie es Gott gebietet, und man trug die besten Speisen auf und trank Wein und war fröhlich von Herzen. Und wie er so nachdachte, wurde ihm immer trauriger zu Mute, und er fing an zu weinen: „Nun habe ich mich mein ganzes Leben redlich gemüht und gerackert, und am Ende ist es so weit gekommen. Warum straft mich Gott so hart? Freilich, meines Anteils an der anderen Welt bin ich sicher, und nachdem ich meine Sünden abgebüßt habe, werden mir alle Herrlichkeiten des Paradieses zuteil werden. Aber wenn Gott mir für einen Teil jener Herrlichkeiten, die mich im Himmel erwarten, ein klein wenig irdische Güter geben wollte, damit ich es nicht nötig hätte, mich so bitterlich zu plagen!" Mittlerweile wurde es Nacht. In den alten guten Zeiten pflegte er zu dieser Stunde am Ausgang des Sabbats das Geleitemahl, das Festmahl des König David, abzuhalten. Was war da für eine Freude und Lustigkeit im Hause; man sang die Eliah-Lieder und „sagte Thora" und erzählte schöne Geschichten, bis der Morgen graute. Und jetzt saß er da im finsteren Walde und hungerte, denn das Schwarzbrot war schon zu Ende. Und wie er sich an das alles erinnerte, erhob er die Augen und bemerkte in der Ferne ein Lichtlein. Dem Lichtlein ging er nach und gelangte in ein kleines Häuschen, wo er eine alte Frau fand. Die alte Frau bot dem Ausgehungerten eine Portion Fische an, die ihr vom Sabbatmahl geblieben war. Natürlich wollte er zuerst die Semirot!; für den Sabbatausgang singen. Er fing an, in der Stube auf und ab zu gehen und zu singen, und wurde nicht so bald fertig. Da kam zu ihm ein Mann und sprach: „Komm', ich lade dich zum Gastmahl". Er faßte ihn bei der Hand und führte ihn durch eine unterirdische Höhle einen weiten, weiten Weg, bis sie nach einem Raum gelangten, der voll war von Licht, daß es aussah wie bei hellem Tag. Darinnen saßen viele Menschen, junge und alte. Es waren lauter schöne Menschen und sie sahen sehr edel aus. Alle hatten weiße Gewänder an, und als die beiden hereinkamen, gab man ihnen auch weiße Gewänder zum Anziehen. Dann setzten sie sich an den Tisch, und einer stimmte einen Gesang an, und alle sangen mit, und das war der schönste Gesang, den er je gehört. Dann sagte ein Alter Thora und er deutete ihnen vieles Unerklärliche und Verborgene^ daß unser Mann erstaunt und entzückt war. Dann nahm ein schöner alter Mann mit leuchtenden Augen, wie zwei Sonnen, und einem weißen, langen Bart eine Fiedel und fing an zu spielen, das war so wunderbar schön, daß einem dabei die Seele ausgehen konnte. Und dabei tanzten