Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 mtt iiniiiiiiiiiiiniii!;,! Wahrheit tigt zu sein. Die Geschichte der Vorarbeiten und der eigentlichen Gründung ist denn auch für Jerusalem völlig anders geartet. Nach dem ersten Plan von Prof. Schapira-Heidelberg — das war vor 40 Jahren — befaßte sich der 5. zionistische Kongreß 1901 und dann der 11. im Jahre 1913 mit der Gründung der Jerusalemer Universität. Dr. Weizmann, der bekannte Zionistenführer, nahm dann Fühlung mit Baron Edmund v. Rothschild und Paul Ehrlich. Die eigentliche Gründung konnte aber naturgemäß erst auf die Balfour-Erklärung nach dem Krieg vorgenommen werden. Die britische Regierung hat sicherlich sehr dazu beigetragen, daß bereits 1918 der Grundstein auf dem Berge Skopus gelegt werden konnte. Ein wahrhaft frischer Zug kam erst in die Angelegenheit im Jahre 1926; um diese Zeit flössen dann auch die großen Stiftungen von Samuel llntermyer, New York, mit 20.000 Pfund, Symonds auf Sydney mit 5000 Pfund, Wolfsohn mit 3000 Pfund usw. Das Universitätsgelände wurde um 4 Dunams auf dem Wege der Enteignung — allerdings gegen sehr anständige Vergütung — vergrößert, und die Hälfte des Bodens wurde auf den Namen des jüdischen Nationalfonds eingetragen. Die Zahl der Studenten wuchs von 118 auf 168, darunter aber meistens junge Akademiker, die schon irgendwie einen wissenschaftlichen Abschluß hinter sich haben, also für die Forschungsarbeiten in Frage kommen. Es ist rührend zu beobachten, mit welch opferwilligem Gemeinsinn das ganze Werk mit den Studierenden zusammen aufgebaut wird. Anstatt Stipendien zu geben, hat man mit Erfolg den Versuch gemacht, beim Aufbau, ja sogar bei den Maurerarbeiten und bei anderen handwerklichen Dingen die Studierenden mit heranzuziehen. Die Stunden sind so gelegt, daß die, die am Vormittag als Handwerker tätig sind, am Nachmittag ihrem Studium obliegen können und umgekehrt. Viele sind auch beschäftigt in der Druckerei, in'der Buchbinderei und mit der Herstellung von Instrumenten, soweit dies ohne besondere Aas der jüdischen Sagen- und Märchenwelt Von Binjatnin Segel. (Fortsetzung.) In letzter Stunde. Als der Rabbi auf dem Totenbette lag, kamen die Jünger herein, um ein letztes Mal sein Antlitz zu schauen, seinen Segen zu empfangen und von ihm Abschied zu nehmen. Wie groß war ihr Staunen, als sie das Bett des Meisters umgaben und bemerkten, daß sein Angesicht von Tränen übergössen war. Er weinte! Sie erfaßte ein Staunen und eine Angst, da sie sich nicht erklären konnten, woher dieser Ausbruch der Trauer in solch feierlicher Stunde käme, da ihr Lehrer vor dem Antlitz Gottes erscheinen sollte. Sie standen ratlos und verzweifelt da, schließlich faßte sich der jüngste unter ihnen, der ein Liebling des Rabbi war, ein Herz, trat an den Sterbenden heran und redete ihn folgendermaßen an: „Rabbi, weshalb weinst du? Tut es dir leid, diese eitle, irdische Welt zu verlassen und diesen Körper von Staub, in dem du gefesselt bist? Hast du nicht selber bei Lebzeiten dich nach der Vereinigung mit Gott gesehnt und uns gelehrt, technische Vorkenntnisse möglich ist. Mit besonderer Zähigkeit baut man die Bibliothek aus, für die durch Stiftungen (Bibliothek des verstorbenen Oskar Strauß in New York „Die amerikanische Geschichte und internationales Recht", philosophische Bibliothek von G. Itelsohn, Berlin, „Rabbinika und Orientalia" von Dawid, London u. a.) schon eine ausgezeichnete Grundlage geschaffen ist. Die Entwicklung der Universität hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der von Frankfurt a. M., wo mit Hilfe der Speyer-Stiftung, Paul Ehrlich z. B. sein serum-therapeutisches Institut begründete, an das sich dann mit der Zeit andere Institute anschlössen. Die Jerusalemer Universität besteht heute in der Hauptsache aus dem Institut für jüdische und für orientalische Studien, dem Institut für Mathemaktik, für Chemie, Mikro-Biologie mit der Abteilung für Hygiene und dem Institut für palästinensische Naturwissenschaft. Verfolgt man die Liste der Persönlichkeiten, die zur Verwaltung oder sonstwie zur Universität in irgend einem Verhältnis stehen, so findet man da die ersten Namen der ganzen Welt; einerlei, ob man nach New York oder Berlin sieht. Unter den Dozenten spielen deutsche Gelehrte und solche, die in Deutschland ihre Ausbildung gefunden haben, eine große Rolle. Die Direktionsgeschäfte besorgt Dr. Magnes, der es durch seine amerikanischen Verbindungen versteht, immer und immer wieder die Mittel zu beschaffen, um den ständig wachsenden Anforderungen zu genügen; ein mehrmonatiger Aufenthalt in New York jedes Jahr sorgt für den erforderlichen finanziellen Segen. Zur Zeit wird noch allenthalben gebaut, und die einzelnen Institute sind noch provisorisch untergebracht; es herrscht aber trotzdem ein lebhafter Betrieb. Für die technischen (Hilfeleistungen gehen zahlreiche Laborantinnen an die Hand. Ganz offenbar ist das 'Bestreben, Palästina wissenschaftlich-technisch zu erforschen, um die Grundlage für besondere industrielle Entwicklung zu schaffen; wie z. B. sich in dem Chemischen Institut eine dieses flüchtige irdische Dasein zu verachten? Oder hast du vielleicht an der Gnade Gottes verzweifelt, und es überkommt dich eine Angst bei dem Gedanken an das himmlische Gericht? Oder hast du noch etwas in diesem Leben zu vollbringen, was du keinem übertragen kannst, und darum beschleicht dich eine solche Trauer, daß Gott dich zu sich ruft? Antworte, belehre und kläre uns auf, denn wir sind durch dein Weinen in der Seele gerührt und verwirrt, und wissen nicht, was wir anfangen und wie wir fortan leben sollen." Der Meister wischte sich die Tränen aus dein Augen und antwortete wie folgt: „Ich weine nicht, als ob es mir leid täte, die Wonnen dieser irdischen Niederungen zu verlassen, die ja nur eine Vorhalle der künftigen Welt sind, wo erst das wahre und echte Leben beginnt. Auch die Strafen, die mich in der anderen Welt erwarten, fürchte ich nicht, denn so groß auch der Zorn Gottes für meine Sünden sein mag, seine Gnade ist noch größer. Auch lasse ich hier kein unvollendetes Werk zurück. Was ich vollbringen sollte, habe ich vollbracht, ich könnte in Ruhe von dannen gehen. Aber ich bedaure, Gottes Welt verlassen zu müssen, die so schön ist, daß man in einem kurzen Augenblick, durch eine einzige Tat, durch einen einzigen Gedanken, wenn man einem Hungrigen einen Bissen Brot reicht, einem Unglücklichen eine Träne spendet oder ein einziges Mal sich nach Gott sehnt, sich die ganze Seligkeit jener Welt verdienen kann. Ihr wißt ja, wie es gesagt wurde: Schöner ist ein einziger Augenblick des Lebens in der Seligkeit jener Welt, als ein ganzes, langes Leben im Diesseits, doch schöner ist ein einziges, der göttlichen Lehre und den guten Taten geweihtes Stündchen im Diesseits, als die ganze selige Ewigkeit im Jenseits."