Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 26 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 inniifflniiiniininiiniiniHiiiiiiDiii[iiitiiiiiiiiiiiiii!!iiiiiiiiiniiiiiiiiimi):i: DIE WAHRHEIT diesen Betätigungen, die zum Teile selbst kleine Ortsgruppen in lebhafte Bewegung versetzen, war hier in den letzten Monaten überhaupt nichts zu verspüren. Es ist demnach kein Wunder, und man nimmt dies leider schon als eine unumstößlich, vergebens zu bekämpfende Tatsache hin, daß das bürgerliche zionistische Leben in Brünn keine neue Wurzeln mehr fast, keine Lebensäußerung mehr zeigt und langsam abstirbt. Man muß daher auch den neuen Wahlen, die die Stärke des zionistischen und jüdischnationalen Gedankens zeigen sollen, mit berechtigter Besorgnis entgegensehen, da im letzten Momente nicht gutgemacht werden kann, was Monate hindurch verabsäumt wurde. Bei Beurteilung dieser Lage darf jedoch die Leitung der zionistischen Organisation nicht allein verantwortlich gemacht werden. Es tritt noch der beklagenswerte Umstand hinzu, daß die erste Generation des Zionismus, speziell jedoch die sogenannten Prominenten sich vom zionistischen Leben nahezu ganz zurückziehen. Müdigkeit, Unzufriedenheit, gekränkte Eitelkeit, persönliche Differenzen, stärker wirkende berufliche oder gesellschaftliche Bindungen, Kastengeist oder sozialistisch gesagt Klassenbewußtsein sind in den meisten Fällen die Ursachen den Zionismus nur mehr passiv, kritisch oder von einem Sonderstandpunkte aus zu betrachten und sich der Verpflichtung gegen ihn durch finanziere Leistungen und Vereinsbeiträge zu entledigen. Als zweites Moment tritt überdies noch die bedauerliche Tatsache hinzu, und man muß es endlich einmal ohne Scheu aussprechen, daß unsere sonst tüchtigen und geistig hochstehenden, jüdischen Professoren und Lehrer im öffentlichen jüdischen und zionistischen Leben nicht jene Aufgaben übernehmen, wie sie sonst deutsche und tschechische Jugendbildner in direkt führender Stellung -als die berufensten Hüter, Verfechter und Verbreiter des nationalen Gedankens erfüllen." Frage- und Antwortspiel im englischen Unterhaus. In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses fragte Commander Kenworthy den Kolonialminister, ob ihm bekannt sei. daß vor kurzem mehrere Personen in Palästina der Mitgliedschaft einer illegalen Organisation beschuldigt und zu Landesverweisung verurteilt worden seien; ob ihm ferner bekannt sei, daß die Verhafteten, weil sie als gemeine Verbrecher behandelt worden sind, in den Hungerstreik traten, in dem sie noch heute verharren und daß drei von ihnen mit Rutenstreichen bestraft worden sind. Sind Geißelung und Ausweisung politischer Verbrecher Formen der Bestrafung, die vom Gericht Palästinas verhängt werden? Minister Amery erwiderte: „Ich habe keine derartigen Informationen erhalten und werde Nachforschungen anstellen." Kenworthy: „Ist Geißelung als Strafform im Kriminalgesetzbuch Palästinas vorgesehen?" Amery: „Auch wenn dies der Fall sein sollte, weifl ich nicht, ob die Strafe auch betreffs politischer Verbrechen gilt." Kenworthy: „Wird der Herr Minister sofort eine Aktion gegen die Geißelung einleiten?" Amery: „Ich werde nachforschen." Jabotinsky gegen die Jewish-Agency-Erweiterung. In einer in London stattgefundenen Massenversammlung erklärte der Führer der Zionisten-Revisionisten Wladimir J abotin.sky, die Annahme, daß das Mandat die Zionisten verpflichtet, Nichtzionisten in die Jewish Agency aufzunehmen, beruhe auf einem Mißverständnis. Die Nichtzionisten sind, insoferne sie wirtschaftlich an dem Palästina-Aufbau mitarbeiten wollen, stets willkommen, allein die politische Verantwortung müsse nach wie vor dem Zionistenkongreß vorbehalten bleiben. Jabotinsky schlug die Schaffung einer aus Zionisten und Nichtzionisten bestehenden Kammer für Finanzen und Aufbauwirtschaft von und stellte fest, daß im übrigen nur eine zionistische Jewish Agency befug-t sei, Mandatsregierung.und Völkerbund in Sachen des Aufbaues Palästinas zu beraten. Das heißt mit anderen weniger verschleierten Worten: Geld hergeben dürft Ihr bösen Nichtzionisten. aber politischen Einfluß nehmen, das besorgen wir Zionisten schon ganz allein ohne Euch. Numerus-Clausus-Propaganda in Litauen. Das offiziöse Organ „R i t a s" gab das Signal zu einer Propaganda für Einführung des Numerus clausus für Juden und nationale Minderheiten an der litauischen StaatsuniversLtät; andere litauische Zeitungen schlössen sich dieser Propaganda an. Unter der jüdischen Bevölkerung hat diese Propaganda große Empörung hervorgerufen, die „Ydische Stimme" tritt der Propaganda, an der sich sowohl Anhänger als auch Gegner der Regierung Woldemaras beteiligen, sehr scharf entgegen. Völkische Kunstkritik. Das unbestreitbare Verdienst, den Knüppelten nicht nur in die Politik, sondern auch in die Kunstkritik eingeführt zu haben, gebührt, den Völkischen. Nun gehen sie einen Schritt weiter und bringen den gleichen Ton in die Kunstkritik. In München wird die Premiere von K r e n e k s „Jonny spielt auf" angesagt. Wie sagt es der „Völkische Beobachter" den Seinen? JKrenek ist der Schwiegersohn des verstorbenen Musikjuden Gustav Mahler, des Komponisten minderwertigen Symphonien usw., der seinerzeit Direktor der Wiener Hofoper war, welchen Posten er aber nur erhielt, als en sich vorher katholisch taufen ließ. In die Oeffentlichkeit führt sich Krenek dadurch ein. daß er aus dem tiefreligiösen Bachschen Choral „Jesus meine Zuversicht!" einen Foxtrott machte! Das ist Krenek, den Komponist von „Jonny spielt auf", in welcher Oper bekanntlich zum Schlüsse die schwarze Rasse als Triumphator über die Weißen hingestellt wird!" Ganz nebenbei, hie gut deutsch allewege, nur nicht in der Sprache! Das letzte „Judenblatt" würde sich einer solchen Handhabung der deutschen Sprache schämen! Der Sündenbock. Es ist wohltuend, im „S t a h 1 h e 1 m", der Zeitschrift des deutschnationalen Stahlhelmbundes die folgenden Ausführungen zu finden: Ein besonderer Vorwurf, den seitens der Nationalsozialisten und auch aus anderen Kreisen gegen den Stahlhelm gerichtet wird, ist der, daß wir in das Geschrei gegen „die überstaatlichen Mächte" nicht einstimmten. Wir haben keine Belehrung nötig, von welcher Seite dem deutschen Volkstum und der deutschen Nation Gefahr droht. Aber wir vertreten allerdings die Meinung, daß mit der Ausstoßung von Sündenböcken in die Wüste keine wertvolle Leistung geschieht. Win verstehen es, daß Leute, die sich persönlich für Mißerfolge verantwortlich fühlen oder denen die Last des uns auferlegten Schicksals zu schwer ist, sich selber seelische Entlastung geben müssen, indem sie ihre eigene Unschuld herausschreien und alle Schuld den „bösen Kräften" zuteilen. Wir dagegen halten es fün würdiger und auch ersprießlicher, zuerst zu der eigenen Mitschuld sich zu bekennen und durch das eigene Besserwerden die Voraussetzung für eine Besserung der Verhältnisse zu schaffen. So wie Wilhelm Schäfer in seinen „Dreizehn Büchern der deutschen Seele" unsere Aufgabe nach dem verlorenen Weltkrieg bezeichnet hat: „Als wir anfingen, Südenböcke zu suchen, waren wir bei der Nichtswürdigkeit verlorenen Ehre angelangt. Sie wiederzugewinnen, bedarf es einer Erneuerung, die jedem einzelnen von uns auferlegt ist. Wir alle sind schuldig an dem, was geschah; denn wir alle sind ja das Volk; nur indem win uns derart wieder zur Schicksalsgemeinschaft unserer Herkunft zusammenfinden, kann das Wunder der Wiedergeburt geschehen, auf das wir alle hoffen." In dieser Gesinnung zu unserem Schicksal Stellung zu nehmen, ist schwerer und erfordert mehr Mut und Kraft, läßt sich nicht mit Protestgeschrei und heftige Anklagen erledigen. Wenn man, weil wir uns zu dieser schwereren Aufgabe bekennen, uns Schwäche vorwirft, so werden wir das ertragen. Sündenböcke suchen ist die Art der Schwachen und der Feigen. § KleiderkreditZahU>ar etaM ■ ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ fi Nor Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. BiUigste Preise! Jj ■ KLEIOERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ S Telephon A21-501 Ottakrlngemtrftße 17 Telephon A21-501 { Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 80-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80!«»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■