Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 26 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT a<si!!li»l!!lilM^ liMliiii Seile Ii tismus, Spezies alpeniensis, denkt und wie man sich ihm gegenüber verhält. Denn die Verletzung der wichtigsten Gesetze unserer Republik ist ja doch eine Angelegenheit, die etwas Aufmerksamkeit verdient. Wir wandten uns zunächst an den Herrn Bundesminister Dr. Schür ff, in der Erwägung, daß der oberste Leiter aller Fremdenverkehrsangelegenheiten sicherlich Stellung nehmen und die Gelegenheit benützen wolle, sich öffentlich gegen die dem Fremdenverkehr gewiß nur schädlichen und gesetzwidrigen judenfeindlichen Handlungen zu wenden. Herr Bundesmini st er Dr. Schürff hatte aber keine Zeit . . . Schade. Wir erfuhren dann im Ministerium, daß man den Antisemitismus in den Sommerfrischen bedaure. (Es hat jedoch den Anschein, daß man dies mehr tue, weil man eine Benachteiligung des Verkehres befürchte, als weil man Rechte der Mitbürger verletzt und beleidigt sehe.) Man teilte uns ferner mit. daß das in Frage stehende Problem bei den im Mai stattgehabten Tagungen für Fremdenverkehr überhaupt nicht behandelt worden sei. Weder der Fremdenverkehrsrat der österreichischen Bundesländer, noch der Ausschuß für Fremdenverkehrsangelegenheiten hat es also für nötig befunden, die antisemitische Einstellung vieler Gemeinden und Hoteliers auch nur zu erwähnen. Dagegen habe vor etwa einem oder zwei Jahren Herr Bundesminister Dr. Schürff auf einem Bankett betont, daß — Judenfeindlichkeit dem Fremdenverkehr schaden könne. Wie man sieht, werden die staatsbürgerlichen Rechte der Juden mit größter Energie geschützt. Keiner wagt sie anzutasten. Antisemitismus im Grünen — vielleicht auch am grünen Tisch . . . KONKURS. ■ In der israel. Kultusgemeinde Mistelbach i ■ N.-Ö., gelangt die erledigte Stelle eines 5 Sekrelürs,; der gleichzeitig die Funktionen eines Kantors« Schäch- :; ters und Religionslehrers für Mistelbach und die; | Religionsunterrichtsstationen des Sprengeis zu versehen : hat, zur sofortigen Besetzung. : Dem Funktionär wird ein der Kultusgemeinde ge- ■ höriges Haus samt Zugehör zum alleinigen Bewohnen und! Benützen eingeräumt. — Gehalt nach Übereinkommen. ■ j Bewerber, nicht über 40 Jahre alt, mögen ihre 5 Anbote mit Zeugnisabschriften, Nachweis der Befähigung ■ zur Erteiluug des Religionsunterrichtes für österr. Volks- : i und Bürgerschulen und Angabe der Familienverhältnisse : i bis 15. Juli an den Kultusvorstand in Mistelbach richten. ■ Der Kultusvorstand* ■ laJuhOmtan-fa Die Biergläserschlacht. Die Hitler-Hakenkreuzler und die Schulz- Hakenkreuzler hatten in ihrem Vereinsheim eine Besprechung, die in eine Schlägerei ausartete, wobei die Marmorverkleidung des Hausflurs nicht heil blieb. Tags darauf war die Schulz-Hakenkreuzlerjugend in einem Pratergasthaus bei einem Lichtbildervortrag. Da kamen Hitler-Hakenkreuzler und wollten Schadenersatz für die beschädigte Marmorverkleidung. Als das nicht glatt ging, sagte der Hitler-Führer Adalbert Bakule: „Ihr werdet sehen, was geschieht!" Was geschah? Fünf Minuten später stürmten dreißig Hitler-Hakenkreuzler das Gasthaus, nahmen, wo sie fanden, Biergläser und Aschenbecher, warfen sie auf d i e Vor trag besuch er. auf die sie überdies mit Steinen und Sesseln hindroschen. Erst Polizei brachte sie wieder hinaus. Adalbert Bakule, ein Infanterist, ein Hochschüler (natürlich!), ein Elektrotechniker, ein Kontorist, ein Handelsangestellter und ein Zuckerbäckergehilfe hatten sich deshalb vor dem Landesgericht I wegen Verbrechens des Hausfriedensbruches zu verantworten. Sie alle beteuerten ihre Unschuld. Das half ihnen aber nichts; nach Durchführung des Verfahrens verkündete Hofnat Dr. Czerny das Urteil. Es lautete gegen Bakule und den Infanteristen bedingt auf je sechs Wochen strengen Arrest, gegen die anderen bedingt auf vier Wochen strengen Arrest. Der Kontorist wurde freigesprochen. Man sieht, unsere Hakenkreuzler liegen sich, statt friedlich in den Armen, mehr kriegerisch in den Haaren. Ist daran auch Juda schuld? Es rieselt im Gemäuer. In aller Welt kracht es bedenklich in den Fugen des einst so stattlichen zionistischen Gebäudes. Nicht nur in Wien, auch anderwärts kommen Erscheinungen zu Tage, die geeignet sind, von einem rapiden Verfall der jüdischnationalen Idee und ihrer Organisation zu sprechen. So lesen wir in der letzten Brünner „Jüdischen Volksstimme" über „Die Lage des Zionismus in Brünn" folgendes: „Sagen wir es gleich heraus: Die Lage des Zionismus in Brünn ist, gelinde gesagt, wenig erfreulich. Die Neugründung der zionistischen Organisation in Brünn an Stelle des jüdischen Volksrates erfolgte im März 1. J. mit großen Erwartungen. Allgemein knüpfte man an diese Neugründung, die schon längst ein Bedürfnis war, die Hoffnung auf ein starkes zionistisches Leben in Brünn, und das aus berufenem Munde verkündete reich/haltige Programm der neuen zionistischen Ortsgruppe Heß tatsächlich Vieles erwarten. Leider haben sich diese Erwartungen bisher als täuschend erwiesen, und selbst den zionistischen Optimisten erfüllt tiefe Niedergeschlagenheit. Die Leitung der neuen Organisation hat seit ihrer Konstituierung bis auf die Veranstaltung bloß eines Vortrages keinerlei merkbare Tätigkeit nach außen entwickelt und scheint ein reiner Verwaltungsapparat geworden zu sein. Und doch gibt es gerade jetzt angesichts der. schwierigen Lage des Palästinaaufbaues, der Fonds, der Organisation und mancherlei Galuthprobleme zahlreiche, außerordentlich wichtige Aufgaben mittelbar oder unmittelbar zu bewältigen ... Von FLEISCHH AUEftEl' SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE 1 XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 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