Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 26 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEtf iitnuMniiniuiiiiuiHiiuuiiiiüunuümnminmnDtAiimitinminitgfTOnroti mtanrnmiiiiuiiiiiiiK $eite? Qlcrreix. Ueber Bela Kun, dessen Auslieferung bekanntlich vom österreichischen Justizministerium aus streng juristischen Gründen abgelehnt wurde, herrscht im übrigen eine seltene Uebereinstimmung. Iii Oesterreich wie in Ungarn sind die Freunde des Gesetzes und der Ordnung von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Bela Kun ein Schädling der menschlichen Gesellschaft ist, dessen Wüten Abscheu erregen muß. Die Hakenkreuzler, die, wie man weiß, mitunter zarte Nachsicht für mörderisches Treiben zu üben'imstande sind, zürnen Kun allerdings hauptsächlich wegen des Zufalles, der ihn als — Jude geboren werden ließ. Für die Großdeutschen ist es daihler eine wahre Herzensbefriedigung, daß es in dieser Affäre schließlich doch zu einer Auslieferung kommen soll. Wenn nicht zu der Bela Kaims; so doch wenigstens zu der Auslieferung des Justizministers Dinghofer. * * * Man hat in der letzten Zeit in ausländischen Blättern allzuviel über den Niedergang der Wiener medizinischen Schule lesen müssen, die früher so unsäglich viel für den Ruhm und die Größe unserer Stadt bedeutete. Soll man da nicht mit freudiger Genugtuung auf die Leistungen österreichischer Heilanstalten hinweisen, die, wie die Fälle Rothstock und Nowosad bezeugen, geradezu ungewöhnliche Erfolge erzielen? Mörder, die man nach Aussagen der Psychiater aller Wahrscheinlichkeit nach als unheilbar Wahnsinnige in Irrenanstalten untergebracht hätte, durften — Triumph der Wissenschaft! — nach einiger Zeit doch als geheilt der Gesellschaft wiedergegeben werden. Also: nicht immer raunzen! Seien wir stolz ,wo wir es sein {Dürfen... * * * In hakenkreuzlerischen Kreisen verlautet, daß die Herren Rothstock und Nowosad sich mit der Absicht der Gründung einer medizinisch-juristischen Wochenschrift tragen. Sie wollen durch ihre literarischen Arbeiten alle ihre Geistesklarheit bezweifelnden Verdächtigungen überzeugend widerlegen. Als verantwortlicher Redakteur soll eine in jüngster Zeit vielgenannte Persönlichkeit in Aussicht genommen sein. Ä -M * Herrn Pöffl, dem Mörder des für die Reinheit der Presse zum Märtyrer gewordenen eidien Bruno Wolf, verdankt man die schöne prophylaktische Einrichtung, daß in Zukunft Personen, die bei einem politischen Prozesse im Geriohtssaal anwesend sein wollen, vorerst — entwaffnet werden. Schade, daß man den Kreisen gegenüber, aus denen die Rothstock, Nowosad usw. usw. hervorgingen, diese Vorsicht nicht schon zu der Zeit übte, als diese Herren durch hakenkreuzlerische Zeitungen und Vorträge theoretisch ausgebildet wurden. * * * Anläßlich des sechsten Todestages Walter Rathenaus veranstaltete der jungdemokratische Verband in Berlin eine überaus weihevolle Gedenkfeier, bei der auch eine Sängerin, Lily Dreyfus, mitwirkte. Der Zufall hat da schon durch das Zusammentreffen der Namen Rathenau und Dreyfus eine Illustration zu der furchtbaren Tragik des Judentums geboten, wie sie ergreifender kaum gedacht werden kann. % :•: * Die fanatischen Rassenschnüffler in Deutschland stehen mit Erbitterung dem Ergebnis der Forschungen gegenüber, die Dürers magyarische Abstammung feststellen. Dürer, der bisher als „der Deutscheste der Deutschen" verherrlicht wurde, soll den Magyaren gehören! Das bedeutet für die Rassetheoretiker einen Schlag, der schon schwer zu parieren ist. Daß der Stifter des Christentums und die Apostel aus dem jüdischen Volke hervorgehen, darauf konnten die konsequenten Naturalisten mit der Verleugnung und Verhöhnung des Neuen Testamentes antworten. Aber was macht man mit Dürer? # * * Marquis Reading, der schon unter seinem schlichten Familiennamen Isaak Rufus zu den allgemein verehrten Männern Englands zählte, hat als Vizekönig von Indien den Gipfelpunkt seiner großen Karriere erreicht. Aber der Mann hat darum nicht aufgehört, mit Geist und Herz für andere zu arbeiten. Einem Interviewer gegenüber bezeichnete er u. a. folgendes als die Aufgabe, der er sich jetzt widmen wolle: „Wir müssen nunmehr in die jungen Seelen das Ideal der Versöhnung und des Friedens versenken; wir müssen die Ideologie eines neuen Krieges aus ihren Herzen reißen und ihnen den Friedensgedanken als eine der ganzerr Menschheit gemeinsame Religion predigen." Marquis Reading hat als englischer Staatsmann gesprochen, aber seine Worte erinnern an die hohen machtvollen Gedanken, in denen ein Prophet Israels die Lehre predigte, die Erlösung der Menschheit werde nicht früher zur Wahrheit werden, bevor die Völker nicht in reiner Gotteserkenntnis den Krieg als furchtbaren Greuel erkennen und ihre Schwerter zu Sicheln machen. * * * In wahrhaft rühmlicher und dankenswerter Weise hat der ungarische Reichsverweser seinen 60. Geburtstag zu einem Wohlfahrtsakt benützt, dessen Früchte der Pensionsfonds der Journalisten genießen soll. Herr v. Horthy hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten genehmigt, daß dem Pensionsfonds ein vom Staate angekauftes Gut zum Geschenke gemacht wird. Die radikalsten ungarischen Journalisten dürfen nichts dagegen haben, wenn die leitenden Staatsmänner solche Mittel in Anwendung bringen, um Angriffe bei einer Jubelfeier zum — Schweigen zu bringen. Ego. Pension Hirscia, ScmmeriMg 4 sucht eine Wirtschafterin* welche einen größeren Betrieb in rituell-wirtschaftlicher Hinsicht selbständig leiten kann. Bewerberinnen (nur österreichische Staatsbürgerinnen), welche ihre Befähigung mit Zeugnissen anerkannter rabbinischer Autoritäten nachweisen können und in dieser Eigenschaft sich bereits betätigten, wollen ihre Offerte Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner S. Fürst, Wien II., Gr. Schiffgasse 8 unterbreiten. — Eine Serviererin wird auch aufgenommen.