Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiiniinimiuiiiuiiiio] luniiminniiuiiHmmiuiiiiHininmminnnuiHUUiimiuiuiiuiunuimiuimniinimimiiTitnH» Seite 13 Kumt und Literatur „Woran arbeiten Sie?" Das „Neue Wiener Journal" hat eine Rundfrage an namhafte deutsche und österreichische Schriftsteller gerichtet: „Woran arbeiten Sie?" Wir zitieren aus den Antworten die der jüdischen Autoren: Ernst L i s s a u e r: „Ich arbeite an der Vollendung eines seit Jahren entstehenden Moses- Dramas". Felix Saiten: „Gegenwärtig arbeite ich an einer Novelle, deren Inhalt sich mit Rothschild nach der Schlacht bei Waterloo beschäftigt." Karl Sternheim plant eine Fortsetzung seines Dramas „Schule von Uznach", Stephan Zweig die Herausgabe neuer Novellen. Georg Hirschfeld, Felix Holländer. Leo P e r u t z, Siegfried Trebitsch und Karl R ö ß 1 e r haben jeder einen Roman in Arbeit, der Letztgenannte außerdem ein Stück „F r a n k f u r t - P a f i s", eine Fortsetzung der „Fünf Frankfurter". Höre Israel! (Jüdische Gebete.) In freier Uebersetzung von Leopold Popper, Verlag Josef B e 1 f, Wien I., Rabensteig 3. Ein überraschendes Buch voll dichterischer und philosophischer Schönheit! In jeder Zeile spürt man das Benagen des Verfassers, stolz den Ahnensaal großer Gedanken zeigen zu können, der in dem täglichen Gebet des Judentums verkörpert erscheint. Uebersetzungskunst und Deutung des tiefen Sinnes haben ein formvollendetes liebliches Werk geschaffen, daß nicht bloß dem Glaubensbekenner richtiges Verständnis, Trost und Stärkung bringt, sondern auch dem Andersgläubigen Belehrung über die Reinheit und Tiefe und kulturhistorische Bedeutsamkeit der Mutterreligion aller Religionen des Abendlandes schafft. Spiegelt sich doch in den jüdischen Gebeten die Leidenschaft und Glaubenstreue zahlloser Sänger und Denker des Judentums, die Freude, das Leid, die Erinnerung Und Hoffnung eines Volkes und Bekenntnisses, einer ungeheuren geistigen Potenz, die, allen Tücken der Zeiten trotzend, heute so lebensfrisch wie vor Jahrtausenden ist. Das jüdische Gebetbuch (Siddur) erscheint hier zum erstenmal in zusammenhängender moderner poetischer Uebersetzung. Die warme Empfehlung, die dem Buche der weltberühmte Gelehrte Professor Dr. S. Krauß in dem Geleitworte gab, darf mit Recht die Oeffentlichkeit auf dieses Buch aufmerksam machen. Solch dankenswerte Bestrebungen der Aufklärung und Erleuchtung, gleichzeitig der Anpassung eines uralten Kulturdokuments an die moderne Geistesrichtung sollen allseits gefördert werden! Heinrich York-Steiner: „Die Kunst als Jude zu leben." Verlag M. W. Kaufmannn, Leipzig. Das von uns in Nr. 23 vom 8. Juni besprochene Werk kostet broschiert Mark 13.50, in eleganter Leinwand gebunden Mark 16.—. Die Gesellschaft zur Förderuns der Wissenschaft des Judentums hielt anläßlich der im Rahtuen der Pressa veranstalteten jüdischen Kulturwoche ihre diesjährige Hauptversammlung im Kongreßsaal des Ausstellungsgebäudes in Köln- Deutz ab. Eine überaus starke Zuhörerschaft war der Einladung der Gesellschaft gefolgt, insbesondere erschienen auch zahlreiche Mitglieder aus dem Industriegebiet und vom Niederrhein. Die 1902 gegründete Gesellschaft hat sich zur Aufgabe gestellt, die wissenschaftliche Erforschung des Judentums nach der historischen und systematischen Seite zu pflegen und ihre Mitglieder mit dem Stand der Forschung in Verbindung zu halten. Die Gesellschaft gibt die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die einzige jüdisch-wissenschaftliche Zeitschrift in deutscher Sprache heraus und stellt sie allen ihren Mitgliedern unentgeltlich zu. Sie veröffentlicht ferner neben zahlreichen Einzelschriften, unter denen das Prachtwerk von Dr. C. Tassilo Hoff mann: Jacob Abraham und Abraham Abramson, 55 Jahre Berliner Medaillenkunst, 1755 bis 1810, hervorgehoben sei, großzügige Publikationen, unter ihnen groß angelegte Werke wie die Germania Judaica und der Grundriß für die Gesamtwissenschaft des Judentums. Der gegenwärtige Mitgliederbestand beträft etwa 1600 und verteilt sich über alle 5 Erdteile sowie über alle Konfessionen. Die sehr angeregt verlaufene Versammlung begann mit einer geschäftlichen Sitzung, in der der Vorsitzende, Legationsrat Professor Dr. M. Sobernheim, Berlin, den Bericht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres erstattete. In der Festsitzung richtete zunächst der Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Baeck, Berlin, einige Worte der Begrüßung an die Anwesenden und hob die Bedeutung der Kultur für das innere Leben des Menschen und der besonderen Aufgaben der Gesellschaft als Kulturträgerin hervor. Nach einer Begrüßung der Versammlung durch die Vertreter der Stadt Köln und der Universitäten Köln und Bonn gab der Schriftführer der Gesellschaft, Professor Dr. I. Elbogcn, Berlin, eine Uebersbht über die Aufgaben und Leistungen der Gesellschaft. Den Festvortrag hielt Herr Dr. Fritz Bamberger. Berlin, übor das Thema: Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns. Der Redner bemühte sich zu zeigen, daß das durch die populäre Tradition verbreitete Bild von Mendelssohns Richtung und Anschauung nicht ganz der Wahrheit entspräche. Daß Mendelssohn durchaus nicht jener einseitige Aufklärer war, für den sein Zeitgenosse Hamann ihn bekämpfte und die Nachwelt verehrte, sondern daß auch in Mendelssohn, wie in jedem echten Menschen, sich- Widersprüche zeigen, daß er namentlich in seinen Schriften zur Aesthetik durchaus die Bedeutung des Irrationalen anerkannte, daß er zwar in seinen allgemeinen Anschauungen über Religion sich auf dem Boden des Rationalismus hielt, aber sobald er auf Judentum zu sprechen kam. doch wieder jener Glauben an das Jenseitige und Geheimnisvolle durchbricht, der die Stärke aller echten Religion ausmacht. Reicher Beifall lohnte die gedankenreichen und gehaltvollen Ausführungen de,s Redners. W^bdJlbcnnadmfä£^t Wahrheit! &amentkteidew - JHetiew Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Walsenmädchen im Dr. Kruger-Helm Wien IL, Malzgasse 7, Tel R43-5-40 Übernahme aller Arbeiten, von Reparaturen bis zur allerfelnsten Maßarbeit. Billige Preise! fc<i! 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