Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 ffiflfflnMffln^^ .....Niiiini^niiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiii^ DIE WAHRHEIT Lehrer mit roter Tinte an den Rand geschrieben: „Danke e r g e b e n s t! S c h j 11 e r." — Die zionistische „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" druckt in ihrer Nr. 23 vom 8. Juni d. J. eine deutsche Uebersetzung des Artikels „Jüdischkeit" von Claude G. M o n t e f i o r e ab, wie sie in einer Vorbemerkung hinzufügt, nicht nur anläßlich des 70. Geburtstages von Montefiore, sondern auch „als ein überaus interessantes Dokument der unaufhaltsamen Entwicklung des zeitgenössischen Judentums". Geschmackvollerweise heißt es dann in der redaktionellen Vorbemerkung über den Montefioreschen Aufsatz weiter: „Er zeigt deutlich, wie der Nestor der liberalen Reformbewegung an seinem Lebensabend den Gedankengängen eines positiven Judentums nähergekommen ist." Danke ergebenst! Montefiore. Die Lage der Juden in Litauen. Der litauische Ministerpräsident, Professor Voldemaras, der in den letzten Tagen in Staatsangelegenheiten in London geweilt hat, empfing den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und sprach sich ihm gegenüber in folgender Weise über die Position der Juden in Litauen aus: Bei der Betrachtung der Forderungen der Juden in Litauen ergeben sich für uns Schwierigkeiten infolge der einander entgegengesetzten Wünsche der orthodoxen und der nichtorthodoxen Parteien. Würden die Juden in einer gemeinschaftlichen Konferenz einmal zu einem endgültigen Abkommen gelangen und uns Wünsche unterbreiten, die wir als den wirklichen Ausdruck der großen Masse der Juden betrachten könnten, so würde es uns viel leichter sein, unparteiisch und gerecht zu handeln. Das Gesetz über die Zwangssonntagsruhe, fuhr Professor Voldemaras fort, ist sehr elastisch und gibt Raum für weitherzige Auslegung, ohne daß dabei der Sinn des Gesetzes umgebogen werden müßte. Natürlich sind bei allzugenauer Befolgung der Buchstaben des Gesetzes Härten nicht ausgeschlossen. Was die jüdische Schulfrage betrifft, so gäbe es viele Schulen, die den elementarsten Forderungen nicht entsprechen und nicht einmal über die notwendigen Schulbücher verfügen. Er gebe aber zu, daß es absurd sei. Nichtjuden zu Direktoren jüdischer Schulen zu bestellen; einige solcher Fälle seien zu seiner Kenntnis gekommen und er habe Vorkehrungen getroffen. An der Universität bestehen keinerlei Einschränkungen gegen jüdische Hörer: es sei Tatsache, daß 70 Prozent der Studenten der medizinischen Fakultät der litauischen Staatsuniversität Juden sind. Es wäre für die Juden von Vorteil, wenn sie selbst überfüllte Berufe meiden und sich aussichtsreicheren Berufen, wie z. B. der Maschinenbaukunst, zuwenden würden. In Litauen existiert kein Gesetz, das Juden daran hindert, irgendeinen Rang in der Armee zu bekleiden. Das gleiche gilt für den Zivildienst. Wenn wir nicht viele Juden im Zivildienst haben, so ist dies dadurch zu erklären, daß der Staatsdienst für Juden, die auf anderen Gebieten eine einträglichere Beschäftigung finden, nicht lohnend erscheint. Die Möglichkeit sei zugegeben, daß Unterbeamte eine Politik der bewußten Verfolgung der jüdischen Bevölkerung betreiben, was durchaus nicht im Sinne der bestehenden litauischen Regierung ist. Er, der Ministerpräsident, werde bei der vor sich gehenden Reorganisierung des Regierungsapparates es nicht unterlassen, gegen solche Vorkommnisse scharfe Maßnahmen zu ergreifen. Prof. Voldemaras schloß mit der Bemerkung, er glaube fest daran, daß die Juden Litauens fortfahren werden, am Aufbau des litauischen Staates mitzuarbeiten. Extrem Radikale gibt es unter den Nicht juden wie unter den Juden; es komme nur darauf an. daß alle vernünftig denkenden Elemente mit der Regierung an dem Ziele zusammenarbeiten, für alle Bürger eine bessere Zukunft zu schaffen. An einige Verzagte schreibt Theodor F r i t s c h in der letzten Nummer seines „Hammer" folgende trostreiche und doch bittere Worte: „Der bedenkliche Ausgang der Wahlen hat — wie aus Ihren Briefen hervorgeht — Sie erschreckt Sie zweifeln, ob die judengegnerische Sache jemals sich durchsetzen könne und ob sie noch weitere Opfer wert sei. Gewiß müssen wir uns gestehen, daß die bisher üblichen Kampfmethoden unzulänglich sind. Wir werden andere Kampfmittel zu Rate ziehen müssen. Wir dürfen aber mit gutem Recht betonen, daß man kaum irgendwo ernstich den Weg gegangen ist. den wir wiesen. Die vom „Hammer" gebotene Aufklärungsmittel wurden in den parteimäßig organisierten völkischen Kreisen nur in geringem Umfange verwendet, ja an manchen Stellen grundsätzlich abgelehnt Man wollte nichts aufkommen lassen, was nicht die Partei als Mittelpunkt alles Denkens und als einziges Ziel in den Vordergrund stellte. Damit verriet man einen erstaunlichen Mangel an Kenntnis der Massenpsyche und der allgemeinen Stimmung im Volke. Diese Unbelehrbaren sind ja denn auch am härtesten getroffen worden. Ein Aufgeben des Kampfes kann es für uns nicht geben; das gestattet unser Gewissen nicht. Wer die heutige ruchlose Wirtschaft stillschweigend mit ansieht, der macht sich zum Mitschuldigen. Er begeht einen Verrat an den heiligsten Gütern der Menschheit. In diesem richtigen Empfinden werden auch Sie es nicht über sich bringen, Ihre treue Mitarbeit einzustellen. Es würde Ihnen bei Tag und Nacht keine Ruhe lassen. Wir alle erfüllen ja mit unserer Arbeit lediglich eine Gottespflicht, wenn wir unsere Mitmenschen vor ieinem tückischen Feinde warnen. Wir werden diese Arbeit fortsetzen — gleichviel ob sie uns jemand dankt oder nicht. Im übrigen: es ist noch nicht aller Tage Abend. Die Geschichte lehrt, daß aller Lug und Trug, wie alle Nichtswürdigkeit, schließlich an sich selber zugrunde geht, da sie gegen Vernunft und Natur streitet. So wird auch das übersteigerte Judenwesen zuletzt an sich selber scheitern. Wenn das jüdische System der Zusammenraffung richtig wäre, müßten die Hebräer — da sie dieses System seit Jahrtausenden üben — nicht schon längst alle Reichtümer der Welt in Händen haben? Zuletzt aber: es läßt sich nicht vorstellen, daß die gesamte Menschheit bereits derart verblödet' sein sollte, um sich ohne Widerstand in das jüdische Mammonsjoch zu beugen. Wir glauben zu wissen, daß sich in der Stille eine starke Gegenströmung vorbereitet — der selbst Herr Henry Ford und die betörten Arbeitermassen sich nicht widersetzen werden." Diese Trostesworte sind wirklich sehr interessant. Rumänien kann auch anders. Der berüchtigte rumänische antisemitische Agitator Z u r c a n, der im Städtchen S k u 1 e n i während des Jahrmarktes die Bauern zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden aufhetzte und sich dabei gegen die ermahnenden Gendarmen renitent benahm, wurde vom Jassyer Gericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der rumänische Gesandte in den Vereinigten Staaten, George Gretziano, überreichte namens seiner Regierung dem Konteradmiral der amerikanischen Marine, Louis Maurice Josephthal, einem Juden, das Ehrenzeichen des Großen Kriegsordens Rumäniens, in Anerkennung seiner Verdienste um Rumänien. Die bezauberndste Stimme dieser Zeit Josef Rosenblatt der weltberühmte Kantor, Konzerlsänger und Komponist aus New-York singt Mittwoch, den 27. Juni 1928, 8 Uhr abends im Großen Konzerthaussaal Reichhaltiges Programm religiöser, klassischer undvolkstümlicher Gesänge Begleitet von dem berühmten Pianisten A. Ellstein aus New-York Wer die Kompositionen in den auf der ganzen Welt verbreiteten Grammophonplatten Josale Rosenblatts gehört hat, wird die Gelegenheit nicht verfehlen, den populären Künstler persönlich zu hören. Karten zu S 3.— bis S 15.— und Logen zu S 100.— bei der Konzerthauskassa Kehlendorfer, Gerngross und bei den Buchhandlungen Lewit, Schlesinger und Rath Ein einziges Konzert In Wien Gesamt-Repertoire Kontor ROSeilDlatfS auf den weltberühmten englischen 999vamota'~ Statten bei Kronberger, Wien VII., Westbahnstraße 1, Tel. B 38-2-83 (Neubaugasse 35) prompt zu haben. _