Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT (!!iii!iiiiiii!imi!ifiiiiimi™ini III Seite 11 Schritte weiter zu gehen als die der eingangs erwähnten Herren. Daß es so wie bisher nicht weitergehen konnte, zeigt, daß der Direktoren-Ausschuß und der Akademische Rat der hebräischen Universität zu Jerusalem in Ihrer soeben in London beendeten Tagung den Beschluß gefaßt haben, daß die Universität allmählich in eine Lehrhochschule, die ihren Absolventen akademische Grade verleiht, umgewandelt werde. Weshalb also die früheren gehässigen Bemerkungen? Dürfen Nichtzionisten nicht die Wahrheit über Palästina aussprechen? Um die „Isop". Ueber die Jüdische Sonderschau auf der „Pressa" macht dliei.deutschnationale* „Neue Preußische (Kreuz-)» Zeitung" folgende hämische Bemerkungen (Sperrungen im Original!): Die Jüdische Schau sucht die ganze Einflußsphäre jüdischen Schrifttums auf allen Gebieten des Lebens zu veranschaulichen. Bei dieser Eindeutigkeit ist ein Kommentar wohl überflüssig. Wenn man noch registriert, daß alles, was das Judentum unserer Zeit bewegt, in seiner Presse getreuen Niederschlag findet und daß die Ausstellung sich in drei Sektionen gliedert (jüdische Presse deutscher Sprache, hebräische sowie jiddische alias jüdisch-deutsche (!) Presse), ist man restlos im Bilde. Bemerkenswert wäre noch allerdings, daß die jiddische Presse die größte Verbreitung in den U. S. A. gefunden hat; Amerika ist heute mit seinen dreieinhalb Millionen Juden — wie die Leitung der Sonderschau selbst behauptet! — „eines der großen Judenländer der Welt." Das ist doch endlich einmal ein offenes Wort und trägt zur richtigen Beurteilung der .amerikanischen Wall-Street-Psyche nicht unwesentlich bei.. In der „Gladbacher Zeitung" lesen wir dafür: Man muß einander kennen, dann wird man sich besser verständigen, sich besser — verstehen können... Das wird auch der erkennen, der in die jüdische, die katholische, die evangelische Sonderschau am Deutzer Rheinufer geht. Und als wir an einem Nachmittage in allen dreien gewesen waren, da gedachten wir der jüngsten Abschiedsfeier für den Senior der evangelischen Gemeinde in Gladbach und wie auf ihr der katholische Oberpfarrer und der Rabbiner den Scheidenden, den Mann des gütigen Herzens, ein wenig auch als Besitztum ihrer Gemeinde und deren Bürger reklamierten... Die jüdische Schau... will die Entwicklung und den Stand der spezifisch jüdischen Presse als Ganzes veranschaulichen: der Presse, die vom jüdischen Standpunkte aus jüdische Interessen vertritt. Was hier gezeigt wird, ist nicht nur Religiöses — es ist in alle Kulturrichtungen erstreckt und umfaßt alle Beziehungen der gesellschaftlichen, literarischen, künstlerischen Betätigung unserer Tage. Im Mittelpunkt der Ausstellung aber — nicht nur körperlich, sondern auch dem Sinne nach — steht eine Thora-Rolle: das ewige Gesetz... Diese Ausstellung ist nicht etwas für Christen dem Sinne nach Verschlossenes; wer das glaubte, würde zumindest auf dem Wege über die künstlerisch beachtenswerte Gestaltung dieser Ausstellung zu einigem Verständnis kommen können — abgesehen davon, daß unsere Literatur, auch die nur für den Tag schreibende, bekanntlich zahlreiche Vertreter des israelitischen Bekenntnisses aufweist. Der Münchener „Völkische Beobachter" aber bemängelt: An mehreren Einzelbauten großer Firmen vorüber erreichen wir die Gebäude der Evangelischen Sonderschau und der in üblicher Begriffsverwirrung unmittelbar daneben befindlichen Jüdii Füller i leitsA WIEN I., Seitenstettengasse 2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-85 sehen Sonderschau, während an anderer Stelle eine Katholische Sonderschau aufgebaut wurde. So schiebt man auch hier die Judenfrage brav auf das religiöse Gleis; anstatt die evangelische und katholische Sondergruppe zusammenzufassen und die jüdische möglichst ans andere Ende zu bringen, steht neben dem Judentempel die evangelische Kirche und unmittelbar hinter dieser ein Reklamebau von Rudolf Mosse! Die Pflicht der Wahrheit. Der Münchener Rabbiner Dr. Baerwaldt hatte in der „C. V.-Zeitung" vom jüdischen Standpunkt aus öffentlich gegen die Katholikenverfolgungen in Mexiko Stellung genommen. Das Berliner katholische Zentrumsorgan „Germ ania" sagt hierzu: Wir anerkennen mit Freuden den Mut und das Verdienst des mannhaften Auftretens des Verfassers, der nicht ansteht, zu erklären: „Das wissen wir, daß, wie die Pflicht der Wahrheit uns gebietet, auch unsererseits Verwahrung einzulegen gegen eine grausame Verfolgung, die Wahrheit sich schließlich die ganze Welt erobern wird..." Wir unsererseits haben es bisher grundsätzlich nie unterlassen, den aus übertriebenen Nationalismus und aus zeitgeistigem, religiösem Haß entspringenden Antisemitismus zu verurteilen, und wir befinden uns dabei in der treuen Gefolgschaft unserer Kirche, die es immer als ihre Aufgabe betrachtet hat, für die unschuldig Verfolgten einzu- , treten. Den Optimismus Dr. Baerwaldts, „daß das Weltgewissen nicht nur ideale Forderung bleibt, sondern zur Tatsache wird, mit der die Welt zu rechnen hat." vermögen wir angesichts der Haltung eines großen Teils der Kulturmenschheit gegenüber den Vorgängen in Mexiko und auch anderwärts nicht zu teilen. Zur Frage des Frauenstimmrechtes. In einer gemeinsamen Sitzung des Rates der United Synagogue und der Delegierten der synagogalen Institutionen Londons stand die Frage der Verleihung des Stimmrechtes an die weiblichen Mitglieder der United Synagogue zur Verhandlung. Nach langer Debatte wurde der Antrag, den Frauen das Stimmrecht bei den Wahlen zu den Synagogenverwaltungen zu gewähren, mit 211 gegen 167 Stimmen abgelehnt. Auch eine Montefiore-Ehrung. Unter diesem Titel schreibt George Götz in der letzten Nummer der Berliner „Jüdisch-liberalen Zeitung" folgendes: Ein Onkel von mir pflegt zu erzählen, daß er als Gymnasiast in einem Aufsatz über Schillers „Jungfrau von Orleans" die Redewendung gebraucht habe: „Meisterhaft hat Schiller es verstanden..." Da habe ihm der FLEISCHH AUEREIL SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Berggasse IS und XVIII., BähringBrstraBB 97 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isis Kultusgemeinde Wien. 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