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Die Wahrheit · 1928-06-22 · Heft 25 (22.6.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAfiRHElT flinnfiitnniuuiniiiiiiiiimiiimiiifimii intouininiiiiiöM^ Seite 9 Qlerret*. Unsäglich sind die Leiden, die Juden durch den Bolschewismus erdulden, der eine Negation alles dessen ist, was das Wesen des Judentums und den Inhalt seiner Religion bedeutet. Ist es da nicht eine blutige Ironie, wenn die Antisemiten aller Couleurs bei ihrer Hetze den Vorwand benützen, daß sich unter den Führern des Bolschewismus auch Menschen befinden, die zufällig als Juden geboren wurden, die aber sich längst von allem frei machten, was das Judentum lehrt. Wenn Juden darauf hinweisen, ist zumeist ein albernes oder hochmütiges Lächeln die Antwort. Was werden aber die antisemitischen Hetzer einem Vandervelde antworten, einem der maßvollsten Arbeiterführer, der auch seinen Platz als belgischer Außenminister würdig ausfüllte, der in demselben Momente, in welchem er sich mit Stolz als der Schüler, eines großen Juden, der Karl Marx hieß, bekennt, gerade den Bolschewisten jedes Recht abspricht, sich auf den Juden Marx zu berufen? Dieses Zeugnis für den antijüdischen Charakter des Bolschewismus wird aber noch unendlich dadurch erhöht, daß Vandervelde gleichzeitig auch an seine politischen Gesinnungsgenossen unter den Juden die dringende Mahnung richtete, sie sollten und müßten, in welchem Lande immer, Juden bleiben, um ein Beispiel zu geben, wie man ein guter Bürger seines Landes und zugleich ein Weltbürger sein kann. Es scheint wirklich, daß der Christ Vandervelde besser und tiefer in das wahre Wesen des Judentums eingedrungen ist als mancher Sozialist, der erst später getauft oder konfessionslos wurde. * * * Rumänische Richter haben einen jüdischen Soldaten, der, auf der Eisenbahnfahrt von Jassy nach Roman begriffen, die Notbremse gezogen hatte, nicht nur zu einer empfindlichen Geldstrafe, sondern überdies zu einem Schadenersatz in der Höhe von 2000 Lei verurteilt. Vergebens suchte sich der jüdische Soldat damit zu rechtfertigen, daß er und seine Coupegenossen durch das Eindringen gewalttätiger, knüttelschwingender Studenten sich bedroht gefühlt hatten. Der Angeklagte wurde schuldig gesprochen, während die Studenten natürlich frei gingen, da sie doch gar nicht vor Gericht gestellt worden waren. Man glaube aber ja nicht, daß Rumänien sich deshalb den Vorwurf gefallen läßt, daß solche Urteile unerhört seien. In der Tat weiß man, daß in einem alten Staate z. B. ein Fremder, der, um einem Steinwurfe seines Verfolgers auszuweichen, sich bückte. für den Schaden verantwortlich war, der durch den Steinwurf angerichtet wurde. Das galt als Recht in Sodom. In Rumänien, wo der Jude als Fremder betrachtet wird, kann die Rechtsordnung Sodoms wirklich auch heute noch als vorbildlich anerkannt werden. * * * Die Wahlen in Deutschland haben auch das erfreuliche Resultat, daß sie Dr. Ludwig Haas, dem ausgezeichneten Mann, der mit Schlagfertigkeit und hinreißender Beredsamkeit auch für das Recht seiner Glaubensgenossen einzutreten versteht, wieder einen Platz im Parlament gesichert haben. Man erinnert sich gerne an die geistsprühenden Reden, üt denen Dr. Haas schon vor 15 Jahren den Antisemiten im Reichstag entgegentrat und sie oft verstummen machte. Unvergessen ist noch der Eindruck der Warnung, die er damals hochstehenden Rassenschützlern ins Antlitz schleuderte, sie mögen auf dem Wege der Blutproben innehalten, denn sie könnten zu den niederschmetterndsten Entdeckungen gelangen. Es könnte übrigens nicht schaden, wenn man unseren österreichischen Rassenschützlern gelegentlich die Warnung des deutschen Parlamentariers ins Gedächtnis zurückriefe. Die Zündhölzchentrust-Affäre erregt gegenwärtig Sensation in Ungarn. Ein erfahrener Parlamentarier erklärte, nun stehe man vor dem größten Skandal, bei dem ein hervorragender Rassenschutzpolitiker das größte Geschäft machen würde. Die Affären der Rassenschützler sind wiederholt durch Verhandlungen im Gerichtssaal in eine wahrhaft bengalische Beleuchtung gerückt worden. Soll diese nun durch — Zündhölzchen übertroffen werden? Die Nachricht, daß der Abgeordnete Gömbös die Präsidentschaft des Vereines der Erwachenden niederlegte, bestätigt sich. Die Hoffnung, daß der Niedergang des Antisemitismus in Ungarn fortschreite, hat somit neuerliche Bekräftigung gewonnen. Der Nachfolger des Gömbös in dieser Würde — man verzeih« diesen unpassenden Ausdruck — ist der Rassenschützler Budai, der bisher in seiner eigenen Partei nicht sonderlich ernst genommen wurde, da er sich oft durch seine Reden lächerlich machte und im Vergleiche zu Gömbös als eine geistige Null galt. Man kann wirklich nicht sagen, daß Gömbös bisher eine erhabene Rolle gespielt hat, aber richtig ist, daß von ihm zu dem — lächerlichen Budai ein Schritt nach abwärts ist. Ego. fflr ein Intelligentes, hü&scnesMäddien mit bester Heimerziehung und absolvierter Bürgerschule wird passende Stelle gesucht. Bevorzugt als Ordinationsschwester oder zu 1 bis 2 Kindern im Alter von 3 bis 8 Jahren. Anträge an das Kinderheim, Wien Xlll., durch die Admini- _ stration des Blattes. Älterer gebildeter Herr sucht über die Ferien HmlMtelurentelte oder einzelne Lektionen inr Henrfflsdi etc. R. Rosen, Privatlehrer, Baden bei Wien Guttenbrunnerstraße 11/1.

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