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Die Wahrheit · 1928-06-22 · Heft 25 (22.6.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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wmr*mtirmmnKmrnTrMMwtn<inmTF"nirTr°m¥w*t Seite 6 DIE WAHRHEIT heute viel Not in den jüdischen Reihen, und unter der heutigen wirtschaftlichen Krise leiden die Juden der ganzen Welt am meisten. Aber noch schlimmer als diese äußere Not ist der innere Zusammenbruch, die gänzliche sittliche Haltlosigkeit, der ethische Bankrott. Es hat keinen Sinn, mit Worten dagegen zu predigen, und mit den kleinen und kleinlichen Palliativmitteln wird man sicherlich gegen diese Epidemie nichts ausrichten. Die erste Bedingung für die Gesundung ist die Reinigung der Luft von allen moralischen Miasmen, die Schaffung einer gesunden Atmosphäre. Und man muß wie bei jedem Kultur- und Moralwerk bei der Erziehung anfangen. Wir sollten unsere ganze Kraft darauf konzentrieren, eine Jugend mit gesundem Ideal, eine religiös und sittlich gefestigte Jugend zu erzielen. Wir erziehen heute in den meisten Jugendvereinen fast immer Parteimenschen und nicht warmherzige Juden. Wir erziehen sie zu Schablonen und nicht zu einer ernstheiteren Weltanschauung. Wir vergeuden zu viel Kraft für Kämpfe und verwirren schon die jugendlichen Köpfe mit politischen Ideen und sozialen Methoden. Das muß anders werden. Die Jugend soll zu jüdischem Denken und jüdischem Empfinden erzogen werden. Es soll ihr im Geiste des Judentums ein höheres Lebensziel gezeigt werden, dann wird sie wessen, daß das Leben kein Spielzeug ist, das man liebt und dann, wenn man seiner überdrüssig geworden ist, wegwirft. Dann wird sie auch in schwerer Schicksalsstunde nicht so leicht verzweifeln. Kehret zurück zur Schlichtheit des alten jüdischen Lebens, und ihr seid dem wahren Glücke viel näher! „Hakoahs" Glück und Ende. Am vergangenen Sonntag hat sich nach einem scharfen Kampfe das Schicksal des Wiener jüdischen Fußballklubs „Hakoah" entschieden: der Verein, der noch vor drei Jahren Meister von Wien und1 damit von Oesterreich überhaupt war, wurde verurteilt, in die zweite Klasse, das heißt in das graue Nichts, abzusteigen. Damit ist das Geschick eines indischen Vereines besiegelt, der anfangs zu schönen Hoffnungen berechtigte, dann aber seine nicht geringe Anhängerschaft auf das schmerzlichste enttäuschte. Auf dem gleichen Platze, auf dem sie nun ihre schwere Niederlage erlitt begann die „Hakoah" gerade vor acht Jahren ihren grandiosen Aufstieg in die erste Klasse nach einem mit Ambition und Eifer gespielten Qualifikationsmatch mit dem deutschnationalen Klub „Germania". Der große Wurf gelang: „Hakoah" wurde erstklassig. In ihrer neuen Position spielte die Mannschaft eine durchaus rühmliche Rolle; sie schlug sich immer ehrenhaft, ja im Jahre 1925 vermoche sie sogar die Meisterschaft zu erringen. Dieses große Glück machte aber die Spieler und Verantwortlichen des Vereines gewissermaßen übermütig; sie strebten nach Lorbeeren, deren Erringung das innere Gefülge der bisher fest geeinten Mannschaft arg bedrohen sollte. Der erste Schlag war die seinerzeit mit großem Pomp und beinahe zirkushafter Reklame entrierte Amerikafahrt Der jüdische Verein schnitt wohl in der Neuen Welt sehr ruhmvoll ab, aber die Folge gerade seiner Siege war eine Kaperung seiner besten Kämpen durch amerikanische Manager, die für ihre Fußballklubs gute Leute brauchten, um dien in Amerika eigentlich unbekannten Fußballsport populär zu machen. Dieses arge Ergebnis der mit solch schönen Hoffnungen angetretenen Amerikareise hat aber die selbstbewußten Funktionäre des Vereines nicht, wie man glauben sollte, eines Besseren belehrt. Noch einmal ging die „Hakoah" auf Gastrollen nach Amerika, und diesmal ließ sie den Rest ihrer gediegenen Mannschaft drüben. So wurden trotz vieler schmerzlicher Erfahrungen schwere Fehler gemacht und auch in der sportlichen Grundeinstellung des Vereines wurde arg gesündigt. Die „Hakoah" hatte früher, wie alle anderen Wiener Fußballklubs, Amateure, d. h. unbezahlte Spieler, wenn diese auch, ebenso wie bei den anderen Vereinen und wie es nur recht und billig war, für ihre nicht ungefährlichen Leistungen gewisse Entschädigungen erhielten. Als aber vor einigen Jahren der Oesterreichische Fußballverband daranging, diese unkontrollierbare und für die Spieler auch beschämende Zahlung von „Entschädigungen" in ein genaues System zu bringen und eine reinliche Scheidung von „Amateuren" und „Professionals" vorzunehmen, da fehlte es nicht an warnenden Stimmen, die gerade der „Hakoah" als einem jüdischen Verein rieten, ins Lager der Amateure überzugehen, wie es übrigens eine große Anzahl kleinerer jüdischer Fußballvereine unter oft großen' Schwierigkeiten getan hat. Diese wohlmeinenden Freunde der „Hakoah" stellten sich vor allem auf den Standpunkt, daß gerade der jüdischen Sache nicht damit gedient sei, wenn urbi et orbi gezeigt wird, daß hier eine Verquickung von Sport und Geschäft vorliegt. Die „Hakoah" und! ihre verantwortlichen Funktionäre, insbesondere ihr damaliger Präsident Dr. Hermann Körner, ließen sich aber nicht raten, dafür mußten sie büßen. Wir wollen uns hier mit der rein sportlichen Frage, welches System das zweckmäßigere ist, ob das dies „Amateurismus" oder das des „Professionalismus", nicht näher beschäftigen, genug an dem, die „Hakoah" huldigte von nun ab dem letzteren. Sehr zu ihrem eigenen Schaden, denn in dem Momente, da die sportlichen Leistungen des Einzelnen mit einer bestimmten Summe entlohnt wurden, war es nur zu erklärlich, daß in ihm der Wunsch auftauchte, für seine Arbeit noch mehr zu erzielen, und so ging mancher, der mitgeholfen hatte, die „Hakoah" auf ihre achtunggebietende Höhe zu bringen, des schnöden Mammons wegen von ihr weg. Die Wiener jüdische Oeffentlichkeit, nicht nur die Sportwelt, war damals des Staunens voll über JAC. MAYER Kleideru. Gummimäntel'Fabrik Export nach allen Ländern - Melluntf Zentrale: Wien ll.9 GlOCkengaSSC 24Tel.R48-4-79 Für Kultusbeamte und Vereinstunktlonfire gegen Legitimation 10*/. Nachlaß

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