Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-06-15 · Heft 24 (15.6.1928) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064271--16345-3089090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12 OT»'"""iu»»"''mnnn^ luiuimiuiniiiuiiiiiiHiiuiiininiiiiiiiL'i: DIE WAHRHEIT „Rozvoj" im Kampfe gegen das Judentum bereits aufzuweisen hat. Man hat ein spezielles Adreßbuch christlicher Geschäftsinhaber herausgegeben und verbreitet, sowie 200.000 Plakate mit antijüdischen Boykottlosungen ankleben lassen. In dreiunddreißig Städten wurden christliche Handwerker seßhaft gemacht, die dem jüdischen Handwerk Konkurrenz machen. Der Kongreß billigte die Tätigkeit der Leitung und nahm eine Reihe Beschlüsse betreffend die Fortsetzung der antijüdischen Boykott-Tätigkeit an. Der Kongreß wurde mit einer feierlichen antijüdischen Festveranstaltung beendet. Ein jüdischer Gelehrter auf Nobitis „Italia". Während die ganze Welt um das Schicksal des in der Arktis gestrandeten Luftschiffes „Italia" und dessen Besatzung bangt, ist es zeitgemäß, daran zu erinnern, daß sich unter der 15 Mann starken, von General Nobile geführten Expedition ein sehr bekannter italienisch-jüdischer Gelehrter befindet: der Ingenieur-Professor Aldo Pontremoli von der Polytechnischen Hochschule in Mailand. Nobile hat Professor Pontremoli für die Teilnahme an der Expedition gewonnen, damit er besondere wissenschaftliche Aufgaben der Expedition durchführt. Pontremoli ist ein früheres Mitglied der Mailänder jüdischen Gemeinde. Wedgwoods Dominion-Vorschlag. Wir entnehmen dem letzten Rundschreiben des revisionistischen Zentralkomitees in Paris den folgenden Passus, der besonders im Zusammenhang mit den gelegentlich des Wiener Auftretens Wedgvgoods verbreiteten Gerüchten über die Stellung der Revisionisten zur Dominionfrage interessant ist: Lebhaftes Interesse ruft in zionistischen Kreisen das Buch von Colonel Wedgwood „The Sevent Dominion" hervor. Wir werden öfters über unsere Stellungnahme zu seinen Vorschlägen befragt Diese ist ungefähr die folgende: Wedgwoods Ansicht, die palästinensische Administration müsse die jüdische Kolonisation des Landes zu ihrer eigenen Aufgabe machen, aus dem Zustand einer „wohlwollenden Neutralität" heraustreten und selbst die nötigen Bedingungen für eine jüdische Massenkolonisation schaffen — deckt sich vollständig mit unserer Forderung eines „Kolonisationsregimes". Auch sein zweiter Vorschlag, Palästina bis auf weiteres als eine Crown-Colony zu verwalten, d. h. keine repräsentativen Organe mit einer einheimischen Mehrheit zuzulassen, steht im Einklang mit unserem Programm. Viel komplizierter ist seine Schlußforderung, Palästina in ein „siebentes Dominion" zu verwandeln. Für uns reduziert sie sich zu einem anderen Problem: Besteht ein wirklicher, sachlicher Unterschied zwischen dem Begriff „Judenstaat" und der staatsrechtlichen Lage eines Kanada? Es wäre noch verfrüht, auf diese Frage schon jetzt durch eine offizielle Aeußerung der Union antworten zu wollen. Antisemitismus in London. An zahlreiche Ruhebänke im Londoner Hyde-Park wurden in den letzten Tagen bedruckte Zettel mit antisemitischem Inhalt geklebt. Ein Zettel enthält die Aufforderung: „Meidet die jüdischen Verkaufsläden!", ein anderer enthält den Text: „Wie viele unserer patriotischen und religiösen Vereine werden von Juden kontrolliert?". Das Wort Jude ist stets fett gedruckt. Es wurde festgestellt, daß gut gekleidete Damen und Herren sich als Zettelankleber betätigten, was auf das Bestehen einer geheimen antisemitischen Vereinigung schließen läßt. Die Presse fordert die Behörden zu Wachsamkeit und energischem Einschreiten gegen die auch gesetzlich zu ahndende antijüdische Boykottpropaganda auf. Hl ÖSTERREICHS GRÖSSTE PHOTOFIRMA ||||| PHOTO WEITZMANN ■ WIEN i II II*, PRATERSTR. II., TABORSTR. 36 {IUI Wund zahlreiche Filialen MI Kumt und Literatur Breslau. Erfreulicherweise wächst überall unter den Juden das Interesse für ihre Vergangenheit. Neben den Bestrebungen, die sich darauf richten, die Erforschung der jüdischen Familie durchzuführen,, verdienen besonders jene anderen Berücksichtigung, die es sich zur Aufgabe machen, die Ueberreste vergangener Zeiten zu sammeln. Aus diesen Gründen hat sich in Breslau ein Verein „Jüdisches Museum E. V." gebildet. Sein Ziel ist: Die Sammlung und Aufbewahrung von Gegenständen und deren Abbildungen aus dem Gebiete des jüdischen Kultus. Ebenso will er Archivalien. Altertümer, Handschriften und Druckwerke, die sich auf das Judentum beziehen, sammeln und — vor allem sie der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Der Anschluß an ein Breslauer Museum ist angebahnt, so daß auch den weitesten Kreisen die Möglichkeit gegeben sein wird, sich von dem Judentum, wie es wirklich ist, ein Bild zu machen. Das Museum kann nur dann seine Aufgabe erfüllen, wenn es mit der Mitarbeit der weitesten jüdischen Kreise nicht nur der Stadt seiner Gründung rechnen kann. Deswegen sollte jeder, der für die Geschichte unseres Stammes interessiert ist, dem Verein beitreten und ihn bei seiner Sammlungsarbeit unterstützen. Die Persönlichkeiten, die an der Spitze des Vereines stehen und die ihn bei seiner Arbeit wissenschaftlich und künstlerisch beraten, bürgen dafür, daß das Jüdische Museum in vorbildlicher Weise errichtet werden wird. Beitrittserklärungen und Anfragen sind an den Schriftführer, Herrn Felix Perle, Breslau 3. Striegauerstraße 3, 2. Stock, zu richten. Jüdische Förderung der Wissenschaft. Die vor kurzem im eigenen Gebäude eröffnete „Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie" in München, ein Institut der Kaiser-Wilhelmgesellschaft, verdankt ihr Entstehen, wie aus einer Dankkundgebung dieser Anstalt hervorgeht, den Stiftungen zweier amerikanischen Juden. Dr. h. c. James L o e b und Alfred Heinsheime r. Eine jüdische Hochschule in Amerika. Die Universität des Staates New York hat die „Jizchak- Elchanan Jeschiwa" als Rabbinerhochschule mit dem Rang eines Universitäts-Kollegs anerkannt. Es ist dies die erste jüdische Hochschule in den Vereinigten Staaten. Jüdische Buchkunst. Auf der gegenwärtig in Florenz stattfindenden Internationalen Buchausstellung, die auf Anregung des italienischen Königs alljährlich arrangiert wird, befindet sich ein vom jüdischen Buchverlag „Israel" in Rom eingerichteter jüdischer Pavillon, in dem jüdische Standard-Werke in italienischer Sprache und in anderen Sprachen wirkungsvoll ausgestellt sind. Neue Ehrung Georg Bernhards. Bei den Vorstandswahlen auf der Kölner Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse, der Standesorganisation der deutschen Journalisten, wurde Chefredakteur Professor Georg Bernhard einstimmig durch Zuruf zum 1. Vorsitzenden gewählt. — Bernhard ist bekanntlich auch in den deutschen Reichstag gewählt worden. Sprachenpflege. „Le Traducteu r". eine Zeitschrift in Deutsch und Französisch, beide Sprachen rein und richtig nebeneinander gestellt, wird überall dort willkommen sein, wo Vorkenntnisse schon vorhanden sind und das Bestreben besteht, sich in angenehmer Weise weiter zu unterrichten. Probeheft kostenlos durch den Verlag des „Traducteu r" in L a Chaux-de-Fonds (Schweiz). &amenkteider - Jitetiew Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Walsenmädchen im Dr. Krüger-Helm Wien IL, Malzgasse 7, Tel R 43-5-40 Übernahme aller Arbeiten, von Reparaturen bis zur allerfelnsten Maßarbelt. Billige Preise!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.