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Die Wahrheit · 1928-06-15 · Heft 24 (15.6.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 11 2&y^N»&» Etwas, was uns nottut. Eine kleine Episode aus den Feierlichkeiten, mit denen die heldenhaften Ozeanflieger Köhl, v. Hünefeld und Fitzmaurice in New York geehrt wurden, sei um ihrer tieferen Bedeutung willen unseren Lesern berichtet. Unter begeisterter Anteilnahme unübersehbarer Volksmassen, unter nicht verstummenden Hochrufen fand am Washington-Denkmal eine besondere Feier der amerikanischen Q o o d - W i 11 - U n i o n, einer Interkonfessionellen Vereinigung zur Ausbreitung und Befestigung des Friedens zwischen den Konfessionen, statt. Die Tatsache, daß die drei . Fliegerkameraden drei verschiedenen Konfessionen angehörten, der römisch-katholischen, der protestantischen und der irischkatholischen, war das Symbol, das die Union zu ihrem Hervortreten veranlaßt hatte. Mit Dankbarkeit und nicht ohne eine leise Wehmut beim Vergleich mit unseren Verhältnissen sei mitgeteilt, wie sie dieses Symbol deutete. Dr. Hunt, der Direktor der Union, begrüßte die Flieger mit herzlichen Worten „in einem Lande, in dem alle Religionen gleiche Rechte und unumschränkte Betätigungsfreiheit genieße n." Er überreichte Hauptmann Köhl alsdann einen Kranz mit der Bitte, ihn als eine. Ehrengabe für den ersten amerikanischen Präsidenten, George Washington, an seinem Denkmal, dem Platz, der allen Amerikanern heilig sei, niederzulegen. „Der Ihnen diesen Kranz durch mich schickt," fügte er hinzu, „einer der Vorsitzenden unserer Qood-Will-Union. ist ein Jude mit der B e s c h e.i-d e nji e i t eines Moses. Eine besondere Freude wird es Ihnen sein, zu hören, daß dieserhervor ragende Mann, Ludwig Vogelstein, in Deutschland geboren ist und daß sein Bruder noch heute dort als einer der angesehensten Rabbiner wirkt. Ludwig Vogelsteins Name ist mit den segensreichsten Bestrebungen unseres amerikanischen Lebens eng verknüpft. Mit besonderer Aufopferung arbeitet er in unserer Good- Will-Union daran, jung und alt zu einer Verständigung und Versöhnung aller Einwohner unseres Landes zu erziehen. Die Seele Amerikas ist erschüttert durch dieses außerordentliche Ereignis in unserer Geschichte: zwei Katholiken, die sich im Weltkrieg feindlich gegenüberstanden, und ein Protestant haben Sturm und Wetter und undurchdringlichen Nebel überwunden. Durch Nächte des Schreckens sind sie im Dienste der gottgewollten Mission einer alles umfassenden Verständigung hindurchgedrungen. Aber die Amerikaner lassen sich in ihrer Brüderlichkeit nicht übertreffen. Und so überbringe ich Ihnen denn diesen Kranz im Namen eines Juden, der dem Glauben seiner Väter treu ist. Auf dem Kranz ruht der Segen Seiner Eminenz Patrick Cardinal Hayes, gespendet auf die Bitte eines protestantischen Geistlichen." So ehrte Amerika die völkerverbindende Großtat der Flieger im Geiste des v o 1 k s v e r b i n d e n d e n Friedens der Konfessionen. WIEN I., Seltenstettengasse 2 Ter. 68-1-28 XI., Zentralf riedhoff, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-85 4&. „Mexiko, die Synagoge der Hölle". Der Kampf zwischen Staat und Kirche, der gegenwärtig in Mexiko ausgefochten wird, wird seitens verschiedener Blätter darauf zurückgeführt, daß der mexikanische Staatspräsident, General Calles, Jude sei. Diese Behauptung wird natürlich von antisemitischer Seite gehörig gegen die Juden ausgeschlachtet. Dabei wird namentlich auf eine Broschüre von Dr. Josef Corbach hingewiesen, die bei dem katholischen Caritasverband in Feldk i t c h (Vorarlberg) unter dem Titel „Mexiko, die S y.n agoge der Hölle" erschienen ist. Um falschen Auffassungen entgegenzutreten, teilt der „Regensburger Anzeiger", das Organ des Ministerpräsidenten Held, mit, daß der Präsident Calles weder Jude noch Abkömmling eines Juden sei. Die Broschüre „Mexiko, die Synagoge der Hölle", habe keine judenfeindliche Tendenz, trotz des irreführenden Titels (warum wurde dieser dann so aufreizend gewählt?) und bringe die Juden nicht in Verbindung mit den mexikanischen Christenverfolgungen. Auch aus Kreisen der päpstlichen und der mexikanischen Diplomatie — so namentlich seitens der mexikanischen Gesandtschaft in Berlin — wird auf das entschiedenste dem Märchen von der jüdischen Abkunft des Präsidenten Calles entgegengetreten. Antisemitismus in der algerischen Armee. Im „L'Oeuvre" lesen wir: Kein Israelit wird als Offizier oder Soldat in gewisse Truppenteile Algeriens aufgenommen. Es wird behauptet, die muselmanischen Militärs unterhalten sich nicht gerne mit Juden; das ist aber nicht richtig, im gesellschaftlichen Leben kommen Juden und Muselmanen sehr gut miteinander aus. Auch die Soldaten hegen keinerlei Antisemitismus, wohl aber ihre französischen Führer. Die Liga für Menschenrechte hat den Kriegsminister aufgefordert, darauf hinzuwirken, daß innerhalb der algerischen Truppenteile die Prinzipien der Gleichheit geachtet werden. Jüdische Auswanderung aus Rußland. Die Ica hat mit der Sowjetregierung ein Abkommen getroffen, kraft dessen ihr die Möglichkeit gegeben wird, ähnlich wie vor dem Weltkrieg, der jüdischen Bevölkerung Rußlands die Auswanderung zu erleichtern. Kongreß der polnischen Antisemiten. Im Lokal der Warschauer antisemitischen Gesellschaft „Rozvoj" wurde in den letzten Tagen der Kongreß der Antisemiten Polens abgehalten. Die Losung des Kongresses lautete: „Kampf gegen die jüdische Gefahr!" Der Geistliche Wirembowsky und der „R o z v o i" - D i r e k t o r Zakszewsky wiesen auf die großen Erfolge hin, die FLEISCHHAUEREI SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 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