Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Holešov 1× ep/1047950
- Homer 1× ep/1025156
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Seite S mm DIE WAHRHEIT und dem Ehrenbürger der Stadt Holleschau die letzten Grüße dieser Gemeinde. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor M. M a t y a s unter Assistenz des Stadtchores in würdiger Weise. Qlerreix. Die Wiener Universität hat Pech. Eine der wichtigsten Lehrkanzeln ist seit mehreren Jahren eigentlich unbesetzt und die Studenten müssen sich recht und schlecht mit der Belehrung begnügen, die ihnen inzwischen von supplierenden Hilfskräften auf diesem Gebiete geboten wird. Das Pech ist um so bedauerlicher, als man, wie in Fachkreisen behauptet wird, in Oesterreich einen weltberühmten Bakteriologen besitzt, der geradezu für diese in Frage kommende Lehrkanzel prädestiniert erschiene. Aber da ist ein seltsames, unüberwindliches Hindernis, das den Mann von dem Katheder ferne hält: seine Nase. Das heißt, ihn stört die Nase nicht. Er trägt sie seit seiner Geburt und ist an sie gewöhnt. Aber merkwürdigerweise können andere über diese Nase nicht hinwegkommen. Die Wiener Universität hat wirklich Pech. * * * Ein Herr Erich Hensel, ehemaliger Landesgeschäftsführer der deutschnationalen Partei, wurde wegen Schmähung des Gedächtnisses Rathenaus zu drei Monaten Gefängnis und ferner wegen Beschimpfung der Republik zu zwölf Wochen Gefängnis verurteilt. Man weiß, daß Rathenau, abgesehen von seiner geistigen Begabung, einer der vornehmsten Menschen war. Wer Herr Hensel ist? Das weiß man jetzt auch ganz genau; er sagte nämlich u. a. von Rathenau, „es ist gut, daß das Schwein tot ist, sonst hätte ich ihm selbst das Messer in den Bauch gerannt". Kann man nach dieser Aeußerung Herrn Hensel verkennen? Die Richter haben übrigens auch Milderungsgründe für den Angeklagten gelten lassen: seine politische Einstellung. Diese Milderungsgründe enthalten auch ein vernichtendes Urteil über die Parteigruppe, die die Ehre und das Vergnügen hat, Herrn Erich Hensel zu ihren repräsentativen Mitgliedern zu zählen. * * * Die griechische Regierung hat Achilleion, das nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth in den Besitz Wilhelms II. gelangt war, um den Preis von 15 Millionen Drachmen angekauft. Man erinnert sich, daß der Exkaiser, dessen Denkart sich wahrhaftig wesentlich von der der hochsinnigen Kaiserin unterschied, sofort die Statue Heinrich Heines, die im Achilleion neben der anderer Lieblingsdichter der Kaiserin, wie Homer, Shakespeare, Goethe und Byron, stand, entfernen ließ, um so zu dokumentieren, daß er diesen' großen Dichter ebenso sehr verabscheue, wie ihn Elisabeth verehrte. Nun wurde verlautet, daß die griechische Regierung schon aus pietätvoller Erinnerung an die Erbauerin Achilleions der Statue Heines wieder ihren alten Platz einräumen wolle. Wieder ein Moment, das den Exilierten in Doorn an den Wandel der Zeiten mahnen dürfte. Heine hätte allerdings auch auf diese Genugtuung verzichten können, denn er gehört zu den Dichterfürsten, die keine Entthronung zu befürchten haben und die wohlweislich sich durch ihre eigenen Werke unzerstörbare Monumente errichtet haben. * * * Mit großer Genugtuung haben die Juden in Ungarn es begrüßt, daß offiziell zwei angeblich von hochstehender Seite gefallene Aeußerungen, durch die sich die jüdische Kaufmannschaft verletzt gefühlt hatte, dementiert wurden. Amtlich ist jetzt festgestellt, daß weder Se. Durchlaucht der Gouverneur Nikolaus von Horthy, noch seine Exzellenz der Ministerpräsident die durch ein Mißverständnis ihnen zugemuteten Bemerkungen gemacht haben. Man wird es begreiflich finden, daß der Abgeordnete Paul Sandor, der bei jeder Gelegenheit mutig für die Ehre seiner Glaubensgenossen eintritt, im Parlament erklärte, er freue sich, nach diesem Dementi seine geplante Interpellation in dieser Angelegenheit unterlassen zu können. Man darf es wirklich als einen erfreulichen Fortschritt anerkennen, daß man jetzt in Ungarn schon so weit halt. Nun darf man sich schon der Hoffnung hingeben, daß die Zeit nicht mehr so fern ist, wo auch solche Dementis nicht nötig sein werden. * . * * In Budapest wurde dieser Tage der letzte Honved aus den Freiheitskämpfen im Jahre 1848 zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis des Siebenundneunzigjährigen,. der nur ein einfacher Soldat gewesen, fand unter Ehren statt, wie sie sonst etwa Fürsten zuteil werden. Die höchsten Würdenträger des Staates folgten seinem Sarge. Das war der Letzte aus der glorreichen Zeit, die in Ungarn mit den Namen von Männern wie Kossuth, Deäk, ötvös usw. verknüpft ist. Diese waren die Träger des freiheitlichen, über alle konfessionelle Vorurteile und Engherzigkeit erhabenen Gedankens, der Ungarn groß gemacht hatte. Wohl mögen manche, die bei dem fürstlichen Leichenbegängnis des letzten Honved figurierten, noch den Wunsch im Herzen gehegt haben, mit ihm auch die Erinnerung an die großen Traditionen des Landes zu begraben. Aber es mehren sich die erfreulichen Zeichen, daß die Zahl jener, die in der Rückkehr zu den Idealen der großen Vergangenheit das Heil der Zukunft erblicken, im Wachsen ist. Ego. KleiderkreditZaMbar Ssg*^eines ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! JJ KLEIDERN AUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon A 21-501 Ottakringrerstraße 17 Telephon A 21-501 2 IHHUIIIIIIHIIHIIIIBIIIBIHIIlP Bollinger-Eiskasten •ind seit 1870 die beeten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 80-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 «■■■■■■■■■■■■■■BnaeaaHaeanBBHnnnnnnup'