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Die Wahrheit · 1928-06-15 · Heft 24 (15.6.1928) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEUr Seite ft HOTEL „NATIONAL ii WS Restaurant WD Wien II.« Taborstraße 18 '■f Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u, Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Telephon Nr. R 44-503 Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. VorzQgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. Umlagen, die geigen die jüdische Bevölkerung des Landes geplant waren, abzuwehren. Gern erzählt Low folgende Parallele: 16 Jahre war seine Mutter alt, als sie heiratete; naoh 16 Jahren war es. daß sie ihn gebar; Albert Low hat gerade 16 Enkel. Ein Mann mit solchen Erinnerungen hat d!er Mitwelt auch manches mitzuteilen. So griff er denn oft zur Feder, um zu belehren und anzuspornen. Seine Feder ist der Verherrlichung dies Judentums geweiht. Schon vor langen Jahren schrieb er über den „T i e r s c h u t z" im Judentum, um den leidigen Angriffen gegen das jüdische Schächten zu begegnen. Gemeinde- und Tagesfragen sind ihm beliebtes Thema. Morallehren des Judentums — wie gern möchte er sie immer wieder besprochen und anerkannt sehen! Mancher Artikel von ihm. der in der „W a h r h e i t" erschien, diente diesem Zwecke. Und der Mann weiß nicht nur elegant, sondern auch warm, eindringlich und gefühlvoll zu schreiben. Ein Gefühlsmensch im besten Sinne des Wortes, der jede Gelegenheit ergreift, um den Mitmenschen zu helfen. So mancher, der dann ersprießlich im und für das Judentum gewirkt hat ist durch i h n geworden, hat i h m die Stellung zu verdanken. Ueberströmend von Wohlwollen gegen alle, ist er der liebevolle Vater und Großvater für seine eigenen Kinder. Seit ihm seine Frau entrissen wurde, ist er untröstlich, und er hängt an ihrer Erinnerung wie an der einer Heiligen. Eine Frau war es, reich an Tugenden, dem Judentum gleich warm ergeben wie er selbst, die ihm ein echt jüdisches Heim bereitet, seine Kinder religös erzogen, sein Leben verklärt und verschönt hatte. Mit ihr wich der Glanz seines Hauses. Den hochbetagten, aber immer rüstig schaffenden Greis betreut seitdem seine verwitwete Tochter, Frau Lina Kupfer; daß er uns so lange erhalten blieb, haben wir nächst der göttlichen Vorsehung i h r zu verdanken." . Nun aber ist er von uns (gegangen und mit den vielen, die um ihn trauern, beklagt auch die Redaktion der „Wahrheit" sein Hinscheiden. Wir rufen ihm ins Grab unseren innigsten Dank für das nach, was dieser wirklich edle Mensch uns gewesen, und versprechen ihm und den Seinen, daß sein teures Andenken bei uns stets ein gesegnetes sein wird. O. H. i ' * * * \\ i : ' Aus dem ruhmreichen Leben des Verblichenen wiederholen wir das, was Josei Perlberger gelegentlich seines 90. Geburtstages in der „Wahrheit" veröffentlichte: Geboren in Holleschau (Mähren), im Jahre 1837 als einziges Kind eines geachteten Elternhauses, verließ er schon mit 13 Jahren seine Vaterstadt, um zunächst Schule und Technik in Troppau, bzw. Wien zu absolvieren und sich für den künftigen Beruf vorzubereiten. Nebenher besuchte er den Oberlehrerkurs am Pädagogium. In seinem Berufsleben betätigte er sich in der Leitung von Spiritusraffinerien sowohl in Klasno (Galizien), als auch in Linz und Budapest stets mit anerkanntem Erfolg und mit besonderer Aufmerksamkeit und Liebe seitens seiner Chefs. Die Erfüllung seiner Berufspflichten bildeten für Low keinen wie immer gearteten Hemmschuh für sein Streben nach stetem, geistigen Fortschritt. Durch Willenskraft und emsigen Fleiß erwarb er sich umfassende Kenntnisse im jüdischen Wissen und sein geistiger Horizont dehnte sich durch regen schriftlichen Verkehr mit hervorragenden Wissenschaftlern zusehends aus. Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch an einen interessanten Briefwechsel mit dem unrühmlich bekannten Judenfresser Istoczy. dem er offene Wunden in zartester Stilform geschlagen hat und der Albert Low Anerkennung in Pester jüdischen Kreisen brachte. Wir finden ihn bald als Schriftsteller, bald als Verfasser von Broschüren unablässig für die Rechte seiner Brüder wacker kämpfend. Neben seiner großen ergebenen Sympathie für seine Geburtsstadt unterließ er es nicht, sich in seiner Stellung in Galizien für Aufklärung der Juden voll und ganz einzusetzen, während er später in Linz a. d. Donau die Anregung zum Baue des ersten Tempels bot. Zudem suchte er in seinen öfteren Vorträgen in Holleschau sowie in Wien stets das Interesse für das jüdische Geschichtswesen neu zu beleben. Auch die Bestrebungen der Tierschutzfreunde — allerdings nicht im Sinne der Gegner der jüdischen Schlachtweise — fanden in Low warme Förderung. Die Herausgabe einer Schrift über Tierschutzverhältnisse in der Bibel brachten ihm die Würde eines Ehrenbruders seitens mehrerer deutscher Städte. Ebenso erfolgreich als seine publizistischen Arbeiten, gestaltete sich auch sein Wirken im Dienste der Wohltat. Ausgestattet mit besonderer Feinfühligkeit des Gemütes wurde sein jüdisches Herz bald von Mitleid erfüllt und zu Tränen gerührt, wo immer ihm Unglück gegenüber trat und ungesäumt stellte er sich in den Dienst der werktätigen Menschenliebe. In geradezu vorbildlicher Treue bekundete Low seine Anhänglichkeit der Vaterstadt Holleschau, an deren Geschicke und Entwicklung er ununterbrochenen Anteil nahm. Die dortigen Anstalten — Frauenverein, Bibliothek, usw. — entsprangen lediglich seiner Intervention. Es verdient betont zu werden, daß Low nicht verfehlte, jahraus-iahrein seine Geburtsgemeinde aufzusuchen und dortselbst zur Genugtuung aller den Sekretär, den Anordner, den Anreger und den Vortragenden zu spielen; Holleschau bildete seine ganze Lebensanschauung. Die dankbare Stadt ernannte ihn auch zum Ehrenbürger und die wohltätigen Stiftungen zu ihrem Ehrenmitglied. Während seines wohlverdienten Ruhestandes in Wien entstand aus gleichen Motiven bei ihm die Idee auf Schaffung des „Vereines der Holleschauer in Wien", für welchen Low restlos bemüht war, bei den in Wien lebenden Holleschauern den Zusammenhang mit der Heimat lebendig zu erhalten. * * * Das Leichenbegängnis fand Montag, den 10. d. M., unter überaus großer Beteiligung der Freunde und Verehrer des Verblichenen statt. Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt dem Heimgegangenen einen überaus ergreifenden Nachruf, in dem er ein umfassendes Bild seiner edlen Persönlichkeit gab und die vielen Vorzüge rühmte, die ihn ausgezeichnet und zu einem allverehrten und hochgeachteten Menschen und Juden gemacht hatten. Namens der Kultusgemeinde sprach Kultusvorsteher Kommerzialrat Bernhard Buchwald Worte der Dankbarkeit für die ersprießliche Wirksamkeit des Toten in der Wiener Gemeinde; als langjähriger Freund nahm Prof. Dr. S. K r a u ß schmerzbewegten Abschied; Dr. Leopold Berg, Direktor des Kreditorenvereines, widmete namens des „Vereines der Hblleschauer in Wien" dessen Gründer und Präsidenten einen innigen Nachruf. Hierauf wurden die sterblichen Ueberreste Albert Löws dem Grabe seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin beigelegt. Am offenen Grabe überbrachte der Vorsteher der Holleschauer Gemeinde, Leopold M e i s e 1, namens der dortigen Chewra Kadischa ihrem Ehrenmitgliede

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