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Die Wahrheit · 1928-06-15 · Heft 24 (15.6.1928) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 inmmnnnnni DIE WAHRHEIT [Albert Löw s. A. \ Einer der Besten in unserer Mitte ist von uns gegangen: Albert Low ist Samstag, den 9. d. M., im 92. Lebensjahre gestorben. Mit ihm verliert das Wiener und mährische Judentum einen der großen Idealisten unserer Zeit einen Mann, der in seinem ruhmreichen Leben weder Gegner noch Widersacher hatte, sondern stets nur begeisterte Freunde und Schüler, die ihn wegen seines edlen Tatendranges aufrichtig bewunderten. Auch die Redaktion der „W a h r h e i t" betrauert in dem Dahingeschiedenen einen bewährten und langjährigen Freund und Mitarbeiter, der uns Grooßes und Schönes leistete. Aus seinem immens reichen Wissen und seiner ungeheuren Erfahrung hat er in den Spalten der „Wahrheit" immer wieder neue kostbare Schätze der Weisheit, des Geistes ufld der Herzensbildung gespendet und dabei, unterstützt von einem Gedächtnis, wie man es selbst bei Jüngeren selten findet, bei solch Hochbetagten aber wohl kaum oft antrifft, immerdar aus dem Vollen geschöpft, aus dem vollen Born des Lebens und) vor allem wahrhaften jüdischen Lebens. Noch am 29. April richtete er an unseren Schriftleiter folgenden Brief mit jener für ihn charakteristischen wunderschönen Schrift, aus der die Herzensgüte des Neunzigjährigen gewissermaßen hervorleuchtete: „... Nun war ich 12 Wochen bettlägerig und wenn ich so im Bette nachdenkend lag, machte ich mir Vorwürfe, daß ich als vieljähriger Mitarbeiter Ihres Blattes gar nichts biete. Ich hatte Sie Montag besucht, war 12 Wochen nicht aus meiner Klause, doch bin ich noch immer schwach, eine Fahrt selbst bis zur Heinestraße zu machen. Meine Feder schwirrt trotz meines Leidens doch den ganzen Tag. Viel schönes historisches Material liegt schon angehäuft in meinem Kasten. Heute setzte ich mich zu meinem magnetisierten Schreibtisch, für Sie beigefalteten Artikel zu schreiben... Eines Tages, wenn ich kräftiger sein werde, will ich mir das Vergnügen machen. Sie wieder im Büro auzusuchen. Mit besten Grüßen Ihr Freund Albert L ö w." Der uns mit diesem Schreiben übersandte Artikel „Die Wehrpflicht der Juden zur Reformzeit Kaiser Josefs II." erschien am 11. Mai 1928, gerade einen Monat vor dem Tag seines Begräbnisses; der angekündigte Besuch mußte leider wegen der Krankheit unterbleiben. Dafür schrieb uns Albert Low am 11. Mai: „...Drei vorzügliche epochale Artikel habe ich reserviert. Hiervon eine Arbeit für die Woche, in der das Sängerfest erfolgt. Hierin bringe ich die Worte des Kaisers Wilhelm an Ignaz Brüll, anläßlich der Erstaufführung von „Das goldene Kreuz": „Ihr Wiener seid doch glückliche Menschen, über Nacht könnt Ihr so heiter, herzinnig und herzensfroh singen. Dies versteht doch niemand wie Ihr." Es kommen in diesem Artikel die Leistungen jüdischer Komponisten, die ernst zurückweisen die Bemerkung, daß die jüdischen Komponisten die Musik verjuden. So hat der Judenhasser Richard Wagner sich erklärt. Ihr aufrichtiger Freund Albert L ö w." Man halte sich bei der Lektüre dieser uns zuletzt zugekommenen Briefe immer wieder vor Augen: Sie schrieb ein Neunzigjähriger, der aber bis an das Ende seines gesegneten Erdenwallens rastlos war, wie mancher Jüngling es — nicht ist! Wir glauben sein uns immerdar. teures Andendenken nicht besser ehren zu können als durch die auszugsweise Wiedergabe des Artikels, den Prof.. Dr. S. Kraus anläßlich des 90. Geburtstages des Toten in der „W a h r h e i t" vom 8. April v, J; veröffentlichte: „Neunzig Jahre machen den Menschen an und für sich ehrwürdig — wie erst, wenn man sie so zugebracht hat, wie Albert Low, in Gottesfurcht, im Dienste, der Menschheit, im Wohltun, in heißer Liebe zum angestammten Glauben. In allen Orten, in denen Albert Low gelebt hat, hat er sich bekannt und beliebt gemacht: in Budapest. Linz, Wien, um nur die namhaftesten Etappen seines Lebens zu nennen. Aber ganz besonders ist es H o 1- I e s c h a u in Mähren, seine Geburtsgemeinde, der er mit Leib und Seele gehört; mit seinen 90 Jahren versieht er die Agenden des Vereines der Holleschauer in Wien, dem er zugleich Präsident, Sekretär und Kassier ist. Aus der rühmlichst bekannten altehr würdigen Kehilla von Holleschaiu hervorgegangen, besitzt Albert Low ein umfassendes Wissen in jüdischen Dingen, ein Wissen, d!as er durch eifrige Lektüre stets in sich wachzuhalten und zu vermehren verstand. Zeit seines Lebens Geschäftsmann, sucht er dennoch mit Vorliebe den Verkehr mit gelehrten Männern und besonders mit Rabbinern. Mit Wärme und inniger Verehrung spricht er von den großen rabbinischen Gestalten, mit denen ihn sein langes Leben zusammengeführt hat; Ob er nun von ihrer Meisterschaft im „Lernen", von ihrer Frömmigkeit, von ihren Familienverbindungen zu erzählen hat, er ist in gleicher Weise ihr Bewunderer und der Verkünder ihres Ruhmes. „J i c h us" — das ist es, was ihn besonders anzieht. Darin ist er eine frisch sprudelnde lebende Quelle der Tradition, und er hat alles, alles im Gedächtnis bewahrt, darin nicht unähnlich den großen Gestalten der Vergangenheit, die nicht so sehr in Bücherweisheit als vielmehr tief in den Erfahrungen dies Lebens steckten. Gar mannigfach sind seine Erinnerungen. Er, der so viel auf „ Jichus" hält, weiß natürlich auch von seinen ausgezeichneten Vorfahren manches zu erzählen, und die Frau, die er sich einst erkoren hatte, half ihm seinen mit Recht hochgehaltenen „Jichus" noch zu vermehren. Seine Großmutter, die eine Schönheit war, durfte 1820 vor Kaiser Franz erscheinen — es war das in Andendorf bei Troppau — um die Verhängung von schweren ]AC MAYER Eigene raaBaMeiluntf Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSO 24Tel.R48-4-79 Für KuHusbeante und Vereinstunktioaare gegen LeglllmaHen 10V. Nachlaß

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