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Die Wahrheit · 1928-06-08 · Heft 23 (8.6.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 23 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 iWHniiM DIE WAHRHEIT zeugt sei, nochmals erfassen wird. Die Bibel, führte Baldwin weiter aus, hat in den letzten 300 Jahren seit der Fertigstellung der autorisierten englischen Bibelübersetzung im Jahre 1611 alle Gebiete des englischen Volkswesens ergriffen, die Lebensart geformt, die Traditionen verschönert und die Literatur veredelt. „Der Einfluß der Bibel auf die Literatur ging soweit, daß man bei der Lektüre der Werke unserer besten Schriftsteller mitunter glaubt, die Bibel zu lesen. Jeder von uns führt, solange er lebt, einen Lebenskampf wie in der Finsternis oder im Nebel. Nur das Licht der Bibel bricht von Zeit zu Zeit durch die Finsternis und zerreißt den Nebel und bringt uns klar zum Bewußtsein, daß wir unsere eigenen Brüder stoßen und blutigschlagen." Dank von Albion. Eine Abordnung früherer jüdischer Legionäre, die im Weltkriege in Palästina Seite an Seite mit den britischen Truppen gefochten, haben, besuchte den Oberkommissär von Palästina, Feldmarschall Lord P1 u m e r. und unterbreitete ihm die Bitte der Legionäre, ihnen Staatsboden zuzuweisen, damit sie sich in dem Lande, für das sie geblutet haben, als Kolonisten niederlassen können. Führer der Abordnung war der bekannte palästinensische Arbeiterführer Ben Zvi. Lord Plumer erwiderte der Abordnung, daß in Anbetracht der Ergebnisse ähnliche Experimente in anderen Ländern er kein besonderes Vertrauen zu einer Sondersiedlung früherer Soldaten habe. Er wolle aber jeden konkreten Vorschlag, den ihm die Ex-Legionäre unterbreiten, einer Erwägung unterziehen. Für eine gegenseitige Verständigung. Das „Institut zur Erforschung der Nationalitätenprobleme in Polen" hat eine Versammlung von Vertretern aller in Polen lebenden Nationalitäten einberufen. Von jüdischer Seite nahmen teil: Oberrabbiner Professor Schor, Professor Balaban, Stadtrat Dr. Bychowski, Abgeordneter Grünbaum. Ministerialrat Adelberg und der Vizepräsident des Warschauer Stadtrates M. Meisel. Der Versammlung wurde ein Bericht vorgelegt, der auch die Position der Juden in Polen berührt und aus dem zu ersehen ist, daß das Institut eine Enquete betreffend die Position der jüdischen religiösen Gemeinden veranstaltet und einen Fragebogen an 654 jüdische Gemeinden verschickt hat, der bis jetzt von 245 Gemeinden beantwortet worden ist. Ungerechte Steuerverteilung. In der letzten Sitzung der Budgetkommission des Sejm beschwerte sich Abgeordneter Dr. Rosmarien im Namen des jüdischen Parlamentsklubs darüber, daß die städtische Bevölkerung, besonders die Juden, unter den auf ihr lastenden Steuern zusammenbreche. Er führte eine Reihe tragischer Ereignisse in der Gesellschaft an und wies darauf hin, daß die städtische Bevölkerung das Vierfache an Steuern leistet als die Landbevölkerung und der Großgrundbesitz, obwohl Polen ein vorwiegend Landwirtschaft treibendes Land ist. Hilfe für die bulgarischen Gemeinden. Der Hilfsverein in Berlin erhielt aus Bulgarien folgende Mitteilung: Alle jüdischen Institutionen von Philippopel und Tschirpan sind zerstört. Das Unglück ist geringer in Bazardjik, wo die Synagoge nach großen Reparaturen wird erhalten werden können, aber die Schule — bisher eine der besten Bulgariens — wird niedergerissen werden müssen. Ebenso haben alle Häuser der Gemeinde sehr große Schäden erlitten. In Haskovo und St. Zagora haben die Gemeinden ebenfalls schwere Verluste erlitten. Die ganze jüdische Bevölkerung von Tschirpan ist vollständig ruiniert. Die Juden von Philippopel haben große Verluste erlitten und wohnen im Freien. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Bulgariens ist ohne Arbeit, ohne Obdach. Die Situation ist sehr ernst. Unsere Kräfte sind zu schwach für die zu erfüllende Aufgabe, handelt es sich doch um den Wiederaufbau der Gemeindeinstitutionen, um die Hilfe an die ruinierten Juden, die zu unterstützen sind, damit sie wieder berufstätig sein können, und darum, für den Unterhalt der am schwersten heimgesuchten Gemein- -den während der Wiederaufbauperiode zu sorgen. U|ÖSTERREICHS GRÖSSTE PHOTOFIRMA ||||| PHOTO WEITZMANN 1 WIEN I H IL, PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 ||| Hund zahlreiche Filialen |H1| TüinH und Literatur Hermann Cohen-Gedenkfeier. Im Anschluß an ihre Jahresversammlung veranstaltete die Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine Hermann Cohen-Gedenkfeier zur zehnten Wiederkehr seines Todestages. Nach einem Präludium brachte Oberkantor Lewandowski eine dem Gedächtnis Cohens gewidmete Komposition Arno Nadeis zu Gehör; Hierauf umriß S.-R. Dr. Bradt in knappen Zügen die Bedeutung Hermann Cohens für die Begründung der Akademie. Professor Dr. Görland, Hamburg, hielt die Gedächtnisrede. In geistvoller Weise behandelte er das Problem des Primates von Philosoph oder Jude in Hermann Cohen und die lOjährigen Bemühungen seiner Freunde und Anhänger um die Darstellung und Verbreitung seiner Ideenwelt. Hierauf hörte die Versammlung stehend das von Oberkantor Lewandowski vorgetragene „El mole Rachamim" an. Oberkantor Josef Rosenblatt aus Amerika kommt nach Wien! Am 9. Mai 1928 fand in Paris bei ausverkauftem Hause das erste Konzert des auf seiner Europa-Tournee befindlichen Oberkantors „J o s s e 1 e" aus Amerika statt. Ein Großteil der Familie Rothschild wohnte dem von der zionistischen Organisation in Paris für 50.000 Francs erworbenen Konzerte für beide Pfingsttage bei. In Antwerpen fand das Konzert in der königlichen Oper statt und war Rosenblatt gezwungen, des übergroßen Andranges wegen ein zweites Konzert zu geben. In Amsterdam mußte ein zweites Konzert wegen Zeitmangel in letzter Stunde abgesagt werden. Das erste Konzert in Wien findet am 27. Juni im Konzerthaussaal statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. L. Taubes: Talmudische Elemente im jüdischen Sprichwort. Selbstverlag, Wien IX., Liechtensteinstraße 60. — Nach wenigen Monaten erlebt dieses Büchlein eine neue, verbesserte Auflage, ^ichts kann besser für seinen Wert sprechen. H. York-Stelner: Die Kunst als Jude zu leben (Minderheit verpflichtet), Leipzig 1928, M. W. Kaufmann. M. 13. — Schon der Name des Verfassers berechtigt zu hohen Erwartungen. Das Buch rechtfertigt sie. Sechs Jahre ist daran geschrieben worden. Daß es aber ein Lebenswerk^ der Niederschlag jahrzehntelangen Beobachtens und Urteilens und gereifter persönlicher Erfahrung ist, erkennt man auf den ersten Blick. Der Verfasser hat, wie jede starke Individualität, ausgesprochene Sympathien. Sie bestimmen ihn. manches anders zu sehen, als einer nüchternen Betrachtung die objektive Wirklichkeit sich gibt. Er verschreibt sich auch in manchen Kleinigkeiten, wie Namen u. dgl. Im großen und ganzen darf aber seine Leistung als gelungener Wurf bezeichnet werden. Sie wird Gutes stiften bei Freund und Feind, in jedem Lager. Nicht nur gedrucktes Material wird verwendet, sondern, was besondere Lebendigkeit in den Fluß der Darstellung bringt, ein reicher Schatz persönlicher Eindrücke. Wo der Verfasser von den Juden als Handelsvolk, vom jüdischen Mut, von christlichen Judenfreunden, vom jüdischen Familienleben und von der jüdischen Kultur handelt, bringt er eine solche Fülle ^interessanter Einzelheiten in vollendeter Gestaltung, daß schon ÄfiiiJfi'ij^Ä iDamenfcteidew - Metier Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Walsenmädchen im Dr. Krüger-Helm Wien IL, Malzgasse 7, Tel. R 43-5-40 Übernahme aller Arbeiten, von Reparaturen bis zur allerfelnsten Mattarbelt. Billige Preise!

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