Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT lllllllllllllllillllUIUIIllHIDillllUllilllUililllllll den fünf anderen wurde Kanievsky zu 50 Tagen Gefängnis und Landesverweisung, Luk zu 30 Tagen Gefängnis und Landesverweisung, die beiden Brüder Leker und Volkoviski zu je 30 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht in Haifa verurteilte Raphale Hermoni wegen Zugehörigkeit zu einer illegalen Organisation zu 14 Tagen Gefängnis und Landesverweisung. Schicksale jüdischer Kinder in Palästina. Der Vorfall, daß ein Jude seine 10jährige Tochter an einen Mosleniiten verkauft hat, der das Kind seinem 14jährigen Sohn zur Frau bestimmt, hat in Palästina große Erregung verursacht. Der 1898 aus Damaskus eingewanderte, in Acco wohnende Schmied Aaron Natah hat seine 10 Jahre alte Tochter an den arabischen Ladeninhaber Assadi um den ,Preis von 30 Pfund verkauft; Assadi hat das Kind zur Frau seines 14jährigen Sohnes bestimmt; die Hochzeit sollte in den nächsten Tagen stattfinden. Die Söhne des Juden Natah intervenierten bei der Regierung, dem Oberrabbinat und dem arabischen Mufti gegen diese Verschacherung ihrer kleinen Schwester. Das Rabbinat erklärte den 90jährigen Natah für unzurechnungsfähig und beauftragte seinen ältesten Sohn, die Schwester vom Araber zurückzufordern. — Eine des Lesens und Schreibens unkundige Jüdin namens Landau, die Frau eines früher in Palästina stationierten, jetzt in England lebenden jüdischen Soldaten, hat vor vier Jahren ihre kleine Tochter dem St. Joseph Catholic Convent zur Erziehung übergeben. Im Konvent wurde das Kind ohne Wissen der Eltern katholisch getauft. Nunmehr klagte Frau Landau vor Gericht auf Rückgabe des Kindes, da das katholische Institut sich weigerte, das Kind den Eltern zurückzugeben. Das Gericht entschied, daß das Kind der Mutter zurückgegeben werde. Ein archäologisches Museum in Palästina. Der amerikanische Milliardär Rockefeiler hat 400.000 Pfund zur Erbauung eines Museums gespendet, das die ausgegrabenen Schätze Palästinas beherbergen soll. Die Pläne für den Bau, der in Jerusalem ausgeführt wird, sind bereits fertiggestellt. Das Museum soll 1930 vollendet sein. Von der Spende Rockefellers werden 240.000 Pfund für den Bau ausgegeben, während die übrigen 160.000 Pfund als Fonds zur Erhaltung des Museums dienen sollen. Man will in nächster Zeit ausgedehnte Ausgrabungen in ganz Palästina vornehmen. 14 Expeditionen, aus amerikanischen, englischen, französischen, deutschen, italienischen, österreichischen und dänischen Forschern bestehend, sind bereits auf dem Wege. Zu den Städten, denen man besondere Aufmerksamkeit widmet, gehören die Ueberreste der Stadt Davids, das Grab Josaphats, der Hain Mamre, die Stadt Kirjath Sefer, die Ueberreste von Miznah sowie die bereits begonnenen Ausgrabungen in Schechem bei Nablus und in Beisan in Galiläa. Ferner wird man mit der Rekonstruktion der Stadtanlage des alten Jerusalem fortfahren. Cuza redivlvus. Nach langen Verhandlungen ist in Bukarest eine Einigung zwischen den beiden antisemitischen Lagern, die seit vielen Monaten einander heftig bekämpften, erzielt worden; beide bisher gespaltenen Gruppen der christlichen Liga werden sich unter dem Präsidium von A. C. Cuza vereinigen. In dem diesbezüglichen Beschlüsse heißt es: „Angesichts der Gefahr, in der sich die rumänische Nation durch die wachsende jüdische Ueberflutung befindet, erfolgt die Verschmelzung der beiden Gruppen unter der Führung A. C. Cuzas." In politischen Kreisen wird diese Einigung mit den Hoffnungen der Averescuaner, an die Regierung zu kommen, in Zusammenhang gebracht. General Averescu soll Cuza bezüglich einer politischen Förderung seiner Partei sehr weitgehende Zusagen gemacht haben. Ueber „die cuzistische Wiederaufrichtung" lesen wir im „Curierul Israelit": Die beiden Gruppen haben sich wieder vereinigt. Cuza bleibt unbestrittener Führer der antisemitischen Liga. Welches ist nun die Plattform der Versöhnung? Die Unterwerfungserklärung präzisiert: Die wachsende jüdische Stärke. Wie man sieht, eine Plattform von höchster Autorität. Die Folgen der Versöhnung? Eine Wiederaufnahme der Agitationen. Sie werden in demselben Maße fortschreiten, je näher wir uns den neuen Wahlen befinden werden. Werden diese Versammlungen einen Erfolg haben? Dies hängt vom Grad der Entschlossenheit der Regierung ab, die Ordnung aufrechtzuerhalten und die hohen Interessen des Staates zu wahren. RMliiltri tatst WIEN I., Seitenstettengaue 2 Tal. 68-1-2» XI., Zentralfriedhof, neben dem U Tor, Tel. Der Kampf gegen die jüdische Religion in Rußland. In Charkow, der Hauptstadt der Ukraine, tagte der Kongreß der Atheisten der gesamten Ukraine. Mehrere Redner führten Klage darüber, daß die Rabbiner eine erhöhte religiöse Propaganda entfalten. Die die „Chedarim" besuchenden Kinder erhalten Nahrung und Kleidung unentgeltlich, auch werden religiöse Konzerte arrangiert», um die Bevölkerung zu religiösen Uebungen heranzuziehen. Religiöse Lesehallen werden errichtet, die „MaggidinT (orthodoxe Prediger) haben starken Zulauf auch von Seite der kommunistischen Jugend. Es wurde beschlossen, Atheisten-Seminare zu gründen, die einen systematischen Kampf gegen die religiöse Bewegung führen sollen. Antireligiöse Schriften sollen herausgegeben und verbreitet, ein antireligiöses Museum mit angeschlossenem Kino soll eingerichtet werden. Das „Städter in Rußland seht unter. Abraham B r a g i n, der seinerzeit als erster mit dem Pflan der landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden hervorgetreten ist, hielt auf der Jahresversammlung des Moskauer Ozet, der mehr als 2000 Ozet-Mitglieder beigewohnt haben, eine aufsehenerregende Rede, in der er ausführte, es müsse für die Regierung eine gebieterische Pflicht sein, das jüdische Element in den kleineren Städten, welches durch das Sowjetsystem vollständig existenzlos geblieben ist, nicht nur landwirtschaftlich anzusiedeln, sondern auch in erweitertem Maße der Industrie zuzuführen. Das jüdische Städtchen, fuhr Bragin fort, ist dem endgültigen Untergang geweiht, auch die jüdischen Heimarbeiter und Handwerker sind zu 80 Prozent beschäftigungslos. Die Gesamtlage in den Städtchen ist katastrophal. Zwei Millionen Juden sind dem Untergang geweiht. Die Landwirtschaftskolonisation geht zu langsam vor sich, die Regierung müsse durch eine großzügige Heranziehung der Juden zur Industrie einen Ausweg schaffen. Die Zionistenfreundschaft Lloyd Georges. Der „Daily Telegraph" veröffentlicht Auszüge aus dem Tagebuch des unlängst verstorbenen Lord Oxford (A s Q u i t h), darunter auch folgende Eintragung vom 31. Marz 1915, also gegen zwei Jahre vor der Balfour- Deklaration: „Herbert Samuel hat eine Denkschrift überreicht, worin er verlangt, daß bei der Verteilung der zum ottomanischen Reich gehörenden Länder wir Palästina den Juden zuweisen, die dorthin aus der ganzen Welt einströmen und ein „eigenes Regime" (Home Rule) schaffen werden. Es ist zu bemerken, daß der einzige Befürworter dieses Planes Lloyd George ist, nicht weil er was für die Vergangenheit und Zukunft der Juden übrig hätte, sondern weil er glaubt, daß es eine Beleidigung für die Heiligen Orte wäre, wenn diese dem atheistischen Frankreich ausgeliefert würde n." Baldwin über die Bibel. Vor einigen Tagen hielt die englische und ausländische Bibelgesellschaft in London ihre Jahresversammlung ab, in welcher der Ministerpräsident Baldwin der Hauptredner war. Er sprach über den Einfluß der Bibel auf das englische Leben und den englischen Gedanken. Er verglich die Bibel mit einem Explosivstoff, sie wirkt geheim, auf wunderliche Weise, indem sie da und dort auf ihren Wanderungen durch die Welt neue Lebensweisen, neue Glaubensauffassungen und neue Gedanken über das Leben im allgemeinen erzeugt. Diese Wirkungen bleiben solange verborgen, bis ein Mensch oder ein Volk durch einen göttlichen Funken entzündet wird. Dann kommt die Explosion, d i e große religiöse Bewegung, die in verschiedenen Zeiten die Menschheit erfaßt hat, und wie Redner fest über-