Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 nnmninfflDRBmflBimniiifflinniiinniiinfli] ummiimnmiimmiraDiniiniuimnjiiinnnniiniiiiniiiiiiuiiUiiiiim di£ WAItittlüH WeJuikeiimvon%%^ Umschwung auf den deutschen Universitäten. Wie aus Würzburg gemeldet wird, hat sich, dem Beispiel des Rektors der Universität Köln folgend, nun nuch der Rektor der Universität Würzburg, der katholische Theologe Dr. Hehn, in seiner Rektoratsrede an seine Studenten mit dem Appell gewandt, sich jeder Ueberheblichkeit zu enthalten, die darin liege, daß eine studentische Gruppe der anderen die vaterländische Gesinnung abspricht. Er mißbilligte scharf den Ausschluß jüdischer Korporationen bei Universitätsfeierlichkeiten, wie sie z. B. auf dem letzten Würzburger Studententag erfolgt ist. Die demokratische Presse hofft, daß auch an anderen Universitäten führende Mitglieder des Lehrkörpers ähnliche Parolen ausgeben werden. Rathenau — ein „destruktives Subjekt". Das „Berliner Tageblatt" äußerte sich zu den Entgleisungen des Budapester Oberstaatsanwaltes im Prozeß Hat van y wie folgt:.....Der Oberstaatsanwalt hat Walter Rathenau ein „destruktives Subjekt" genannt. Das ist eine Unverschämtheit, die, wie auch die ganze Anklagerede dieses ungarischen Justizbeamten von einer ungeheuerlichen Unwissenheit und einem ungewöhnlichen Tiefstand zeugt . . . Wenn'es einem Oberstaatsanwalt in Budapest erlaubt ist, das Andenken eines deutschen Ministers zu beschimpfen, von dessen Bedeutung er in seiner Winzigkeit keine Ahnung hat, dann fällt die Rücksicht, die man auf ungarische Empfindlichkeiten glaubte nehmen zu müssen, selbstverständlich fort. Dann wird man überall sich gestatten, eine Kultur schande eine Kulturschande zu nennen und in den geistigen Beziehungen zu Ungarn die notwendigen Konsequenzen aus solchen Vorgängen zu ziehen." Eine offizielle Verleumdung. Der Völkerbund gab bekanntlich vor einiger Zeit einen Bericht heraus, in dem festgestellt wurde, daß in Rumänien im allgemeinen und insbesondere in Bukarest die Prostitution stark verbreitet sei. Der rumänische Botschafter in Berlin, Petrescu-Comnen, suchte nun diese Schande abzuwaschen, und er glaubte, dies nicht anders tun zu können, als indem er die Behauptung aufstellte, daß dies auf die Juden und Ungarn zurückzuführen sei. In Zusammenhang mit dieser Aeußerung veröffentlicht nun der „Curierul Israelit" statistische Daten, die dem Archiv des Gesundheitsministeriums entnommen sind und aus welchen hervorgeht, daß z. B. von 36 Freudenhäusern in Bukarest zwei von Jüdinnen erhalten werden, daß im Jahre 1924 von 502 Prostituierten lediglich 24 Jüdinnen, im Jahre 1925 von 482 Prostituierten lediglich 23 Jüdinnen waren. — Man sieht also, welche Grundlage die Behauptungen des rumänischen Botschafters hatten. Austritte aus den judischen Gemeinden Polens. Das Warschauer Rabbinat hielt eine sogenannte „große Beratung" ab, die der Frage der überhand nehmenden Austritte aus den jüdischen Gemeinden gewidmet war. Solche Austritte erfolgen überwiegend aus Gründen der S t e u e r s c h e u. Das Rabbinat kam zu dem folgenden Urteil: Kein Rabbiner darf die Trauung eines Paares vornehmen, wenn der Bräutigam nicht einer jüdischen Gemeinde angehört. Stirbt ein Mann, der aus der Gemeinde ausgetreten ist, so darf er auf einem jüdischen Friedhof nicht bestattet werden. Das Rabbinat forderte den Vorstand der jüdischen Gemeinde auf, an alle diejenigen, die aus der Gemeinde ausgetreten sind, eine Warnung ergehen zu lassen und sie aufzufordern, binnen 30 Tagen ihren Wiedereintritt in die Gemeinde zu vollziehen, ansonstea das obige Rabbinatsurteil auf sie endgültig Anwendung findet. Die rumänische Anleihe-Aktion. Die Union rumänischer Juden in den Vereinigten Staaten, die bekanntlich wegen der Bedrückung und Verfolgung der Juden in Rumänien eine sehr eindrucksvolle Protestaktion durchgeführt hat, hat eine Erklärung veröffentlicht, die sich für die Gewährung einer Anleihe von 60 Millionen Dollar an die rumänische Regierung seitens amerikanischer Bankiers ausspricht und darauf hinweist, daß der rumänische Gesandte in Washington kürzlich versichert hat, die rumänische Regierung werde strenge Maßnahmen treffen, um jüdisches Leben und jüdisches Eigentum zu schützen. Die zionistische Krise in Amerika. Wie offiziell mitgeteilt wird, hat sich die voh Louis L i p s k y geleitete Administration des amerikanischen Zionismus entschlossen, die gegen sie seitens der Opposition erhobenen Anklagen über eine die Bewegung schädigende politische und administrative Führung einem unparteiischen Untersuchungsausschuß, der aber vom Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Chaim Weizmann, zu ernennen wäre, zur Prüfung auf deren Stichhaltigkeit zu unterbreiten. Die offizielle Administration hofft, auf diese Weise vor der jüdischen Oeffentlichkeit die vollkommene Grundlosigkeit der Beschuldigungen, die die Führer der Opposition gegen sie erheben, darzutun. Wie der Vertreter der Jüdischen Teiegraphen-Agentur erfährt, ist man sich über die Zusammensetzung der Untersuchungskommission bereits einig geworden; sie wird aus drei prominenten Juden bestehen, die nicht der zionistischen Organisation Amerikas direkt angehören. Die Umwandlung der hebräischen Universität. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Professorenkollegium der hebräischen Universität einen bis in alle Einzelheiten durchgearbeiteten Entwurf betreffend die Umwandlung der hebräischen Universität zu Jerusalem in eine Lehrhochschule, die den Studierenden akademische Grade und Diplome verleiht, bereits fertiggestellt. Der Entwurf wird höchstwahrscheinlich der im Juni d. J. in London stattfindenden Sitzung des Direktorenrates der Universität zur Entscheidung vorliegen. > i;•.!•!. rJUtiaijj Nachspiel zu den Maiereignissen in Palästina. Vor dem Gericht im Tel-Aviv hatten sich in diesen Tagen neun Personen unter der Beschuldigung, während der Kundgebung am 1. Mai kommunistische Propaganda betrieben zu haben und einer illegalen Organisation (in Palästina ist die kommunistische Organisation verboten) anzugehören, zu verantworten. Vier der Angeklagten wurden freigesprochen, von FLEISCHHAUEREI SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE! XVW., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-349 and A 16-9-34 Lieferant für Hallanstalton Abteilung für Koscherfleisch DU IiPiiflssi IS ind XVIII., lihrlngirstraSB 97 narter Aufsicht das shrsf. Rabbinates der Isr. RnltHsgemeEnde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen ^uüuioimn lilUilllliUlIiUlilOIil s Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von M 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in s Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kehlen- und Koksgroßhandlung Für Tempel- und Wohlfahrtsvereine Auflnahmspreise Wien IL, Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. R 41-0-22