Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ppirnimmiimmimmimHimmmnimiimm Seite 3 nationalen eine Niederlage — leider eine nicht allzugroße — erlitten haben, wird man sicherlich nicht bedauern. Nicht wegen ihrer konservativen Gesinnung, sondern wiegen ihrer unehrlichen, demagogischen und hetzerischen Politik. Wir treiben hier keine Parteipolitik, aber eine Partei, die als Hauptpunkt, ihres Programms die Verfolgung der Juden betrachtet, müssen wir aus Gründen der Selbsterhakung und der jüdischen Ehre aurfs stärkste bekämpfen. Noch erfreulicher ist, daß die hemmungslosen Rohlinge der 'völkischen Richtungen eine starke Schlappe erlitten haben. Auch in Deutschland sieht man allmählich ein, daß wir doch sozusagen im zwanzigsten Jahrhundert leben und daß man durch Brutalität nur traurige Zustände erzeugt. Bedauerlich ist die Schwächung der Demokraten. Noch bedauerlicher ist die starke Zunahme der kommunistischen Sti mm e n. Nicht wegen ihrer Weltanschauung, die uns hier gar nichts angeht, sondern wegen ihrer R e 1 i g i o n s f e i n d l i c h k e i t Es ist ein Wahnsinn, wenn die Leute glauben, die Religion sei eine Bundesgenossin des Kapitalismus und müsse daher bekämpft werden. Von der jüdischen Religion kann man dieses sicherlich nicht sagen. Wohl gibt es j ü d i s c h e K a p i t a 1 i s t e n. aber kein kapitalistisches Judentum. Das Judentum ist durch und durch sozial und die irdische Gerechtigkeit nach dem Vorbild der Propheten ist ein Hauptziel. Wenn die Sozialdemokratie die Religion als Privatsache erklärt, so kann man sich damit abfinden. Jüdisch gedacht, ist die Religion nicht nur Privatsache, sondern . persönliches, heiliges Eigentum, in dias niemand eingreifen darf. Man kann sich wohl auf den Standpunkt stellen, daß Staat und Religion am besten fahren, wenn sie voneinander getrennt sind, und das Judentum hat Jahrtausende ohne Kirchenmacht leben und wirken können. Wer aber zu seinem Schrecken gewahrte er. daß er sie alle rein vergessen hatte. Was er sich auch anstrengte, um sich wenigstens auf einen Ton zu besinnen, es war vergebens. Aber der Meseritscher liebte es nicht, nachzugeben. Als daher der Verstorbene ihm abermals im Traume erschien und klagte und jammerte, befahl er ihm, in der nächsten Nacht wiederzukommen. Mittlerweile hatte er eine Fiedel vorbereitet, und der Tote spielte ihm eine sehr schöne Melodie vor, die sich der Meseritscher genau merkte. Als der Sabbat kam, sang er nach jener Melodie das Sabbatlied „Lechodaudi", und wiederholte das Lied noch einmal, so schön war es. Im nächtlichen Traum kam der Verstorbene abermals zu ihm, aber sein Antlitz strahlte schon. Es war ihm Erleichterung geworden. Anmerkung: „Meseritscher" wird R. Beer aus Miedzyrseeze genannt, der eigentliche Systematiker des Chassidismus (1700 bis 1772). * Was Gott lieb hat. In einer kleinen Stadt war einmal ein Waisenknabe. Da er sehr arm war und keiner sich seiner annahm, wurde er nur wenig ins Cheder geschickt, so daß er kaum lesen konnte! Man ließ ihn zuerst die Gänse hüten, dann das Vieh auf die Weide treiben. Er verbrachte den ganzen lieben Tag draußen im Walde und lernte nichts, und wenn er einmal in die Synagoge kam, stand er da wie ein Klotz, guckte um sich herum und wußte nichts von all dem. was die Leute beteten und sangen. Aber draußen im Walde, wenn er so allein unter den Tieren saß und es ihm bange und traurig ums Herz wurde, und er sah und überdachte, was der liebe Gott für eine Welt ringsum geschaffen hatte, all die Tiere und die Bäume und den Himmel und die Sterne, und wie er so allein in der Welt dastand, und keinen hatte, vor dem er sich ausreden und ausweinen konnte, fing er an zu pfeifen, denn das war das einzige, aber die Religibn im Prinzip bekämpft, der schwächr die sittliche Kraft des Volkes und macht die Menschen sicherlich nicht glücklicher. Daß viele zum Kommunismus ihre Zuflucht nehmen, beweist nur, wie viel Not und wie viel Ungietrechtigkeit und! Verzweiflung heute vorhanden sind. Die Not aber greift häufig zu törichten Mitteln und erreicht das Gegenteil von dem, was sie wollte. Alles in allem haben wir Ursache, mit dieser Wahl zufrieden zu sein und einer Epoche der Friedenspolitik entgegen zu sehen. Für eine wirkliche Friedenspolitik aber ist die reine Atmosphäre im Volke Voraussetzung. Diese vorzubereiten, ist die Aufgabe der wahren Volksführer. Südafrika als jüdisches Einwanderungsland. Auf Einladung des vereinigten Komitees für jüdische Einwanderung (Emigdirekt in Berlin) hielt Herr Dr. L. Bramson, Präsident des Verbandes „Ort" einen Vortrag über das Thema: ..Kann Südafrika ein Einwanderungslanid für Juden werden?" Herr Dr. Bramson, der mit den Führern der jüdischen Gemeinschaften in 28 Städten und mit Vertretern der Regierung Südafrikas wiederholt verhandelt hat, gab eine sehr interessante und! eindrucksvolle Schilderung der Länder der südafrikanischen Union und der Position der Juden in diesem Teile der Welt und kam zu dem Schlüsse, daß unter günstigen Umständen und bei sorgfältiger Führung und Kontrolle der Wanderung Südafrika ein Land konzentrierter und systematischer Einwanderung für produktive jüdische Elemente werden körrne. In diesem Lande mit seiner herrlichen Natur, seinem was er konnte. Er hatte es von den Vögeln gelernt. Einmal, an einem Jörn Kippur, kam er in die Synagoge, um zu beten. Alle Leute standen an ihren Plätzen, die Gelehrten. Reichen und Angesehenen ganz vorne an der Misrachwand, dann das gewöhnliche Volk und hinten bei der Tür die armen Leute. Der Knabe drückte sich in eine Ecke am Oien und stand da und sah zu, wie alle anderen die Gebetbücher vor sich aufgeschlagen hatten und sich andächtig schaukelten und laut beteten. Er hatte kein Buch vor sich, und wenn er auch eines gehabt hätte, so wäre er nicht imstande gewesen, darin zu lesen. Wie er so dastand und den Mund nicht aufmachte und nur rings um sich guckte und nicht wußte, was er anfangen sollte, wurde ihm sehr bange ums Herz und er begann zu pfeifen, wie er es gewöhnlich im Walde tat. wenn er allein war. Die Leute erschraken zuerst, es entstand eine große Verwirrung, denn man wußte nicht, was das zu bedeuten hatte. Als man aber merkte, daß es der Viehhiert war. dieser zerlumpte und verwahrloste Junge, der sich erfrecht hatte, mitten in der Synagoge, wenn alle im Gebet versunken waren, zu pfeifen, stürzte man sich auf ihn und wollte ihn hinauswerfen. Aber der Rabbi, der oben neben der heiligen Lade stand und vorbetete, wandte sich plötzlich um und rief: ..Wer ist der große Zaddik, der soeben den Pfiff vernehmen ließ? So zeigt mir ihn doch! Mit seinem einzigen Pfiff hat er im Himmel mehr Gefallen gefunden, als wir mit fünfzig Jahren unseres Betens. Seit fünfzig Jahren harrten unsere Gebete an den Pforten des Himmels vergebens auf Einlaß, aber vor seinem Pfeifen öffneten sie sich, und alle unsere Gebete konnten mit hineindringen, um vor Gottes Thron zu gelangen." Als man ihm den Knaben zeigte, war er sehr erstaunt, und die ganze Gemeinde mit ihm. Aber nun wußten alle, was Gott lieb hat. (Fortsetzung folgt)