Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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;i!iiiiiipj!iiuii!i!Hiiiiiiuiiiiiiitiiiiw oje WAHRHEIT trägen, die etwa (?) für Erziehung, Religions- oder Wohltätigkeitszwecke aus öffentlichen Mitteln in den Staats-, Gemeinde- oder anderen Budgets ausgeworfen werden, ein angemessener (?) Teil zu Nutzen und zur Verwendung gesichert." Hiezu kommt, daß nicht etwa die einzelne Min derheit eines Glaubensbekenntnisses, welche sich für beschwert erachtet, beim Völkerbund um Abhilfe einzuschreiten legitimiert ist, sondern gemäß Artikel 69 des Staatsvertrages nur ein Mitglied des Völkerbundrates, also ein ausländischer Staat, welcher sich unserer österreichischen in ihremRechie verkürzten jüdischen Minderheit a nzunehmen bereit wäre. Und für ein solches Linsengericht, wie es uns der Friedensvertrag sozusagen nur rein platonisch und akademisch, nicht praktisch und greifbar bietet, sollten wir uns unseres staatsgrundgesetzlich gewährleisteten, bei energischer und beharrlicher Betreibung auch wirklich durchsetzbaren Rechtes der Gleichberechtigung entäußern? Nie und nimmer! Es. wäre schließlich angezeigt, daß zur Mitarbeit bei Abfassung der Eingabe an die Bundesregierung eventuell auch solche dem Kultusvorstande nicht angehörige Persönlichkeiten zugezogen werden, denen hiezu notorisch die nötige sachliche und juristische Befähigung eigen ist. Hängt doch von dem Erfolge unseres Einschreitens die Entwicklung oder sogar dte Existenz unserer Gemeinde ab, deren Wirtschaft unter dem Drucke der von Jahr zu Jahr wachsenden Lasten dies Aufwandes für den Kultus, für die kulturellen und charitativen Agenden schon jetzt ernstlich bedroht erscheint. WetbdJlbciuxciiknfürX1^ Wahtheitl Seuilicfam, Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt. Von Binjamin Segel. Der Rabbi und der Geiger. Der Meseritscher Zaddik ging an einem Abend, seiner Gewohnheit folgend, einsam außerhalb der Stadt spazieren. Da drangen plötzlich Töne einer Fiedel an sein Ohr und störten ihn aus seinem Sinnen auf. Er folgte der Melodie und gewahrte, daß sie aus einem abseits stehenden Häuschen drang. Lange blieb er am Fenster stehen und konnte sich nicht losreißen, so schön und süß klang es. Erst als es schon dunkel ward, merkte er, daß er über dem schönen Spiel beinahe das Minchagebet versäumt hätte. Er sagte sich, daß dies keine reine Kraft sein könne, von der solch ein Zauber ausgehe. Aber als er ein zweites und drittes Mal denselben Weg vorbeikam, hörte er wieder ein solches Spiel, und jedesmal konnte er der Lockung nicht widerstehen und stand da und lauschte, bis es zu Ende war. Da sagte er zu sich, ich muß einmal der Sache auf den Grund kommen und erfahren, wer das sein mag, der so schön spielt. Er kam in das Häuschen und traf einen Mann, der ehemals Klesmer (fahrender Musiker) war, im ganzen Lande weit und breit berühmt. Keine Hochzeit, keine Lustbarkeit fand iq der ganzen Umgebung statt, ohne daß er tlabei auf- Der neue deutsche Reichstag. Im F r a n k f u r t e r „J ü d i s c h e n W o c h e nb 1 a 11" schreibt F. S. sehr Interessantes über die neue Zusammensetzung des Reichstages: Nun ist die Zeit der Aufregung vorüber, die Schlacht ist geschlagen, — glücklicherweise mit Papier und nicht mit Maschinengewehren und Kanonen. Heute können wir das Resultat übersehen, und man kann damit zufrieden sein, weil sich darin die T e ndenz zur Besserun ig zeigt. Die Umwandlung eines Jahrhunderte geknechteten Volkes geht nicht über Nacht vor sichi, und man muß schon mit kleinen Fortschritten zufrieden sein. Jedenfalls scheint mau heute auch in den konservativ-gerichteten Kreisen einzusehen, daß die Zeit sich nicht zurückschrauben läßt und daß man sich mit den Tatsachen abfinden muß. In Wirklichkeit glauben ja heute nur die wenigsten an die Rückkehr der Monarchie, und — sie wünschen es vielleicht gar nicht. Es sind hohle Phrasen, die man einander nachredet, und für die Dauer verlieren sie schließlich ihre Anziehungskraft. Es ist daher erfreulich, daß man auch in Deutschland anfängt, Politik mit dem Verstände, und nicht mit der blinden Leidenschaft zu machen. Die Wahl brachte eine Wendung nach links, das ist nicht zu leugnen. Noch ist die Macht der Reaktion nicht gebrochen, -dlenn sie hat die stärkste Stütze für sich, die Dummheit, aber sie ist ein wenig geschwächt. Schrittweise geht es doch vorwärts, und vielleicht ist ein langsamer Fortschritt besser als ein plötzlicher. Die linken Parteien werden wieder im Verein mit Zehtrum und Mittelparteien eine Majorität bilden, und wohl auch die Regierung in die Hand nehmen. Das wird man als günstige Situation, als dlie Freimachung des Weges zu einer Politik der Ruhe und Versöhnung begrüßen dürfen. Daß die Deutschspielte. Und da er ein solch lustiges und freies Leben führte, konnte er den Verlockungen nicht widerstehen und verfiel immer mehr der Sünde. Es gab keine in Thora verzeichnete Sünde, die er nicht begangen hätte. Aber er empfand gar keine Reue, sondern freute sich noch über seine Missetaten und griff jedesmal zur Fiedel, um sich eine wehmütige oder lustige Weise aufzuspielen. Der Meseritscher merkte gleich, daß er da guten Wein im schlechten Faß vor sich hatte, wie die Leute zu sagen pflegen. Er fing an, ihm zuzureden, daß er sich endlich besinne und Buße tue, aber es war vergebens, der alte Sünder lachte ihn nur aus, und griff jedesmal zur Fiedel, um sich eins aufzuspielen. Der Meseritscher empfand immer größeres Erbarmen mit ihm und hörte nicht auf. ihm zuzureden, endlich doch auf den rechten Weg zurückzukehren. All die schönen Melodien, die er von ihm hörte, gefielen ihm gar sehr, aber er wagte es nicht, sie beim Qebet nachzusingen, du sie aus solch unreiner Quelle stammten. Eines Tages starb der Musikant, und da es in der ganzen Stadt bekannt, was für ein arger Sünder es gewesen, so machte sich keiner etwas aus ihm, und nur der Meseritscher allein folgte seiner Bahre und sagte Kaddisch an seinem Grabe. Erst auf der anderen Welt erfuhr der Musikant, wie gut es der Meseritscher mit ihm gemeint hatte, als er ihn ermahnte, beizeiten Buße zu tun, denn er bekam nun die furchtbarsten Höllenqualen zu kosten. Einmal erschien er dem Meseritscher im Traume, weinte bitterlich und flehte ihn an, ihn von der Verdammnis zu retten. „Was kann ich für dich tun? Soll ich einen Perek Mischnajoth für dich lernen oder Kaddisch nach dir sagen?" „Dies wird mir nichts helfen! Aber wenn du eine der Melodien, die du von mir gehört, einmal beim Gebet singen würdest, so würde man sich im Himmel sicher meiner erbarmen." Am nächsten Sabbat wollte der Meseritscher eine jener Melodien, die ihm der Verstorbene auf der Fiedel vorgetragen, ins Gebet einflechten,