Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064269--16309-3089052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 mmm inmmiiiaiiffliuuiiiii [iiiniiiJuiiiiiuuiiniininiuuEUiiiuniiuuiiJHuiuimiiiHiiiiiiiuiiiM.Hir piE WAHRttEll zionistischen Gruppen, ja, er dehnte sogar über die Wahlen hinaus sein Bündnis mit anderen jüdischen Organisationen, welche dem Minoritätsblock angehörten, aus und schuf so ein künstliches Gegengewicht gegen die Zionisten aus K'lempoien. Der „Jüdische NationaJrat", unter Führung des Abgeordneten Grünbaum, sollte das gemeinsame Band dieser Gruppen in Kongreßpolen bilden. Dieser Schritt stieß auf Widerstand der „Hitachduth" in Kongreßpolen, welche einen Zusammenschluß sämtlicher zionistischer Verbände im Sejm forderte, um auf diese Weise taktisch und formell die Hegemonie des Zionismus zu erhalten. Grünbaum ließ nicht nach, konstituierte und registrierte im Sejm eine Gruppe als sogenannten „Klub des jüdischen Nationalrates" und verschärfte auf diese Weise die Beziehungen zu den Genossen aus Galizien .... Skandal in Moskau. Bei dem zu Ehren des zur Zeit in Moskau weilenden Dichters Schalom Asch von der Gesellschaft Ozet gegebenen Bankett kam es zu einem großen Skandal, als der Führer der jüdischen Kommunisten und Redakteur des „Emess", L i t w akow, von Asch sagte, er sei .ein großer Erzähler, halte aber mehr von sich, als die Massen von ihm halten; charakteristisch für ihn sei sein letzter Brief an den polnischen Ministerpräsidenten Marschall Pilsudski. Schalom Asch erhob sich bei diesen Worten, schlug heftig aui den Tisch und rief aus: „Entweder Litwakow hört zu sprechen auf, oder ich verlasse den Saal; ich pfeife auf ihn!" Es entstand ein Tumult. Man rief Schalom Asch zu: „Pfeifen Sie in Paris; hier ist nicht der Ort, wo man pfeift!" Litwakow wurde aufgefordert, weiter zu sprechen; er weigerte sich aber dies zu tun. Der Schriftsteller Rachmiel Weinstein rannte an die Spitze der Tafel und versuchte in einer halbstündigen Rede, die erregten Gemüter zu beruhigen. Litwakow wurde abermals gebeten, in seiner Rede fortzufahren; er erwiderte aber nur, er wolle nicht das Ozet- Bankett sprengen — er werde seine Ansicht über Asch in der Presse vertreten. Asch entschuldigte sich dann vor Litwakow in einer Rede voll Pathos und Ergriffenheit und sagte, Rußland sei ihm teuer und er setze große Hoffnungen auf die jüdische Kolonisation, aber er sei weit entfernt davon, sich zur Klassentheorie zu bekennen; er bekenne sich zu einer einheitlichen jüdischen Nation. Man schied in gedrückter Stimmung vom Bankett. Durch das katastrophale Erdbeben in Südbulgarien ist bekanntlich auch die ansehnliche jüdische Gemeinde in P h i 1 i p p o p e 1 schwer betroffen worden. Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Sofia hat sich an die Stätte der Katastrophe begeben und erschütternde Eindrücke von der allgemeinen Not und besonders von der der jüdischen Bevölkerung Philippopels empfangen. Die jüdische Gemeinde von Philippopel zählt rund 6500 S e e 1 e n. Philippopel ist die Häuptstadt des mittleren Bulgariens und ein bedeutendes Handelszentrum. Die jüdische Gemeinde, die sehr gut organisiert ist, besitzt dreiSynagogen, von denen die Synagoge „Jeschurjin" mehr als 400 Jahre alt ist, ferner einen Kindergarten, zwei Elementarschulen und ein Gymnasium. Philippopel ist Sitz des Zentralkomitees der zionistischen Organisation Bulgariens, und hier erscheint auch das zionistische Organ. Nun ist es mit dem Wohlstand der jüdischen Gemeinde dahin. Die große Mehrzahl der von jüdischen Familien bewohnten Häuser ist vollkommen zerstört, die Einwohner kampieren in den Gärten oder auf den öffentlichen Plätzen unter Zelten oder in baufälligen Baracken, Die jüdische Gemeinde hat glücklicherweise keine Toten zu beklagen, dagegen sind mehrere ihrer Mitglieder schwer verletzt worden. Die jüdischen Schulen sind vollkommen unbenutzbar geworden, auch die Synagogen müssen wegen Baufälligkeit geschlossen gehalten werden. Das Haus der jüdischen Gemeinde und das des religiösen Tribunals (Beth-Din) liegen in Trümmern. Früher sehr wohlhabende Familien sind jetzt auf die öffentliche Unterstützung angewiesen. Die Gemeinde selbst verfügt nicht über die notwendigen Mittel, um auch nur der dringendsten Not abzuhelfen. Die Mitglieder der Gemeindeverwaltung haben dem Ita-Korrespondenten gegenüber ihrer großen Sorge bezüglich der Zukunft der Gemeinde Ausdruck gegeben. An 1800 Juden werden täglich Brotrationen verteilt. Die Regierung baut Wohnbaracken. Darüber hinaus ist es aber dringend notwendig, daß die jüdischen Organisationen des Auslandes der unglücklichen, einst so blühenden Gemeinde Phüippopels durch Unterstützungen über die erste und äußerste Not hinaushelfen. Juden im neuen deutschen Reichstag. Der Chefredakteur der Berliner „Vossischen Zeitun g", Georg Bernhard und Rechtsanw a 11 Dr. Ludwig H a a s, T h ü ,r i n g e n, die auf der Liste der Deutschen Demokratischen Partei kandidiert haben, wurden neu, bzw. wieder in den Reichstag gewählt. Ferner kommen eine Anzahl jüdischer Abgeordneter, die auf der Liste der Sozialdemokratischen Partei kandidiert haben, in den Reichstag. Schalom Schwarzbards Schicksal. Der Arbeiterdeputierte und frühere Minister Colonel Wedgwood brachte im britischen Unterhause eine schriftliche Anfrage an den Kolonialminister ein, warum Schalom Schwarzbard das Einreisevisum für Palästina verweigert worden ist..In der mündlichen Begründung seiner Anfrage beschwerte sich Wedgwood darrüber, daß in dem Wortlaut eine den Sinn entstellende Aenderung vorgenommen worden ist. Er habe Schwarzbard als den „T ö t e r P e 11 j u r a s" bezeichnet, worin kein moralisches Vorurteil liegt. Diese Bezeichnung wurde aber in einer Weise abgeändert, daß auf eine moralische Verurteilung der Handlung Schwarzbards geschlossen werden könne. Dies sei ungerecht'gegen Schwarzbard, nachdem ja das Gericht ihn freigesprochen hat. — Kolonialminister Amery erwiderte, die Angelegenheit unterliege ganz dem Gutdünken des Oberkommissärs für P a J ä s t iji a. Er, der Minister, könne nicht sagen, weshalb Schwarzbard das Visum nicht gegeben wurde, er wolle aber gerne eine bezügliche schriftliche Anfrage nach Jerusalem richten. Konfessionelle Einmütigkeit. Ueber die jüdische Gemeinde in G1 e i w i t z lesen wir im „Oberschlesischen Wanderer": Das Verhältnis von Christen und Juden war in Gleiwitz immer ein gutes. Die Chroniken wissen nichts von Judenhetzen zu vermelden, mit denen die Vergangenheit mancher anderer Städte befleckt FLEISCHHAUERER SIEGMUNP KORNMEHL WIEK IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalton Abteilung für Koscherfleisch UU IiriiBssi 15 and XVIII., iährinflirstraß! 97 ■■ier Aufsicht des ehrst. Rabbinates der Isr. Kultusgsmeind* Wien. Sämtliche FJeischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kohlen- und KoksgroBhandlung Für Tempel- und Wohlfahrtsvereine Auinahmipreil« Nordbabnrutschen 3. Kohlennof Nr. 372-376 Wien IL, Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. R 41-8-22