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Die Wahrheit · 1928-06-01 · Heft 22 (1.6.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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muitiioatonüuiimimnimmuiiiainmnnirtimninnnj die Söhne zu bilden und die Töchter zu versorgen, das alles würde in lebendigem Flusse bleiben und weiter wirken. Eine feste Familientradition würde entstehen und viel dazu betragen, unsere Haltung zu stärken, unsere Moral zu festigen in der Hoffnung, daß unsere Kinder einst das Recht hätten, bei Fortsetzung dieses Gebrauches auch von uns Gutes und Schönes zu erzählen. Welcher Strom von edlen Gefühlen, von Sinn und Kultur und gerechtem Streben könnte auf diese Weise von Generaton zu Generation verbreitet werden! Welche Kraft aus früheren Generationen durch uns hindurch in die Kindesüberströmen! Und wer weiß, ob nicht manche Handlung unterbliebe, deren wir uns nicht rühmen dürfen und vielleicht auch würde manches Gute geschehen, dessen wir am Todestage •unsener Eltern gedenken wollen. Und was immer aus dieser Anregung werden mag, es ist sicher, daß die Leser dieser Zeilen beim Anzünden des Seelenlichtes ernster, gefaßter und gesammelter denken und empfinden werden als bisher. Qlerreix. Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht „Aeußerungen führender Hochschullehrer" über die Frage: „Wie stellt sich unsere Jugend zu den Problemen der Zeit?" Aus den Antworten des Herrn Hofrates Molisch und des Herrn Professor Oerly erfahren wir, wenn nichts anderes, so doch ganz nebenbei das eine, wie sich diese Herren als Rektoren zu jenem Problem der Zeit nicht stellen, das in den antisemitischen Kundgebungen an den Hochschulen, und zwar nicht nur in Oesterreich und Deutschland, Ausdruck fand. Herr Hofrat Molisch meint, heute muß sich der junge Mensch vor allem fragen: „Wie soll ich es anfangen, um im Leben vorwärts zu kommen?" Und so bilde sich auch bei uns auch auf akademischem Boden der amerikanische Typus heraus: junge Leute mit vorwiegend praktischer Stellung. Das ist ein Standpunkt, der zwar nicht, von höchstem Idealismus, von der reinen selbstlosen Liebe zur Wissenschaft um der Wissenschaft selbst willen zeugt, aber sich jedenfalls vertreten läßt. In der Tat gibt es kein richtigeres Problem als das: „Wie werde ich mir mein Brot verdienen?" Aber gibt es eine „praktische Einstellung", die die Frage ignorieren darf, mit welchen Mitteln das Ziel, wie man sein Brot verdient, erreicht werden darf? Die antisemitischen Studenten aller Länder haben mit einer jeden Zweifel ausschließenden Aufrichtigkeit bekundet, daß sie, „um im Leben vorwärts zu kommen", das Niederschlagen der Konkurrenz — das sind die jüdischen Studenten — für höchst geeignet halten. Dazu soll ihnen die Staatsgewalt verhelfen, indem sie den Juden auf „gesetzlichem Wege" den Besuch der Universitäten verrammelt, aber inzwischen besorgen die jungen Herren gelegentlich von Zeit zu Zeit höchst eigenhändig diese „Niederschlagung der Konkurrenz" mit Knütteln. Schade, daß Herr Hofrat Molisch nicht wenigstens ein tadelndes Wort für die auch hierzulande von einem Teile der studierenden Jugend beliebte Art des Kampfes ums Dasein gefunden hat! Die Sorge des Broterwerbes darf doch nicht soweit gehen, daß man dem Anderen den Bissen Brot vom Munde reißt .... * * * Mit der .gleichen unerfreulichen Gemütlichkeit ignoriert der derzeit amtierende Rektor der technischen Hochschule dieses Detail in dem Lebenskampfe der heutigen Jugend. Auch er stellt fest, daß man es natürlich findet, wenn es für die überwiegende Mehrheit heute nur ein Problem gibt: wie bringe ich es in meinem Berufe vorwärts, und wie eigne ich mir, was ich fürs Leben brauche, am besten und schnellsten an? Wenn man sich erinnert, wie z. B. rumänische Studenten die Frage, wie man am besten und schnellsten sich aneignet, was man im Leben braucht, erledigten, dürfte man den Hinweis auf die Reinlichkeit der Mittel in diesem Kampfe doch nicht für ganz überflüssig halten. Herr Rektor Oerley zieht übrigens auch die politischen Probleme der Zeit in ihrem Einflüsse auf die Studentenschaft in den Kreis seiner Betrachtungen. Es wäre nicht überraschend, wenn ein Gelehrter der Jugend nahelegte, die Studienzeit ausschließlich dem Studium zu widmen; man kann ruhig sagen, Gottlob, es gehört noch immer zu den Kennzeichen des reiferen Alters, mit Besonnenheit und kühlem Herzen das Richtige zu tun, und man würde es sicherlich nicht für unrichtig finden, wenn der im Studium grau gewordene Rektor den Studenten die Beschäftigung mit der Politik für die Zeit nach den Uniyersitätsjahren empfiehlt. Aber der Herr Rektor der Technischen Hochschule versichert fröhlich, „es gehört noch immer nicht zum Kennzeichen der Jugend, mit Besonnenheit und kühlem Herzen immer das Richtige zu tun und niemals über die Stränge zu schlagen." Darin hat er ganz recht. Aber wozu es dienen soll, die jungen Herren noch überflüssigerweise zur fleißigen Bekundung dieses Kennzeichens zu animieren, ist unerfindlich. Wahrhaftig, auf diese Ermutigung hat die heutige Jugend nicht gewartet. Der jetzt von so autoritativer Seite verkündete Wunsch, man möge unserer Jugend die Freude am „gelegentlichen Krachschlagen" lassen, dürfte nach allzu vielen Erfahrungen in den letzten Jahren manchem lange nicht so nötig erscheinen, als die gegenteilige Mahnung, dieses „gelegentliche Krachschlagen" möglichst einzuschränken. Es wäre doch zu trostlos, wirklich glauben zu müssen, daß dieses „Krachschlagen" ohnehin so ziemlich das einzige ist, was ihr — der Jugend — „den Ernst des Lebens noch nicht vergällt hat." Dürfte man nicht vielleicht mit mehr Recht behaupten, daß dieses „Krachschlagen" mehr dazu beigetragen, vielen die ohnehin sehr verkümmerte Freude am Leben noch mehr zu vergällen? * * * Die „Reichspost" ist entrüstet über ein vor kurzem in Wien erschienenes Buch, das sich kritisch mit der Person des Kaiser Franz Josef beschäftigt, aber auch das Andenken der unglücklichen Kaiserin Elisabeth verunglimpft. Man kann ohne weitere Prüfung vollständig der „Reichspost" in der Kennzeichnung dieses Pamphlets beistimmen. Aber das hindert wohl nicht die Frage an das Blatt zu richten, ob es, wenn es sich für die Würde einer geschmähten Frau einsetzt, würdig handelt, indem es demonstrativ betont, der Verfasser soll nicht, wie er angibt, ein Amerikaner, sondern „ein ungarischer Jude" sein. Was hat die Konfession eines Pamphletisten mit dem Inhalt seines Schmutzwerkes zu tun? Was würde die „Reichspost" dazu sagen, wenn in einer politischen Zeitung zur Kennzeichnung des Verfassers des erwähnten Buches mit fetten Lettern

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