Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 illiiiiiümiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiimiiiM unnuiiDiniiJiniiiKiniiuiniiiiiniiiiiii pjg WAHRHEIT Die Frau als Mutter. Pädagogische Betrachtungen. Von Direktor Ludwig Marguli es, Wien. (Schluß.) Ja, wer kennt nicht das Dichterwort über den Wert der Muttersprache: „Muttersprache, Mutterlaut, Wie so wonnesam, so traut! Erstes Wort, das mir erschallet, Süßes erstes Liebeswort, Erster Ton, den ich gelallet. Klinget ewig in mir fort." Die Mutter ist auch die Erfinderin der lieblichen Unterhaltung für das Kind. Sie schafft Stoff für den Gesichts-, Hör-, Tast- und Frohsinn des in der Weltanschauung verlorenen Kindes. Belehrung und Erziehung, die immer verschwistert sein sollen, reichen sich bei der Mutter am treuesten die Hand. Sie vor allem ist es, die durch stetes Beispiel Geschmack und Gefühl für das Schickliche und Sittliche fördert, die den Keim der selbstlosen Aufopferung und werktätigen Nächstenliebe in das jugendliche Herz senkt, welche dem Erwachsenen einst Stab und Stütze wird und Glück und Segen verbreitet, nach innen und außen. Könnte noch jemand fragen, warum gerade der Einfluß der Mutter von so eingreifender und weittragender Bedeutung sein soll, so antwortet ihm der schon erwähnte Stoy mit ebenso gemütsvollenals warmen Worten: „Die frühesten Gaben an das menschliche Gemüt werden am längsten und sichersten bewahrt, und alles, was, bekränzt von den Blumen der Liebe, auf dem Altar des Herzens niedergelegt wurde, besitzt eine wunderbare Zauberkraft, die bösen Mächte fern zu halten, oder hat ein edler Sohn der edlen Mutter vergessen? Wie oft mag schon an dem Hügel, unter dem ein treues Mutterherz schlummert, die Träne der Reue geflossen und der Schwur der Besserung erneuert worden sein. Und so, wie die Mutter unter Tränen und Angst den mit den Wogen des Lebens kämpfenden Jüngling vom Ufer aus mit dem sehnenden Auge ohne Unterlaß sucht, so verliert des Kindes Auge der Mutter Antlitz auf all seinen Wanderungen durchs Leben nimmer aus dem Gesichte. Ja, am Abend des Lebens, wenn das Auge zu den blauen Bergen der Kindheit sich zurückwendet, da steigt hernieder von den Höhen die verklärte Gestalt der Mutter ihm entgegen, und es erlabt sich an den lieben, treuen Zügen. Ist der Vater pflichtvergessen bei der Erziehung der Kinder, so ist das doppelt und dreifach unverantwortlicher und schlimmer, wenn die Mutter die schönste und dankbarste Seite ihrer eigentlichen Bestimmung vernachlässigt. Leider noch viel zu wenig Mütter erfüllen ihre hohe Mission bis zur Grenze der Möglichkeit. Gleich in den ersten Lebensjahren wird die Wartung, Ernährung und die ganze körperliche Pflege der Kinder fremden Personen überlassen. Die Liebe solcher Mütter ist offenbar nicht stark genug, daß sie die Last versüßen, die Bequemlichkeit besiegen und die Vorurteile hinwegräumen könnte. Und wie oft rächt sich das, sowohl an den Eltern als an den Kindern. Solche Eltern wollen Liebe ernten, die sie nicht gesät haben und ihre Kinder wieder, sie verschließen ihr Herz ganz natürlich denen, welche ihnen wegen der körperlichen Pflege, wegen der Spiele und Erzählungen als die besten Wohltäter erscheinen. Ihr wollt recht stark geliebt sein von euren Kindern, Mütter, und recht lange und bis in den Tod: nun, so seid Mütter eurer Kinder. (Jean Paul.) Was aber die Mütter am weitesten von ihrem angeborenen Berufe entfernt, das ist die Selbstsucht, Vergnügungssucht. Um des lieben Ichs willen, mag man sich keinen Zwang auferlegen in der Unterhaltung, in der Kleidung, in der täglichen Lebensweise und in den eigenen Empfindungen und Gefühlen. 1AC. MAVER Und doch, wie leicht erkennen die kleinen Späher, ob das seligste Glück in ihrem Kreise liegt, ob airdas mütterliche Sorgen und Schaffen einem endlosen Kreislaufe gleicht, in welchem sie selbst der Mittelpunkt sind! Und wenn die Kinder herausgefühlt haben, daß hinter all den schönen Redensarten und zärtlichen Liebkosungen doch nicht die uneigennützige, opferfreudige Mutterliebe thront, dann ist es aus mit der Herrlichkeit, mit der mütterlichen Erziehung nämlich. „Glücklich das Kind, über dessen Wiege eine wahrhaft liebende Mutter lächelt, über dessen Kindheit wahre Mutterliebe wacht". (Briefe über Erziehung), denn Paul Heyse sagt: So weich und warm, Hegt dich kein Arm, Wie sich's in Mutterarmen ruht. Kein besseres Heil Wird dir zu Teil, Als wenn du stehst in Mutterhnt. Und kehrt ergreist Dem müden Geist Noch manch' ein Jugendbild zurück, Es grüßt dich kein's So milden Schein's Wie deiner Mutter Liebesglück. O, führt dich nicht Dies liebe Licht Ins dunkle Leben treulich ein, Ob auch die Welt Sich dir gesellt, Bist dennoch mutterseel — allein. Lasset uns mit einem unbekannten Dichter der eigenen Mutter gedenken, welche lebend oder tot, segnend auf uns herabschaut. Wenn du noch eine Mutter hast, so danke. Gott und sei zufrieden. Nicht allen auf dem Erdenrund ist dieses hohe Glück beschieden. Wenn du noch eine Mutter hast, so sollst du sie mit Liebe pflegen, Daß sie dereinst ihr müdes Haupt in Frieden kann zur Ruhe legen. Und hast du keine Mutter mehr, und kannst du sie nicht mehr beglücken, So kannst du doch ihr frühes Grab mit frischen Blumenkränzen schmücken. Ein Muttergrab! ein heilig Grab! für dich die ewig heil'ge Stelle! O, wende dich an diesen Ort, wenn dich umtost des Lebens Welle! Mütter, der Muttertag am 13. Mai trug zu eurer Verherrlichung bei, vergesset aber nicht, was W. Herchenbach von euch sagt: „Der Beruf der Mutter ist ein so hoher und heiliger, daß man kaum einen Ausdruck finden kann, um ihn gebührend zu ehren. Wenn sie denselben vollständig r erfüllt, so trägt sie zur Entwicklung und Veredlung des Menschengeschlechtes mehr bei, als selbst der Mann, Vom Schöße der Mutter geht Segen und Fluch aus. Wehe derjenigen, die ihre hohe Mission verkennt und aus Gleichgültigkeit oder Unlust schuld daran ist, daß nicht allein die Seelen ihrer Kinder zugrunde gehen, sondern daß diese auch verderblich auf andere einwirken und in Sitten und Zuständen allgemach eine Fäulnis vorbereiten! Erde und Himmel werden Rechenschaft von ihr fordern. UkibdMcnnmtmfiirfik Wakckeit! Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSO 24Tel. R48-4-79 Für Kultusbeamte und Verelnsfunktlon&re gegen Legitimation 10»/. Nachtat