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Die Wahrheit · 1928-06-01 · Heft 22 (1.6.1928) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 fiiiHiinfliinrniifliKninitHBiintüiiDUiiiflni! immimuaminiunounBnuautoniHii o DIE WAHRHE11 i n C z e r n o w i t z für talmudbeflissene junge Leute aus orthodoxen Kreisen, die mehr Beachtung im Auslande zu finden verdient. Es sei noch bemerkt, daß die jüdische Kultusgemeinde in Czernowitz — vielleicht die größte in Rumänien — eine Reihe von Wohlfahrts- und anderen Anstalten besitzt (Altersversorgungsheim, Waisenhaus, Spital, Nationalhaus, Volksschule usw.), die Ersprießliches leisten und die fast gänzlich das Werk des seit mehr als 30 Jahren an ihrer Spitze stehenden Präsidenten und Abgeordneten Dr. Straucher sind. Einen besonderen Stolz des Judentums bildet das jüdische Nationalhaus in Czernowitz, vielleicht das schönste Gebäude der Stadt. Ueberhaupt hat Czernowitz seinen raschen Aufschwung und seine Schönheit, womit es auf jeden vom Westen kommenden Fremden einen guten Eindruck macht, den Juden zu verdanken, die wie im Frieden, so auch heute noch sozial, kulturell und wirtschaftlich führend waren und es noch sind. „ Preisfragen für Denkende". Vor einiger Zeit erließ der Leipziger „Hammer" des Herrn Theodor F r i t s c h zwei „Preisfragen für Denkende", die folgendermaßen formuliert waren: 1. Welche seelischen Vorgänge oder welche anderen Umstände verhindern unsere führenden Männer, zu einer Angelegenheit Stellung zu nehmen, die Volk und Staat in ihrem tiefsten rechtlichen und sittlichen Bestände bedroht? — 2. Welche Haltung hat der heutige Staat gegenüber den Fremdlingen einzunehmen, sobald er seine Bedrohung durch sie klar erkannt hat? — Die drei besten Antworten auf diese Fragen sollten mit je einhundert Qoldmark honoriert werden. Ueber das Ergebnis des Preisausschreibens ist nun der „H a m m e r" sehr enttäuscht, da dasselbe, wie in einer der vergangenen Nummern zugestanden wird, die an dasselbe geknüpften Erwartungen — welcher Art mochten wohl dieselben gewesen sein? — nicht befriedigt hat. Offenbar waren dieselben für „denkende" Leser viel zu schwer, um befriedigende Antwort zu finden. Dennoch aber hat sich die Redaktion des „Hammer" entschlossen, den für die Beantwortung der Preisfrage ausgeworfenen Betrag von 200 Mark unter diejenigen Bewerber zu verteilen, deren Beantwortung ihren Anschauungen am besten entspricht. Unter den fünf mit Preisen von je 60 Mark bedachten Bewerbern befinden sich auch, wie wir mit Stolz # hervorbeben wollen, auch zwei Wiener, nämlich der inzwischen verstorbene Arthur Trebitsch und Dr. Ludwig Wey ring er, ein Beweis, daß es auch bei uns „denkende" Antisemiten gibt. Die übrigen Preisträger waren Hans I m m o w, Berlin N., Hermann L a a s c h, Lineburg, und Willibald Schulze, Essen. Hans I m m o w führt für das Schweigen in der so wichtigen Angelegenheit der Judenfrage verschiedene Gründe an. Die einen wußten seiner Ansicht nach wohl um die Judenfrage Bescheid, sie schweigen aber, da ihnen die Kampfnatur, der Bekennermut fehlt, andere wieder schweigen aus Unkenntnis, insbesondere, weil ihnen die wichtigen Tatsachen der Rassenbiologie nicht bekannt sind. Schließlich macht Hans Immow auch den „verjudeten christlichen Religionsunterricht in Familie, Schule und Kirche" verantwortlich, „da dieser der durch Bevorzugung des alttestamentlichen Lohn- und Furchtgedankens, des Gedankens, daß die ehrliche Arbeit ein Fluch sei usw., den heldischen Jesus-Gedanken völlig zerbrach, den sittlichen Maßstab verwischte und dann zum sittlichen Verfall des Volkes wesentlich beigetragen hat." Während Hermann Laasch als Ergebnis seines tiefen Nachdenkens einen Polypen mit Millionen Fangarmen produziert, der die versklavten Nationen umklammert und alle materielle Macht in Händen hält, sucht unser Landsmann Dr. Wey ringe r die Frage nach dem Schweigen in der Judenfrage auf psychologischem Wege zu beantworten. Allerdings meint er, daß die seelischen Vorgänge im deutschen Volke ohne Anthropologie und Rassenlehre nicht verstanden werden können. Nach Weyringer wäre das deutsche Volk vor dem Kriege eine Gemeinschaft von „Reingearteten" (nordischen Menschen) und „Andersgearteten" („ostischeri", „westischen", „jüdischverseuchten" Menschen) gewesen, wobei jedoch die Reingearteten die Andersgearteten beherrscht hatten. Nun aber hatten sich die Beherrschten selbst zu Herrschern aufgeschwungen. Noch tiefer grub der „Judenstämmling" Arthur Trebitsch, der aus seiner philosophisch-psychologischen Einstellung heraus zu der Erkenntnis kam, daß eben „Unterschiede der Rasse Unterschiede der geistigen Struktur sein können und im Hinblick auf die arische und jüdische Rasse tatsächlich sind." > ^£«-4. Der erste Preis hätte jedoch unseres Erachtens unbedingt Herrn Willibald Schulze zugesprochen werden müssen, der alle bevölkerungspolitischen Maßnahmen vom züchterischen Gedanken getragen wissen will und das deutsche Volk hierbei wie eine Schaf- oder Rinderherde behandelt. Der Staat als Zuchtanstalt oder, um nicht das an Zuchthaus oder Zuchtrute gemahnende ominöse Wort zu gebrauchen, der Staat als Züchtungsverein, dies scheint demnach das hohe ethische Ideal Willibald Schulzes zu sein, für welches ihm vom Standpunkt des „Hammers" der erste Preis gebührt hätte. Von diesem Standpunkte aus macht er nun u. a. folgende Vorschläge: 1. Ausweisung aller seit 1914 eingewanderten Juden, 2. Begünstigung der jüdischen Auswanderung, 3. Numerus clausus allgemein für alle höheren Berufe; als Jude gilt in den Fällen 1—3, wer nachweisbar jüdisches Blut in den Adern hat. 4. Strenge Gesetze, die eine unbedingt sichere Reinhaltung unseres öffentlichen Lebens verbürgen. Wie aber Herr Schulze den in den Fällen 1—3 erforderlichen Nachweis erbringen will, darüber läßt er uns leider im Unklaren. Wir sehen also, daß der „Hammer" mit Recht über das Ergebnis seiner Preisfrage enttäuscht ist. Ja die 300 Mark, welche er für diesen Zweck geopfert hat, scheinen uns noch nutzloser verpulvert zu sein als die immerhin nicht geringen Beträge, welche sein Herausgeber in der letzten Zeit in der Form von Geldstrafen hat opfern müssen, da diese wenigstens gemeinnützigen und nicht, wie in diesem Falle, gemeingefährlichen Zwecken zugute gekommen sind. Ueber die polnischen Juden. Aus dem Nachlaß von Balzac Vor kurzem brachte die „Revue des Deux Mondes" (Lieferung von 1. Oktober 1927) aus dem Nachlaß von Balzac eine bisher noch nicht veröffentlichte Schilderung einer Reise, die der berühmte französische Schriftsteller im Herbst 1847 aus Paris nach der Ukraine machte. Er hatte es auf der Reise sehr eilig und legte die Strecke mit Eisenbahn und Postwagen. — dort, wo damals noch keine Eisenbahn vorhanden war — in acht Tagen ununterbrochener Fahrt zurück, was für die damalige Zeit sehr schnell war. Einige Seiten der Reiseschilderung sind den polnischen Juden gewidmet, die er an der österreichisch-russischen Grenze sah. Balzac hatte das Pech, nach Brody, an der damaligen österreichisch-russischen Grenze, gerade am ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes zu kommen, als natürlich die jüdischen Fuhrleute und Geschäftsleute nicht arbeiteten. Er stieß also auf Schwierigkeiten, die für ihn sehr ärgerlich waren, verlor einige Stunden, und. da stellt er ärgerlich fest, daß die Strecke zwischen Brody und Berditschew viel schwerer zu passieren war, als die ganze Entfernung von Paris nach Brody. Ob es diese Verzögerung war oder sonst was, jedenfalls nimmt Balzac in seine Reiseschlderung eine Charakteristik der polnischen Juden auf, die bei einem Schriftsteller von so genialer Beobachtungsgabe wie Balzac in vielem geradezu unbegreiflich ist Er beginnt damit, daß in Brody alles in den Händen der Juden sei. „Ich habe nirgends, in keinem Buch, genaue Auskunft erhalten über diese Eroberung von Polen durch die Juden. Die Juden in Deutschland oder in Frankreich sind Menschen wie ich und sie, ihre Religion, ihre Sitten sind soweit mit dem sozialem Milieu verschmolzen, dem sie sich anschließen, daß alles, was den Juden macht, verschwunden ist. abgesehen von seiner geschäftlichen Geschicklichkeit und seiner Habsucht Aber auch seine Habsucht zieht gelbe Handschuhe an, seine Geschicklichkeit wird französisch; er ist Dichter wie Heine, Musiker wie Meyerbeer und Halevy,

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