Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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T IT f nUBTF 'TTTHT ggggsafit.ggBK!« Seite 2 DIE WAHRHCn ehemals wohlhabende Kaufleute verproletarisiert werden. Dabei ist die Lai>:e der jüdischen sogenannten werktätigen Klassen keineswegs besser. Da die Sowjets eine etwaige Konkurrenz privater Kleinindustrien und Handwerksbetriebe mit der unzulänglichen staatlichen Industrie fürchten, so haben sie sowohl die jüdische Kleinindustrie, in der zahlenmäßig bedeutende jüdische Arbeitermassen ihr Brot fanden, wie auch das gesamte jüdische Handwerk unterdrückt. Es ist besonders bemerkenswert, daß hierin die jüdische Abteilung der kommunistischen Partei (J e v s e k c i j a)) einen ganz besonderen Eifer zeigt. Bei einer Einigkeit des Judentums in der bolschewistischen Führerschaft würde diese Erscheinung keinesfalls zu verzeichnen sein, ebensowenig wie die soziale Vernichtung der werktätigen jüdischen Bevölkerungsschichten überhaupt. Was die Frage der jüdischen Kolonisation auf dem Lande anbetrifft, so ist deren Mißerfolg offenkundig. Erstens sind die Kosten unerschwinglich und zweitens vermag die Sowjetregierung angesichts der Uebervölkerung vieler landwirtschaftlicher Gebiete im europäischen Rußland nur Boden für höchstenfalls fünfzehn- bis zwanzigtausend jüdische Siedler zur Verfügung zu stellen. Nach der Ansicht erfahrener Kenner der Sowjetpsyche unter den jüdischen Emigranten handelt es sich bei dem mit großem Tamtam betriebenen Projekt jüdischer Siedlungen um einen Propagandatrick zur Täuschung einflußreicher jüdischer Kreise in Europa über die tatsächliche Lage des Judentums in Sowjetrußland. Der bolschewistische Plan, Juden aus den übervölkerten Provinzen in dem klimatisch völlig ungeeigneten Gebiet am Amurfluß anzusiedeln, wird geradezu als ein offener Hohn bezeichnet. Ebenso ist der aus den Reihen der jüdischen Jugend heraus unternommene Versuch, in den nationalisierten Fabriken Brot zu finden, völlig mißglückt. Nachdem das industrielle bürgerliche Erbe völlig aufgezehrt worden ist, haben die Juden in Sowjetrußland auch als Arbeiter keinerlei Existenzmöglichkeiten mehr. Was endlich die jüdische Beamtenschaft anbelangt, so wirddie Masse derselben, im Gegensatz zu einigen Ausnahmen, die hohe Posten bekleiden, völlig unzulänglich bezahlt. Ihre Lage hat sich jedenfalls gegenüber derjenigen vor der bolschewistischen Revolution,, wo der Jude trotz mancherlei Verfolgung sein gutes Auskommen besaß und in zahlreichen Berufen Vermögen erwerben konnte, ganz ungeheurer verschlechtert. Von dem gegenwärtigen Abbau von 20 Prozent der Beamtenschaft werden zahlreiche Juden betroffen, die dem gleichen Elend verfallen wie die übrigen russischen Bevölkerungsteile, Politisch unterliegt das Judentum natürlich der allgemeinen Rechtlosigkeit wie alle übrigen Russen. Lediglich die Mitglieder der Gewerkschaften und der Handwerkergesellschaften besitzen das Wahlrecht. Auch kulturell gleicht die Unterdrückung des Judentums der allgemeinen Terrorisierung des Volkes. So wurden und werden Synagogen allerorts in kommunistische Arbeiterklubs umgewandelt und alle religiösen Schulen sind geschlossen. Unterricht in der hebräischen Sprache ist streng verboten. Alle des Zionismus verdächtigen Personen verfallen der Deportation nach Sibirien. Im Hinblick auf die im vorstehenden auf Grund einwandfreien Materials umrissenen trostlosen Verhältnisse für die überwiegende Mehrzahl der Juden in Sowjetrußland ergibt sich ohne weiteres die Absurdität der Behauptung, daß der Bolschewismus eine „jüdische Erfindung zum Besten des Judentums" sei. Vielmehr beweist das zahlreiche jüdische Märtyrertum im Innern des bolschewistischen •? Beim Rebben. Von Josef Kaplan (Fulda) Geht, Reb Jid, seid so gut, von meinen Füßen herunter — ich habe doch, nicht für euch gedacht. Hühneraugen — auf allen meinen Feinden gesagt — und da stellt Ihr Euch akkurat auf meine Füße, als seien sie, die Füße. Plattformen? Und Ihr, junger Mann, nehmt Euren Ellenbogen aus meiner Magengegend — mein Bauch ist doch kein Geländer zum Anlehnen! Oder wollt Ihr es hier beim Rebben so bequem haben wie zu Hause? Dann bleibt man zu Hause hinterm Ofen und läßt sich von der Schwiegermutter segnen — versteht? Chuzpe so was! Es ist unerhört! Warum speit Ihr mir, Reb Jid, gerade auf meine neue Chipizze? Bin ich ein Spucknapf oder ein Blumentopf, wo man so was hineinmachen kann? Spuckt Euch, seid so gut, in Eure eigene Tasche... Wer drückt? Warum drückt man so? Es ist doch bald nicht mehr zum aushalten — die Hitze mein' ich! Ei, warm, warm! Es ist gerade — Reb Jid, das muß ich euch erzählen, — es ist gerade wie damals, als ich bei der Assentierung war — vor, na, vierzig, zweiund vi erzig Jahren, vielleicht auch dreiundvierzig. Mein Gedächtnis ist letztens nicht so ganz gut. Ihr versteht, man kommt in die Jahre — und die Sorgen tuen das Ihrige. UflÜ überhaupt die heurigen Zeiten — der ganze Tararam — die Automobilen — die Steuern — und überhaupt jüdische Zores! Ein Glück, daß man noch den Verstand behält. Manche werden auch vor der Zeit meschugge — der Doktor sagt: nervös; aber wenn man schon sagt „nervös", ist das Meschuggas nicht mehr weit. Mein Nachbar zum Beispiel, ein Vater von neun Kindern, nebbich, geht hin und kauft sich, wie sagen sie, Radio — eine moderne Kränk. Neulicht sagt er zu mir: „Liepe, komm abends zu mir. du wirst, ich soll so leben, Warschau hören — du wirst, so wahr ich lebe, dich m'chaje sein--—" „Geh", sag ich zu ihm, „du Schaute! Hast du weiter keine Sorgen? So weit ist es mit deiner .lüdischkeit gekommen? Radio? So erziehst du deine Kinder?" Das habe ich ihm gesagt und dann habe ich dreimal ausgespuckt und bin weggegangen. Und das Ende ist? Drei von seinen Söhnen sind Kurzröcke, zwei gehen halbnackt und spielen Ball wie kleine Kinder und die älteste Tochter ist „modern" und will nicht heiraten. Schlagt sie tot — sie heiratet nicht! Wie lange ist es üblich zu warten? Achtzehn ist sie schon! Und sie bleibt sitzen, sag ich euch — sie versitzt. Meinen Berel will sie nicht, die „Moderne". Nun gut, sie muß doch wissen, was sie tut--- Schammes, Schammes! Sagt nur, wie weit ist der Rebbe? Er lernt noch? Nun wir warten--- Junger Mann, drückt mir nicht die Leber ein! Was denkt Ihr Euch eigentlich — lehnt Euch auf etwas anderes, ich bin ein schwacher Jid--- Unberufen, eine hübsche Anzahl Jiden hier! Es sind mindestens sechs Städte da. Seht, das sind die Lipner und das die Wlozlawker und das die Plozker und das die Sierpzer und das die Zurominer und jene dort mit den aufgeklärten Gesichtern sind die Warschauer. Wundert mich nur, daß die