Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 21 (25.5.1928)
- Date
- 1928-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT fliumuiiiffli Seite 5 1U Wjeinbj&csGi: Niederlagen: X.. Favoritenstraße 98 Telephon 90-0-39 X, Favoritenstraße 130 Telephon 57-4-1» V.,Schönbrunnerstraße 105 Telephon A 30-0-64 _ ,_ _Ä_ -. _ Ä .___ _> # XX., Wallensteinstraße 16 LINOLEUM TEPPICHE VORHÄNGE «rSÄ?«. Telephon A 40-9 90 Zentralbüro: X., Raaberbahngasse 12 - Tel. 50-2-94 v ReVXÄ<l&*?ftr 58 WARENHAUSER FÜR Israels angezogen, den Weg zu unserer heiligen Religion fand, erzählt in seinem ergreifenden Buche „Das unbekannte Heiligtum", wie nur das rein jüdisch Charakteristische ohne Beiwerk der Nachahmung und Entlehnung imstande ist, den Fremden zu fesseln und auf ihn seine bezaubernde Wirkung auszuüben. Auch bei ihm waren es einzig und allein diese ursprünglich jüdischen, schlichten, aber packenden Elemente im Gotteshaus und im jüdischen Familienleben, die ihn hingerissen und die entscheidende Wirkung auf ihn ausübten. Gewiß, schön soll allenfalls der Dienst und die Anbetung Gottes bei uns Juden sein; die Formen, in denen wir uns Gott nähern, sollen das möglichst Beste vom Besten und das denkbar Schönste vom Schönsten sein. Aber kann das nicht aus der eigenen Anschauungs- und Formenwelt heraus, mit den eigenen Maßstäben des Judentums selbst gewonnen und entwickelt werden? Wozu Anleihen machen, Jude, wenn dein eigener Schönheitsreichtum so weit reicht? „Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute doch so nah1?" Natürlich, auch das Judentum kann sich nicht und soll sich nicht vor der Welt verschließen. Manches Wertvolle und Schätzbare hat in Israels Sphäre von außen her Eingang gefunden und ist mit dem Judentume eins geworden. Aber das soll doch nicht heißen, daß die ein- oder mehrmalige Ausnahme, die sich gerade sehr wohl in das Ganze organisch einfügte, nun schon auch zur Regel wird. Wer darf an neue Ausnahmen denken, die zu den überlieferten Ursprünglichkeitsformen wie eine schrille Dissonanz wirken? Gottanbetung und religiöse Normen sind wie ein Netz aus zarten, fein gesponnenen Fäden, wie leicht vermag ein unbedachter, gewaltsamer Eingriff wenn auch nur einen Faden zu lösen und schließlich zur Zerstörung des ganzen Gewebes führen. Darum, teurer Jude — so mahnt das hohe Fest der Gesetzgebung — standhafter Jude, gottbewußter Jude, Jude, der du nicht in den alten Fehler und Frevel des goldenen Kalbes zurück verfallen willst, der du vielmehr den Geist des zweiten Gebotes achtest und ihn sich auch an deine Zeit wenden fühlst, lasse ab vom Götzendienst des Zeitgetriebes. Schiele nicht nur immer hinaus aus deiner eigenen Sphäre. Finde dein begluckendes Genügen innerhalb der dir von Gott gezogenen Grenzen. Dein Reich, in das dich Gott wie einen König eingesetzt hat, das Reich deines Gottespriestertums und der Volksheiligkeit, ist weit und groß und schön und gut. Halte dich daran mit aller Kraft und Liebe, damit du eingehst in die Gnade, die das zweite Gebot verkündet: Er, Gott, bewahrt Treue für Treue bis in das tausendste Geschlecht denen, die ihn lieben und seine Gebote hüten. Möge uns die Festweihe und die große Gedankenwelt der Schwuaustage dazu erheben und darin bestärken. Die Frau als Mutter} Pädagogische Betrachtungen. Von Direktor Ludwig M a r g u 1 i e s, Wien. Die Nachkriegszeit ist eine Zeit der Gärung und Unruhe auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit und menschlichen Strebens. Die soziale Frage ist auf der Tagesordnung. Unzertrennbar von derselben ist die Frauenfrage. . Sie ist aber keine Errungenschaft neuesten Datums, sie ist so_ alt, wie die Menschheit und hat allerdings bei den verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten auch verschiedener Formen angenommen. Je nach dem Stande der Kultur, nahm die Frau von jeher eine mehr oder weniger geachtete Stellung ein, so daß man geradezu die Frau, ihre Stellung und Behandlung als Gradmesser für den Kulturstandpunkt eines Volkes bezeichnen kann. Auf allen Stufen der Kultur sehen wir die Frau als Schwester und Gespielin, als Geliebte und Braut, als Gattin und Lebensgefährtin, als Mutter und Pflegerin in dem innigsten anregendsten und förderndsten Verhältnisse dem Manne zur Seite stehen und daß in unserem Vaterlande der Gedanke der Feier eines Muttertages aufgetaucht ist, beweist eben, wie hoch unsere Kultur steht. Was die Liebe einer Mutter für ihre Kinder vermag, das braucht man wohl hier Niemandem zu schildern. Es hat dies jeder selber empfunden und erlebt, lebendiger empfunden, als eine Feder ihm beschreiben oder ein Mund, und wäre es der beredteste, ihm zu schildern imstande wäre. Ein Vater liebt gewiß auch seine Kinder sehr, ist großer Opfer und Entbehrungen seiner Kinder wegen fähig, sinnt und denkt, ringt und strebt für ihr Glück. Aber — mögen es die Väter mir verzeihen — die Liebe einer Mutter ist doch weit erhabener über den leisesten Anflug von Selbstsucht. Nein, das eigene Ich kommt da gar nicht in Betracht. Eine Mutter, die liebt oft gerade am meisten das wenigst glückliche, das wenigst schöne und begabte unter ihren Kindern, ja oft gerade das Kind, das ihr am meisten Müh' und Leid sogar Weh' und Kränkung bereitet hat, gerade das sitzt ihr oft am tiefsten in ihrem Mutterherzen. Aber so innig die Liebe einer Mutter ist, so scharf ist auch ihr Blick in dem, was ihre Kinder betrifft Ja, er ist da weit geschärfter als des sonst erfahreneren Vaters. Und o, wenn die Mutter auch nur immer die Festigkeit besäße, diesem Blicke gemäß, der ihren Kindern so tief ins Herz dringt, auch ihr Verfahren und Benehmen diesen Kindern gegenüber einzurichten, ach, wie viel weniger verlorene Söhne gäbe es dann in der Welt und wie viel weniger früh geweikte und befleckte Blumen. Dies eben führt uns auf den Gedanken, was die Mutter, als Bildnerin und Erzieherin vermag. Vater, Lehrer vermögen altes über den Geist des Kindes, über das Herz derselben vermag niemand so viel, als die Mutter. In der Tat, wer je im Leben als ein edles, treffliches Hera ward geehr.t und anerkannt, er hat dieses edle, treffliche Herz gewiß vorzüglich seiner Mutter zu danken und wo wir ein Gemüt von Gotteshingebung und Begeisterung für alles Oute und Edle ganz beseelt und durchglüht finden, es ist ebenfalls höchstwahrscheinlich, daß Mutterliebe und Muttervorbfld das Wesentlichste dazu beitrug.