Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-05-18 · Heft 20 (18.5.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064267--16276-3089017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tmWAtitfflEi? Seite n ercnetuttcnun&ei% ^rpcukasseiAoiUoAeMdb WieiilX.Qeeyqtasre 4 Telefon.:19-2-77 Die deutschen Verfassungs-Parteien gegen den Judenhaß. „Die großen Entscheidungen des Wahltages" war das Thema einer imposanten Kundgebung unserer Berliner Schwestervereinigung, des Central- Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Vorsitzende des Vereines, Justizrat Dr. B r o d n i t z, begrüßte die nach Hunderten zählenden Erschienenen und wies darauf hin, daß der Centrai- Verein fest auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehe und deshalb allen Parteien gegenüber, die diese Verfassung ihrem Wortlaut und ihrem Geiste nach achten, mit völliger Neutralität gegenüberstehe. Kechtsanwalt Dr. Bruno Weil, der stellvertretende Vorsitzende des Central-Vereines, hielt darauf, oft von stürmischer Zustimmung unterbrochen, das Hauptreferat. Er zeichnete die Entwicklung des Gedankens von der Gleichheit aller Menschen nach, die von dem Gebot des Alten Testaments „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" über die Gründung der christlichen Religion bis zur Verkündung der Menschenrechte durch die große französische Revolution hinführt. An dem Beispiel des NationalgefüMs der deutschen Fürsten wies er nach, wie jung im Verhältnis zu anderen Nationen das NationalgeMü des deutschen Volkes sei, und in welchem Umfange demgegenüber die deutschen Juden, die seit einem Jahrhundert erst als Bürger an dem Schicksal ihres Vaterlandes Anteil haben dürfen, deutsches Nationalgefühl auch durch die Tat schon bewiesen hätten. Der völkischen Bewegung, die die staatsbürgerliche Gleichberechtigung nicht von der Gesinnung und ihrer Betätigung, sondern von äußeren Merkmalen und mystischem Blutaberglauben abhängig machen wolle, mfüsse das Bekenntnis aller Bürger, die zur Verfassung und ihren großen ethischen Grundlinien stehen, entgegengestellt werden. Landtagsabgeordneter Oberregierungsrat Dr. Merten, der Vorsitzende der Berliner Demokratischen Partei, sprach von der tiefen Bewunderung und aufrichtigen Verehrung, die er für die hervorragende Leistung und den glänzenden Anteil der deutschen Juden an der Entwicklung der deutschen Kultur empfinde. Ueber die Auswüchse des Antisemitismus im Einzelnen verbreitete sich der Redner nicht weiter; er setzte voraus, daß sie bekannt seien. Die antisemitische Bewegung sei in den letzten Monaten in Berlin zweifellos wieder gewachsen. Merten hob hervor, daß der Kampf, den wir führen, nicht so sehr ein Kampf gegen die Entrechtung, sondern ein Kampf gegen die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf die Bekenntnisse ist. Es gilt, mit allen verfassungstreuen Parteien zu kämpfen für eine freiheitliche, soziale und wahrhaft nationale Politik auf dem Boden der Republik zum Besten des großen deutschen Volkes. Max Westphal, Mitglied des Parteivorstandes der Sozialdemokratischen Partei, erklärte ungefähr Sn'eHDad Gleiten bcrg! | Steiermark | ■ Station: Kurzeit: ■ ■ Feldbach-Bad Gleichenberg Mai—Oktober 5 J Heilanzelgani Luftröhre, Bronchial- und Langenspitzenkartarrhe, ■ ■ Asthma, Emphysem, Herzmuskelerkrankungen, I 5 Nervenleiden usw. ■ | Kurmltteil: Natürliche Kohlensäarebädtr, pneumatische Kam- | Imtrn, Quellsoleand Fichtennadel-Inhalationen, m Kaltwasserkuren, Sonnenbäder, elektrische Licht- | ■ bäder. künstlicne Höhensonne m ■ Berühmte Heilquellen Konstantin-und Emmaquelle ■ ■ Ausgezeichnetes Tafelwasser: Johannisbrunnen | Gute Verpflegung I Mildes Klima! | Auskünfte durch die Kurkommission j| I I Vi folgendes: Die Sozialdemokratische Partei hat stets den Kampf* für die völlige Gleichberechtigung aller Staatsbürger, auch der Arbeiter, geführt. Sie hat nie gefragt, ob es sich um Juden oder Nichtjuden, sondern stets, ob es sich um arbeitende Menschen handelt und so den Beweis geliefert, daß sie sich für unbedingte Gleichberechtigung aller Staatsbürger, unabhängig von Religion und1 Rasse, einsetzt. „Die Sozialdemokratie hat sich in ihrem Kampfe gegen diese antisemitischen Bestrebungen niemals durch noch so bösartige Anwiürfe beirren lassen." Dr. Dorake, der II. Vorsitzende der Berliner Zentrumspartei, führte aus: Das Zentrum begünstigt alle bestrebungen, die auf einen engen Zusammenschluß aller wahrhaft nationalen Kräfte hinzielen. Das Zentrum steht fest zur Verfassung. Gemeinsam ist uns mit den jüdischen Volksgenossen der Leidensweg, den wir auf Grund unserer religiösen Ueberzeugung zu durchschreiten hatten. Und deshalb fordern wir entschieden religiöse Toleranz, deshalb sind wir entschiedene Gegner des Antisemitismus. Wir sind aber auch Gegner des Antisemitismus aus nationalen Gründen; denn wir wissen, daß das deutsche Volk nach dem Weltkriege alle Kräfte braucht, die zu seinem Aufstieg notwendig sind. (Diese mannhaften Worte eines deutschen christlichsozialen Politikers sollten sich Dr. Seipel und die Seinen ins Stammbuch schreiben.) Reichsminister a. D. Dr. v. Raumer betont namens der DeutschenVolkspartei, daß diese stets eine liberale Partei gewesen ist. „Das Wesen jeder liberalen Partei ist, daß irgend (ein Unterschied zwischen den Staatsbürgern nicht gemacht wird." Der Redner weist darauf hin, daß Männer aus jüdischen Kreisen häufig als hervorragende Mitarbeiter der Deutschen Volkspartei gewirkt haben, erwähnenswert vor allem Geheimrat R i e s s e r, der Präsident des Reichstages. Die Deutsche Volkspartei lehnt den Antisemitismus ab. Der Redner stellt dann fest, daß seinem Geiste der Gedanke des Antisemitismus völlig fremd sei. Er begreife ihn nicht mehr. Zu dieser Erkenntnis habe das Vertrautsein mit dem Seelenleben hervorragender Juden, wie z. B. R a t h e n a u, beigetragen. Der Redner gibt seiner Erwartung Ausdruck, daß in 20 Jahren eine solche Versammlung nicht mehr nötig sein wird, wie ja der Antisemitismus auch schon seit den letzten Wahlen bemerkbar zurückgetreten s_ei. „Wenn ich mich heute in Ihre Gedankengänge versetze, so ist die Frage, was ich denke und was heute in die Erinnerung der Menschen zurückgerufen werden muß, der Anteil des deutschen Judentums am Aufbau deutscher Wissenschaft und Kultur." Es sprachen außerdem Dr. Bruno Glaserfeld, Vorsitzender des Landesverbandes Groß-Berlin des Centrai-Vereines und für die deutsch-jüdischen Frauen Magarete Fried. i TclIiaWnntlcn f Verblüffend billig solid und fein kaufen Sie Im Sanitätshaus Fischer ein Wien, II., Taborstrasse 24 a Tel. R 40-5-93 Wohlfahrtsanstalten hohe Rabatte! : Damen- und Heirenbediennngj

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.