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Die Wahrheit · 1928-05-18 · Heft 20 (18.5.1928) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 räräl *fc ' t i i HOTEL „NATIONAL Ii TO W3i Wien lt., Taborstraße 18 l£!VB& Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des [bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. VorzOgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. Qlersei*. Georg Silvester Viereck, der berühmte amerikanische Journalist, veröffentlicht ein umfangreiches Interview, das ihm der Exkaiser Wilhelm II. in Doorn gewährte. Das höchste Interesse dürfte der Passus erwecken, in welchem sich der Exilierte seiner „Menschenliebe" rühmt und diese Gelegenheit auch benützt, den letzten Zaren als idealen Menschenfreund zu verherrlichen. Als der Journalist, sicherlich ganz harmlos, bemerkte, in den guten alten Zeiten hätten die Fürsten alles mögliche unternommen, um sich ihre Throne zu sichern, meinte Wilhelm II. u. a.: „In den guten alten Zeiten waren die Menschen weniger menschlich, wenn es galt, ihre Herrschaft zu erhalten .... Als Ivan der Schreckliche von dem holländischen Gesandten gefragt wurde, weshalb er so grausam mit seinem Volke verfahre antwortete er: ,Ich lasse so viele köpfen, denn ich kenne meine Leute. Lasse ich sie nicht köpfen, werden sie mich köpfen lassen.' Ich aber — fuhr Wilhem II. fort — und auch mein Cousin Nikolaus waren von zu reichlicher Menschenliebe erfüllt, als daß wir zu solchen Mitteln gegriffen hätten, um unsere Herrschaft zu sichern." Die zahllosen Hinrichtungen, die im Namen Nikolaus II. vollzogen wurden, scheinen offenbar dem Gedächtnis seines kaiserlichen Vetters entschwunden zu sein. Wilhelm II. hat leider auch nicht bedacht, daß er einst seine außerordentliche „Menschenliebe" nicht nur durch Unterlassen des immerhin nicht ganz unbedenklichen Hängens und Köpfens, sondern auch durch sparsameres Säbelrasseln hätte betätigen können. * * * Herr Dr. Walter Riehl, der mit der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeit sich einst für einen Idealisten von der Art Rothstock einsetzte, hat auch, sein Möglichstes getan, um den Attentäter, der auf den Bürgermeister - Schüsse abfeuerte, vor einer harten Strafe zu bewahren. Nicht alles, was Herr Dr. Riehl zugunsten seines Klienten vorbrachte, verträgt eine strenge Kritik. Aber wenn der Verteidiger von Rothstock, Nowosat usw. mit dem Brustton tiefinnerster Ueberzeugung als Milderungsgrund anführte, daß Strebinger auch unter dem Eindruck aufreizender, betörender Reden gestand_en, wer wird ihm da nicht beistimmen? Wahrhaftig, wer sich an so manche in politischen und anderen Versammlungen gehaltenen Reden Dr. Walter Riehls erinnert, wird den verhängnisvollen Einfluß aufreizender Hetzreden als Milderungsgrund für manche Untat nicht leugnen. Man weiß, daß die „Reichspost" oft kein Plätzchen frei hat, wenn es gilt, Enunziationen von den höchsten kirchlichen Stellen zu veröffentlichen, in welchen der Antisemitismus als eine das Christentum schändende Bewegung gebrandmarkt wird. Das fromme Blatt fühlt sich aber, trotzdem es gegen die „Schmutz- und Schundliteratur" wettert, berufen, als Ablagerungsstätte für Inserate folgenden Inhaltes zu dienen: St. Jakob am Piüersee (Tirol). Ein sehr sonniges, staub- und judenfreies herrliches Fleckerl Erde. Wer sich wahrhaft erholen will, wird diesen Ort zu seiner Sommerfrische wählen. Das die Juden beschmutzende Inserat in der „Reichspost" wurde von dem biederen Tiroler Wirt natürlich bezahlt. Man kann aber von hohen Kirchenfürsten wirklich nicht verlangen, daß sie ihre gegen den Antisemitismus gerichteten Kundgebungen der „Reichspost" als Inserat aufgeben. * . * Man wird dem Baron Hatvanyi, dem von dem Appellgericht wegen eines Artikels vier Jahre Zuchthaus und eine Geldstrafe von 250.000 Pengö zuerkannt wurden, menschliches Mitleid nicht versagen dürfen. Vier Jahre Zuchthaus sind eine allzu grausame Strafe, zumal, wenn man bedenkt, daß sie wegen eines Artikels über die Hejjas-Aera verhängt wurden, dem manche eher den Vorwurf machten, daß er noch zu milde ausgefallen war. Und dazu noch die Geldsumme in einer Höhe, die als Honorar für seine — sämtlichen Artikel unerreichbar wäre. S * * 'Der ungarische Unterrichtsminister, der endlich sich des so lang entbehrten Vergnügens erfreut, keine Maßnahmen gegen rauflustige Studenten ankündigen zu müssen, benützt diese Schonzeit in wirklich anerkennenswerter Weise. Er hat eine scharfe Erklärung gegen jene Umversitätsprofes- .'soren gerichtet, die in unverantwortlicher Weise die ^Pflichten ihrer hohen Stellung vernachlässigen und •sogar monatelang ohne Urlaubsbewilligung ihre Vorlesungen unterbrechen. Dieses mannhafte Auftreten des Grafen Klebelsberg verdient um so mehr Lob und Bewunderung, da kein einziger jüdischer Professor davon getroffen wird. Die jüdischen Prozessoren sind schon längst auf keine Urlaubsbewilligung angewiesen, da sie bekanntlich schon pensioniert sind. Ego. WevhdMcmehknjürDk fflahtheä!

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