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Die Wahrheit · 1928-05-18 · Heft 20 (18.5.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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iiiiilliiiiiiin«^ Seite 9 wurde, welches dazu diente, aus dem Waisenhause ausscheidenden Mädchen in ihrer weiteren Laufbahn einen Rückhalt zu verleihen. .. . Im Jahre 1887 schied der sehr verdienstvolle erste Präsident des Waisen-Vereines, Herr Josef R. v. Wertheimer, aus dem Leben. An seine Stelle trat der damalige Vizepräsident des Vereines, Herr Wilhelm R. v. Guttmann, der die Präsidentenstelle bis zu seinem im Jahre 1895 erfolgten Ableben bekleidete. Nach seinem Ableben übernahm sein Bruder, der langjährige Vizepräsident Herr David R. v. Guttmann, die Führung des Vereines. . Wie diese beiden hervorragenden Männer den Verein leiteten, läßt sich mit Worten laicht würdig genug charakterisieren, um so deutlicher sprechen ihre Taten des Wohltuns und der Menschenfreundlichkeit. Sie hatten ein strenges Pflichtbewußtsein auch im bezug auf freiwillig übernommene Pflichten vereint mit Vornehmheit der Gesinnung und mit einer nie versagenden Güte des Herzens, besonders wo Not und Armut zu lindern war. Als im Jahre 1888 vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde der Beschluß gefaßt wurde, an der Stelle, an der sich einmal das jüdische Spital und später das Mädchen- Waisenhaus in der Seegasse befand, ein großes Altersversorgungshaus zu errichten, stand der Waisenverein vor der schweren Aufgabe, für die* Unterbringung der Schützlinge anderweitig zu sorgen. Da waren es wieder die Herren W i 1 - h e 1 m R. v. Guttmann und David R. v. G u 11 m a n n, die es in hochherziger Weise übernahmen, ein neues Mädchen- Waisenhaus aus eigenen Mitteln erbauen und vollständig einrichten zu lassen. Im Jahre 1891 wurde das nach den Plänen des Architekten Max Fleischer erbaute, allen Erfordernissen entsprechende, moderne Mädchen-Waisenhaus in der Ruthgasse bezogen. Bei der Einweihung desselben feierte der damalige Prediger Doktor Adolf J e 11 i n e k die Gründer dieses Waisenhauses in begeisterten Worten. Durch dieses hochherzige Werk der Nächstenliebe haben sich die Herren Wilhelm und David R. v. Guttmann die Dankbarkeit aller edel denkenden Menschen erworben und für ewige Zeiten ein Denkmal gesetzt. Das Waisenhaus selbst ist in aller. Welt unter dem Namen „G u 11m a n n's c h e s Waisenhaus" bekannt geworden. Im Jahre 1908 wurde unter dem Präsidenten Herrn David R. v. Guttmann der Beschluß gefaßt, ein Knaben- Waisenhaus zu errichten; ein hierzu geeigneter, im XIX. Bezirk, Probusgasse 2—4, gelegener Baugrund samt großem Garten wurde käuflich erworben, Architekt Baurat Wilhelm Stiassny mit der Ausarbeitung der Pläne und Herr Stadtbaumeister MeIcher mit dem Baue betraut. Die Anstalt wurde am 18. August 1910 mit 21 Schützlingen eröffnet. Die feierliche Schlußsteinlegung fand aber erst im Jahre 1911 statt, bei welcher der Präsident des Vereines, Herr David R. v. Gut t'm a n n, in einer ergreifenden Ansprache die hohe Bedeutung der errichteten Anstalt und ihrer Ziele würdigte. Die Einrichtung dieses prachtvollen zweckentsprechenden Hauses, in dem wir uns gegenwärtig befinden, erfolgte hauptsächlich aus den Mitteln der israelitischen K u 11 u s g emernde in Wien, edler Wohltäter und Menschenfreunde, insbesondere des Herrn R,v. Epstein und selbstverständlich auch des Herrn David R. v. Guttmann und seiner Familienangehörigen, die sich mit sehr nahmhaften Beträgen auch an diesem Werke edelster Menschenliebe beteiligten. Außer diesen in der Oeffentlichkeit bekannt gewordenen Aktionen des Hauses Guttmann waren es insbesondere die vielen, sich immer wiederholenden Zuwendungen in Form von Stiftungen und reichlichen Spenden sonstiger Art, die die großen Sympathien und Anhänglichkeit des Hauses Guttmann gegenüber dem Waisenverein bekundeten. Insbesondere aber muß darauf hingewiesen werden, daß sich die Mitglieder des Hauses Guttmann nicht damit begnügten, dem Vereine reichliche Mittel für die Erhaltung und Fortentwicklung des Vereines zur Verfügung zu stellen, sondern daß seit der Gründung des Vereines bis zum heutigen Tage stets Mitglieder des Hauses Guttmann an der Leitung des Vereines persönlich teilnahmen, wodurch dem Vereine ein ganz besonderes Ansehen verliehen wurde. Ich möchte diesbezüglich hervorheben, daß außer den beiden Präsidenten, den Herren W i 1 h e 1 m und D a v i d R. v. G u 11 m a n n und den Ehegattinnen derselben, den Damen Ida v. Guttmann und Sophie v. Guttmann, welche lange Zeit als Vizepräsidentinnen des Schutzdamenkomitees segensreich wirkten, Herrn Baron Siegwart Ketschendorf als Vizepräsident, Frau Mathilde v. Guttmann und Herr Dr. W i 1 h e 1 m v. G u 11 m a n n dem Vereinsvorstande angehörten, daß insbesondere die Baronin Irma Kit Schendorf seit vielen Jahren Vizepräsidentin des Damenschutzkomitees ist und in hervorragender Weise für das Gedeihen des Vereines tätig ist, daß Herr Baron Rudolf v. Guttmann sich in ganz hervorragender Weise für die Fortentwicklung des Vereines und seiner Waisenhäuser einsetzt, ferner daß Herr Hans R. v. Guttmann zu unserer großen Freude dem gegenwärtigen Vorstande als Vizepräsident angehört. Der Name „G u 11 tn a n n" ist daher mit dem Waisenverein und den Waisenheimen aufs innigste verbunden. Und so gestatte'ich mir im Namen des Waisenvereines, dem Hause Guttmann und allen seinen Mitgliedern den tiefgefühlten Dank auszuprechen für alles das, was diese edle Familie seit der Begründung des Vereines bis zum heutigen Tage für denselben geleistet hat. An diesen unseren Dank möchte ich die Bitte und die Hoffnung knüpfen, daß das Haus Guttmann auch in aller Zukunft den Waisenverein seine so wertvolle Sympathie und Anhänglichkeit bewahren möge. Ich glaube im Namen des Vereinsvorstandes den tiefgefühlten Dank in keiner würdigeren Form zum Ausdrucke bringen zu können, als indem wir versprechen, jederzeit bestrebt sein zu wollen, uns dieser Sympathie würdig zu erweisen und alles daran zu setzen, dem Verein in den Intentionen seiner Gründung und im Geiste seiner Präsidenten Wilhelm und David R. v. Guttmann zu leiten, damit auch künftige Generationen den Waisenverein als ein hervorragendes Werk edelster Menschenliebe anerkennen und die beiden unter der Leitung des Vereines stehenden Anstalten, das Mädchenwaisenhaus in der Ruthgasse und das Knabenwaisenhaus in der Probusgasse, auch künftighin als Musteranstalten würdigen und anerkennen. Euch aber, meine lieben Schützlinge, lege ich ans Herz, Eure Dankesschuld gegenüber dem Hause Guttmann in der Weise abzustatten, daß Ihr stets bestrebt seid, unter der ausgezeichneten Leitung Eurer Lehrer und Erzieher brave, tüchtige Menschen und nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden und stets jener Edelmenschen dankbaren Herzens zu gedenken, denen Ihr es hauptsächlich zu verdanken habet, daß Ihr hier ein schützendes Heim gefunden habt, in welchem Euch mit Wohlwollen und Liebe begegnet wird, und wenn Ihr diesen, meinen Rat befolgen und meine Bitte erfüllen werdet, wird Gottes Segen Euch begleiten, auf allen Euren Lebenswegen, wie wir dies Euch Allen vom ganzen Herzen wünschen. Das walte'Gott! Nun erfolgte durch Herrn Hansv. Guttmann die Uebergabe der beiden Bronzebüsten an den Präsidenten des Vereines Richard Petschek, der mit folgenden Worten für die Uebergabe dankte: Namens des Vorstandes übernehme ich mit großem Danke die unserem Vereine von den Nachkommen des Wilhelm Ritter v. Guttmann und David Ritter v. Guttmann gewidmeten Büsten in Obhut; diese sollen der jetzigen und künftigen Generation in Erinnerung rufen, welche edle Taten diese Männer vollbracht haben, dem jetzigen und künftigen Vorstande ein Wahrzeichen dafür sein, wie' übernommene Pflichten ausgeführt werden müssen. Mit aufrichtiger Bewunderung las ich vor einigen Tagen die Selbstbiographie des sei. Wilhelm Ritter v. Guttmann; sie ist ein Glaubensbekenntnis im wahrsten Sinne des Wortes; schlicht und einfach in ihrer Auffassung über die Pflichten der besitzenden Klasse und rührend der in derselben gebrachte Satz, er sei überzeugt, daß seine Bestrebungen in seinen Kindern fortleben werden. Nun richtete Hans v. Guttmann an die Festgäste und die Kleinen folgende Worte; Wir feiern das Angedenken der beiden Gründer meines Hauses und unserer Waisenhäuser und ich danke im Namen meiner Familie und meines Hauses meinen geehrten Vorrednern und Ihnen allen, die Sie hier versammelt sind, für die würdige Veranstaltung. Uns, die wir den beiden Brüdern im Leben nahestanden, erfüllt es mit besonderer Genutuung, daß diese Bildnisse hier zur Aufstellung gelangen. Die Beiden wußten aus bitterer Erfahrung, welch schweren Schicksalsschlag es bedeutet, in zarter Jugend verwaist und auf die eigenen schwachen Kräfte angewiesen zu sein. So war ihnen Waisenpflege stets heiligste Pflicht und unser Verein besonders ans Herz gewachsen. Deshalb danke ich meinen verehrten Kollegen im Vorstande des Vereines und besonders unserem hochverdienten Herrn Präsidenten für den würdigen Platz, der hier diesen Sinnbildern immerwährenden Gedächtnisses eingeräumt wurde, danke ihnen im Namen der Meinen und in meinem Namen von ganzem Herzen und übergebe ihnen die Büsten, die hier sicher immer in Ehren gehalten werden. Mit einem Choral der Zöglinge schloß die Veranstaltung, um deren Gelingen sich die Herren Direktor S. T h i e b e r- 2 e r und Sekretär Direktor S. K u h n e r sehr bemüht hatten. H.

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