Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 20 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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g jiiiiiiiiihiiituiiuiwnunnm^ DIE WAftRHBfT | In memoriam Wilhelm und David R. v. Gattmann. Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen! Sonntag, den 13. Mai 1928, 11 Uhr vormittags, fand im Knabenwaisenhause, XIX., Probusgasse 2. die Gedächtnisfeier nach dem verewigten Präsidenten Herrn David Ritter von Guttmann statt, an die sich die Enthüllungsfeier der Büsten der verewigten verdienstvollen Präsidenten, der Herren Wilhelm Ritter v. Guttmann und David Ritter v. Guttmann anschloß. Unter den Anwesenden bemerkte man: Den Gesamtvorstand des „Waisenvereines" mit dem Präsidenten Richard Petschek, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick mit dem Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz und* dem Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb, Gemeinderabbiner Dr. D. Feuchtwang und Rabbiner Doktor Frankfurter, den Großpräsidenten der B'nai B'rith Doktor Edmund Kohn mit dem Vize-Großpräsidenten Dr. Wilhelm K n ö p f m a c h e r, die Mitglieder des Bethausvorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Ascher und Dr. Kapralik, für die Chewra Kadischa-Vorsteher Franz Denes, für den Döblinger Tempelverein S. T a u b e r, die Präsidenten, bzw. Expräsidenten der „Wien"-B'nai B'rith, Prof. Dr. Königstein, Dr. Felix Kohn und Dr. Fürth, Notar Dr. Bermann, Direktor A. Stein, Kommerzialrat Direktor Wasservoge!, Direktor R a u m a nn. Von der Familie der einstigen Präsidenten der Waisenhäuser, der Herren Wilhelm Ritter von Guttmann und David Ritter von Guttmann wohnten der Feier bei: die Söhne des Herrn Wilhelm Ritter v. Guttmann, Herr Rudolf v. Guttmann und Herr Moriz v. Guttmann mit seiner Gattin Frau Käthe v. Guttmann, ferner die Enkel des sei. Herrn David Ritter von Guttmann, Herr Hans v. Guttmann, Frau Nany Habig, Frau Lucy Ippen und Frau Lilly Gebert; wegen Ortsabwesenheit waren entschuldigt Frau Baronin Irma K e tschendorf, Herr Dr. Wilhelm v. Guttmann und Herr Willy v. Guttmann. Von der Beamtenschaft der Häuser Gebrüder Guttmann die Prokuristen: Kommerzialrat F'ürst, Dr. B lau hör n, Franz Popper, Benno Mahl er, Direktor Ing. Weinberger, Direktor Wiesner, Direktor Leo M a h 1 e r, Prok. Otto E i s 1 e r und Prok. S t e u r e r, Sekretär Rosenbaum u. v. a. Die schöne Feier wurde mit dem Psalm „Wie schön sind Deine Hütten Jakob", vorgetragen vom Chor der Zöglinge der beiden Waisenhäuser, eingeleitet. Hierauf rezitierte Oberkantor D. Bohumolny besonders wirkungsvoll einen Trauerchoral, ebenfalls unter Mitwirkung des Chors der Zöglinge. Sodann richtete Direktor Thieberger eine Ansprache an die Zöglinge, der wir folgendes entnehmen: David R. v. Guttmann, dessen Jahreszeit wir heute hier in frommer Andacht begehen, war, wie sein Bruder Wilhelm R. v. Guttmann, eine ideale Gestalt. Sie sind beide in der Lehre und im Sinne des Judentums aufgewachsen, haben sich im Laufe ihres weiteren Lebens stets als edle, hilfreiche und gute Menschen bewährt und blieben bis zu ihrem Lebensende nicht nur jüdische Aristokraten, sondern auch aristokratische Juden. Wo es jüdische Interessen gab, ob nun allgemeiner Natur oder in einzelnen Fällen, fand man sie stets an der Spitze; und aus diesem Interesse für alles Jüdische und allgemein Menschliche heraus, entstanden unsere beiden Waisenhäuser; das Mädchenwaisenhaus in der Ruthgasse, dessen Gründer sie waren, und dieses Knabenwaisenhaus, dessen Präsidenten sie gewesen sind. Alle Zweige der Humanität, die nur durch ihr Darzutun sich entwickeln konnten, aufzuzählen, bin ich nicht imstande. Bei allen ihren Lebenswerken wurden sie von ihren teueren Angehörigen unterstützt, ihr Beispiel riß vielfach mit und so sehen wir andere, gute und edle Menschen das begonnene Werk in ihrem Sinne bis auf den heutigen Tag fortsetzen. Wie viele Hunderte von Waisenkindern wurden schon in diesen beiden Waisenhäusern vor körperlichem und sittlichem Verkommen gerettet und zu braven, tüchtigen und daher nützlichen Menschen erzogen und wie viele werden es noch mit Menschen- und Gottesfeilfe werden! So möge denn das Andenken von David und Wilhelm R. v. G u 11 m a n n in uns und in allen, die sie gekannt, geliebt und verehrt hatten, fortleben und ihr Andenken ein gesegnetes sein! Nach dem vom Oberkantor Bohumolny vorgetragenen Schlußgebete verrichteten zwei Zöglinge des Waisenhauses das Kadischgebet für die beiden verstorbenen Präsidenten, womit die Gedächtnisfeier im Tempel des Waisenhauses ihren erhebenden Abschluß fand. An die Gedächtnisfeier schloß sich die Enthüllungsfeier der beiden Büsten im festlich geschmückten Vestibül des Waisenhauses an, die mit einem schönen Choral der Zöglinge eingeleitet wurde. Sodann begrüßt der Präsident Richard Petschek alle erschienenen Gäste, insbesondere Rudolf, Moritz, Hans v. Guttmann. die erschienene Beamtenschaft des Hauses Gebrüder Guttmann, Ehrwürden Dr. F e u c h t w a n g, den allverehrten Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. A Pick nebst dem Vizepräsidenten Dr. Josef Löwen herz, den Großpräsidenten des Verbandes der isr. Humanitätsvereine „B'nai B'rith" Herrn Dr. Edmund Kohn. nebst dem Vizegroßpräsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher, den Präsidenten der B'nat B'rith-Loge „Wien", Professor Dr. Hans Königstein u. a. Hierauf folgte die besonders eindrucksvolle Festrede des Vizepräsidenten des „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen", Notar Dr. Julius Bermann, die wir im folgenden deshalb besonders ausführlich wiedergeben, Weil in ihr zugleich ein Abriß ruhmvoller jüdischer Geschichte Wiens gegeben wird. Er sagte unter anderem: Der heutige Tag wird vom Vereine zur Versorgung hilfsbedürftiger jüdischer Waisen, beziehungsweise dessen Vorstand als ein Tag dankbaren Gedenkens und Erinnerns an seine beiden hervoragendsten Präsidenten und Stifter, die Herren Wilhelm R. v. Guttmann und David R. v. Guttmann sowie als ein Tag herzlichster Dankbarkeit gegenüber den Familienmitgliedern dieser beiden edlen Menschen, die in ihrer Gesamtheit das „Haus Guttmann" repräsentieren, gedacht und wird als solcher von uns besonders festlich begangen. Wenn wir den Werdegang des jüdischen Waisenvereines von seiner Gründung bis zum heutigen Tage verfolgen, so finden wir, daß es in dem ganzen großen, nahezu 70 Jahre umfassenden Zeitraum keine einzige Epoche gegeben hat, in welcher nicht das Haus Guttmann durch hervorragende Leistungen seine Sympathien, aufrichtige Anhänglichkeit und Zugehörigkeit zum Waisenverein in glanzvoller Weise zum Ausdruck gebracht hätte. Der Waisenverein wurde im Jahre 1861 auf Anregung des damaligen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Herrn Josef R. v. W e r t h e i m e r, im Vereine mit einigen gleichgesinnten edlen Menschen, von denen ich nur die Herren Dr. Maximilian Engel, Leopold Bauer. Wilhelm F r a n k I, Dr. Ignaz K u r a n d a, Heinrich R. v. Sichrofski und Moritz Freiherr von Königswarter nenne, gegründet, einem dringenden Bedürfnise entsprechend. In seinen Anfängen konnte der Verein allerdings nur eine bescheidene Tätigkeit entfalten und mußte sich darauf beschränken, ungefähr 20 Waisenmädchen extern zu versorgen und kränkliche Schützlinge in Kuranstalten und Ferienheimen unterzubringen. Erst das Jahr 1872 brachte eine Wendung zum. Bessern. Durch Eröffnung des Rothschild'schen Krankenhauses am Währinger Gürtel wurde das altjüdische Spital in der Seegasse frei und vom Kultusvorstande dem Waisenvereine zum Ausbau für ein Mädchen-Waisenhaus überlassen. Dieser Umbau wurde von den beiden Brüdern Wilhelm und David R. v. Guttmann, die schon damals dem Vorstande des Waisenhauses angehörten, auf eigene Kosten ausgeführt; ebenso wurde auch die gesamte Inneneinrichtung von den beiden genannten Wohltätern aus eigenen Mitteln angeschafft. Die Eröffnung erfolgte dm Juni 1874. , Dem Vorstande des Waisenvereines stand damals schon ein Schutzdamen-Komitee zur Seite.; Präsidentin war und ist noch heute die sehr verdienstvolle Frau Baronin Charlotte K önigswarter, Vizepräsidentinnen waren Frau Ida v. Guttmann und Frau Sofie v. Guttmann. Diese beiden Damen haben sich in gleich hervorragender Weise wie ihre Ehemänner des Vereines angenommen. Sie haben sich insbesondere dadurch ein ganz besonderes Verdienst erworben, daß auf ihre Initiative und durch ihre Opfer,willigkeit ein Kapital angesammelt