Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 20 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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öffi WAHfcfiSfcf in» Seite 7 in die United States (17,618.682 Seelen) beträgt 'im Durchschnitt etwa 10,3 Prozent. Von den 992.333 erwerbstätigen Juden wurden durchschnittlich 60,1 Prozent in der Industrie, 10,1 Prozent im Handel und 2,4 Prozent in der Landwirtschaft tätig; 2 Prozent gehörten den freien Berufen (Künstler, Schriftsteller, Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Musiker, Rabbiner und so weiter) an, während 10,4 Prozent unqualifizierte, das heißt ungelernte Arbeiter und 1*2,4 Prozent Hausbedienstete waren. Ein wesentlich anderes Bild ergibt die berufliche Gliederung der seit 1900 nach Amerika übersiedelten Juden vor ihrer Auswanderung aus den Heimatländern des Ostens. Aus Volks- und Berufszählungen und -Statistiken Rußlands (1897) und Galiziems (1900) geht hieirvor, daß 35,9 Prozent der jüdischen Einwohner in der Industrie, 31,5 Prozent im Handel, 5 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt waren und 4,9 Prozent eine ireiie Berufstätigkeit ausübten. Vergleicht man die amerikanischen und osteuropäischen Relativzahlen, so zeigt sich namentlich eine starke Zunahme der jüdischen Industriearbeiter; ©in verhältnismäßig kleiner Teil geht im Handel und Tätigen. Das zahlenmäßige Ansteigen »der jüdischen Industriearbeiterschart erklärt sieih auch daraus, daß „die meisten der beruflosen Auswanderer", größtenteils wirtschaftlich ruinierte kleine und mittlere Händler und Angestellte, „vor ihrer Abreise irgendleine handwerkliche Verrichtung, meistens Schneiderarbeit, erlernen und sich bei der Ankunft in Amerika den Regiistriierbeamten gegenüber als Schneider usw. ausgeben, so daß sie dann in der Rubrik „Qualifizierte Arbeiter" erscheinen." Zu den „qualifizierten Arbeitern" rechnet die Statistik der Vereinigten Staaten sowohl kaufmännische Angestellte als audi gelernte Facharbeiter. In der Tat wird die Mehrzahl der als „qualifiziert" bezeichneten jüdischen Einwanderer Fabriksarbeiter; ein verhältnismäßig kleiner Teil geht im Handel und Hausiergewerbe auf. Am stärksten (mit 60,8 Prozent der jüdischen Industriearbeiter) sind die Juden in der Bekleidungsindustrie (Konfektionsarbeiltier) vertraten. In weitem Abstand folgen Holzbearbeitung und Baugewerbe mit 14,2 Prozent, die Mietallbearbeitung mit 7,8 Prozent, die Lebensmittelindustrie mit 7,1 Prozent, das Buohdruckgewerbe mit 1,6 Prozent, die Lederindustrie mit 1,4 Prozenit. Unter den jüdischen Handwerkern in der Union nehmen die Schneider (221.446) die erste Stelle ein; sie machen übrigens 65,1 Prozent aller in den Jahren 19,00—1925 eingewanderten Schneider (339.925) aus. Außerdem siedelten während der Berichtiszeit mehr als 85.000 jüdische Weißnäherinnen und ScnrneMerinnen in die neue Welt über. Bauhandwerk und Tiischlergewerhe zählen 49.113, das Schmiede-, Schlosser- und Klempnergewerbe 33.828, das Metzger- und Bäckergewerbe 34.768 Juden. Eine fast ebenso große Kopfstärke haben die jüdischen Schuhmacher (34.977). Ueber 9500 jüdische Uhrmacher und Juweliere und annähernd 8000 jüdische Friseure beschließen den Reigen. Selbstverständlich unterlagen Umfang und Charakter der jüdischen Einwanderung im Laufe des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts, das heißt, in den einzelnen 25 Jahren, erheblichen Schwankungen, besonders in der Kriegs- und Nachkriegszeit Hßs würde über den Rahmen der vorstehenden knappen Darlegungen hinausgehen, wollte man die aufgeführten Zahlen nach dieser Richtung hin hier noch einer näheren Analyse unterziehen — so sehr auch diese Aufteilung dazu angetan wäre, das von der beruflichen Gruppierung der Eingewanderten großzügig gewonnene Bild zu verdeutlichen. E. 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Es würde uns herzlich freuen, wenn die von solch illustrer Seite geäußerte Meinung über „Paneuropa und Judenfrage" den Ausgangspunkt für eine hoffentlich recht lebhafte Diskussion bilden würde. Die Red. Coudenhove-Kalergi, der Begründer und Leiter der Paneuropa-Bewegung, versteht unter Paneuropa die Rettung unseres Kontinents durch dessen Organisierung zu einem politisch-wirtschaftlichen Staatenbund. Für dieses Ziel der Paneuropa-Bewegung interessieren sich bereits heute weite Kreise des europäischen Judentums. Freilich haben noch lange nicht alle Kreise desselben die große Bedeutung erfaßt, die gerade die Verwirklichung der Paneuropa-Idee haben muß. Paneuropa ist ein Ziel des praktischen Idealismus. Schon aus diesem Grunde begegnet es sich in vielen Punkten mit den Zielen der jüdischen Ethik, die Friedfertigkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe fordert. Paneuropa muß sowohl als Forderung des europäischen Pazifismus das Verständnis des Judentums finden, als auch als Forderung der wirtschaftlichen Vernunft. Unter den ideellen Vorläufern der Paneuropa-Bewegung befindet sich auch der große jüdische Pazifist Alfred Ii F r i e d. Das Judentum, das in Europa so viel unter religiösem und nationalem Fanatismus, unter Kriegen und Revolutionen zu leiden hatte, muß eine Idee begrüßen, die geeignet ist, Europa den Frieden zu bringen, die politische Gleichberechtigung und die wirtschaftliche Sicherheit. Nur Paneuropa, das für die Gleichstellung aller Minderheiten eintritt, sichert die Zukunft des osteuropäischen Judentums vor neuen Verfolgungen und Unterdrückungen. Die europäische Frage hat für die Juden darum so entscheidende Bedeutung, weil mehr als die Hälfte aller Juden der Welt in Europa leben; weil diese Millionen europäischer Juden durch die Grenzen voneinander getrennt sind und ein Abbau dieser Grenzen auch die europäischen Juden einigt. Gerade die Tatsache, daß es in allen Ländern Europas Juden gibt, gibt den europäischen Juden die Möglichkeit, die Paneuropa-Bewegung überall tatkräftig zu fördern und zusammenzuarbeiten für dieses große Ziel, das sie mit den europäischen Christen verbindet. So bedeutet Paneuropa für die Juden Sicherheit, Gleichheit und Einigung, wie es für alle Europäer Frieden und Wohlstand bedeutet. A. J. imr