Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 20 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Mittelpunkt der ersten Abteilung steht das Buch der Bücher: die Bibel, die durch Jahrtausende für das Leben eines jeden Juden bestimmend war und seinen Einfluß, wie kein anderes Schriftwerk, über die ganze Welt verbreitete. So beginnt die Publizistik der Juden mit der Verkündigung der reinen Gotteslehre, der Menschenliebe und des wöchentlichen Ruhetages. Weiterhin zeigt sie der Religion gewidmete Publizistik, die Auswirkung der Bibel in ihren Uebersetzungen, die allen Menschen ihre Kenntnis vermittelten. Wir sehen aber auch die Produkte jahrtausendelangen unermüdlichen Forschens über das schriftlich und mündlich gegebene Gesetz der Juden, über eine gewaltige Buchliteratur hinmünden in Zeitschriften, die bis zum heutigen Tage teils der wissenschaftlichen Erforschung der Gesetze und ihres Schrifttums dienen, teils weiten Schichten dauernd religiöse Belehrung und Erbauung bringen. Wiewohl Denken und Forschen der Juden in früheren Jahrhunderten in erster Linie der Religion galt, so hat es doch nie an Bestrebungen gefehlt, auch profanes Wissen zu erlangen und unter den Glaubensgenossen zu verbreiten. Dies zu zeigen, dazu dient die Abteilung über „die Publizistik im Dienste der Verbreitung profanen Wissens unter den Juden". Es erschließt sich dem Betrachter das Streben der Juden, nach dem Abflauen des unmenschlichen Druckes im 18. Jahrhundert und während der „Aufklärungszeit" den Anschluß an die geistige Arbeit der Umwelt zu finden. Eine große Anzahl hochbegabter, ideal gesinnter Juden schufen Zeitschriften, Kalender und Aufrufe .zur Belehrung der Brüder. Ins modernste Leben und seine geistigen Strömungen führt uns weiter jener Teil der Ausstellung, der die Publizistik im Dienste der Soziologie aufzeigt. Hier erschließt sich uns der Einfluß, den die Presse auf die Entwicklung und Verbreitung moderner sozialer Ideen unter den Juden hatte; hier sehen wir Zeitschriften, die sich belehrend und werbend von den verschiedensten politischen Richtungen aus an jüdische Leser aller Gesellschaftskreise wenden. Hier finden wir auch das Zeitschriftenwesen, das im Dienste karitativer und humanitärer Ziele steht. Nicht ohne Ergriffenheit wird ein denkender Mensch die letzte Gruppe in dieser Abteilung besuchen können, die „die Publikation im Dienste des Kampfes der Juden um ihre Menschen- und Bürgerrechte" darstellt. Das Licht, das sich an der Bibel der Juden zur Leuchte für die Welt entzündet hatte, war auch die Fackel geworden, die unzählige Scheiterhaufen entzündete, auf denen die Juden als ergebene Märtyrer ihres Glaubens zu Tode gequält wurden. Ihr Leben war ewig bedroht; Freiheit und Rechte waren in der Hand übelwollender Gewalthaber, die die Juden — mit dem Bilde eines bekannten Historikers ausgedrückt — behandelten, wie der Imker sein Bienenvolk duldet und ausräuchert, je nachdem es ihm Nutzen bringt. Einen unendlich weiten Weg mußte die seelische Entwicklung ihrer Umwelt zum Idealen gehen, bevor auch den Juden das Recht, Menschen zu sein, zugestanden wurde. Hier sehen wir, welche Rolle in diesem Kampf um ihr Recht die Presse gespielt hat. Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt uns Juden und Judentum als Objekt nichtjüdischer Publizistik. Wir sehen eine Auswahl bedeutsamer Erlasse, die die Rechtsstellung der Juden im Staate regeln. Ferner wird der Einfluß der Publizistik auf das Verhältnis von Juden und Nichtjuden im Staate deutlich, wenn uns die Presse im Kampfe gegen die Juden von ältester Zeit bis auf unsere Tage vor Augen geführt wird. Die Mittel, aus unsachlichen Motiven den Haß gegen das Judentum und seine Bekenner zu schüren, sind sich in den Jahrhunderten der Weltgeschichte ziemlich gleich geblieben. Der gefährliche Einfluß, den die Presse hier nehmen kann, wird an einigen Beispielen deutlich gezeigt. Demgegenüber sehen wir schließlich auch die wertvolle Arbeit, die auch die nichtjüdische Presse, vor allem zur Emanzipationszeit, bei der Erkämpfung der Menschenrechte der Juden geleistet hat. Diesem kulturhistorisch-systematisch aufgebauten Mittelpunkt der jüdischen Presseschau schließen sich besondere Abteilungen an, in denen Entwicklung, moderne Ausbreitung und Bedeutung des judaistischen, hebraistischen und jiddischen Pressewesens vor Augen geführt werden wird. Da die Ausstellung ein Spiegelbild des gesamten jüdischen Lebens sein soll, will sie gewissenhaft vermeiden, einer einseitigen Parteirichtung zu dienen, und Juden und Nichtjuden ein interessantes wesen zusammengefaßten jüdischen Publizistik und ihres Zusammenhanges mit der Vergangenheit und Gegenwart geben. Diese Sonderschau wird in ihrer Beziehung zum Leben auch in zahlreichen Bildern dargestellt und durch alte und moderne Kupferstiche, Radierungen und sonstige Graphik deutlich gemacht und erläutert werden. Zur jüdischen Einwanderung in Amerika. Es isft eine hinlänglich bekannte Tatsache, daß unter den seit 1900 in die nordarnieo-ikaniische Union eingewanderten Europäern die Juden, und zwar vorwiegend (75—60 Prozent) osteuropäische EJiemenite, iein ansehnliches Kontingent isteilen. Weniger unterrichtet dagegen dürfte man über däe berufliche Zusammensetzung der jüdischen Emigranten in ihrer neuen Keimait sein.*) Im ersten Viertel unseres Jahrhunderts wanderten* 1,810.752 jüdische Männer, Frauen und Kinder nach den Vereinigten Staaten aus; ihr Anitei an der Gesamteinwanderung *) Vgl. hierzu die ausführliche Arbeit von Jakob Lestschinsky: Die berufliche Zusammensetzung der jüdföchen Einwanderung in die Vereinigten Staaten 1900—1925. (Weltw. Archiv 1928 I.) JAC. MAYER Eigene Nnfiablelluiig Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 für KuHusbaamte und VarelnsfunkNon&re gegen Legitimation 10'/. Nachlaß