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Die Wahrheit · 1928-05-18 · Heft 20 (18.5.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT miiiiiuitHiininiiimiu^ Seite 5 liehe Grundlage für die Zusammenlegung solcher aus der Vorkriegszeit stammender Stiftungen geschaffen, die wegen der Entwertung ihres Vermögens hinsichtlich ihrer Zweckbestimmung undurchführbar geworden waren. Die einen im wesentlichen gleichartigen Zweck verfolgenden Stiftungen wurden gemäß Artikel 23 des Verwaltungsentlastungsgesetzes vom 21. Juli 1925, B.-G.-Bl. Nr. 277, zu einer „Verwaltungsgemeinschaft" vereinigt. Auf diese Weise sind mit stiftungsbehördlicher Genehmigung aus 280 wertlos gewordenen Stiftungen 12 neue, dem ursprünglichen Zweck möglichst nahekommende, ökonomisch entsprechende Stiftungsvermögenschaften, deren jede für sich eine Verwaltungsgemeinschaft im Sinne des Gesetzes bildet, geschaffen worden. Bezüglich jener aus der Vorkriegszeit herrührenden Zweckvermögenschaften, welche den Charakter von Stiftungen im juristischen Sinne nicht besitzen, das ist bezüglich der Widmungen und Fonds, wurde gesondert das analoge Zusammenlegungsverfahren durch Bildung neuer Fonds durchgeführt. So wurden aus 891 solcher entwerteter Widmungen und Fonds 17 neue Fonds geschaffen. Die Zahl der selbständig bestehenden Zweckvermögenschaften (Stiftungen und Widmungen) beträgt derzeit 75. Die Erträgnisse aller Zweckvermögenschaften — ausgenommen jene, deren Vermögen in Häusern bestehen — betragen gegenwärtig rund S 40.000.—. Die praktischen Auswirkungen der Stiftungsretorm sind: 1. Die Anzahl der von der Buchhaltung der Kultusgemeinde zu führenden Konti reduziert sich von rund 1250 auf derzeit 104. Hierbei sind die in großer Zahl in Verwahrung der Kultusgemeinde befindlichen Widmungskapitalien für Vereine und Anstalten nicht eingerechnet. 2. Die bisher unterbundene Persolvierung der Verleihungs-Stiftungen und Widmungen ist wieder ermöglicht; die für das Spital, das Kinderspital, die Versorgungsanstalt, das Unterstützungswesen und das Unterrichtswesen bestimmten Erträgnisse der Stiftungen und Widmungen können voll erfaßt und der bestimmungsgemäßen Verwendung wieder zugeführt werden. Die Arbeit des Herrn Sekretärs Dr. Stern, welche in überaus instruktiver Weise die Gruppierung aller Stiftungen, Widmungen und Fonds unter Anführung des Griindungsjahres und der Zweckbestimmung verzeichnet und Direktiven für die Verwendung, bzw. Verleihung der Erträgnisse enthält, bedingte sorgfältigste Durcharbeitung des gesamten auf den Gegenstand bezughabenden Akten- und Urkundenmateriales und es ist durch dieses Operat nicht nur ein wertvoller Behelf für die Verwaltung, sondern auch für dereinstige wissenschaftliche und historische Forschungen geschaffen. Was nun die Stiftlingsreform selbst anbetrifft, sei auf folgende Umstände hingewiesen: So befriedigend die Stiftungsreform vom Standpunkte der Verwaltung ist, so betrübend ist die durch sie erhärtete Tatsache, daß das Stiftungswesen seine in der Vorkriegszeit wirksam gewesene wirtschaftliche Funktion als bedeutender Faktor im Haushalte der Kultusgemeinde eingebüßt hat. Wenn wir die Verhältnisse des letzten Friedensjahres, des Jahres 1914, in Betracht ziehen, finden wir, daß die Einkünfte aus den Zweckvermögenschaften (Stiftungen, Widmungen und Fonds) die Aus-, gaben des Gemeindespitals nahezu zur Hälfte, die Ausgaben der Versorgungsanstalt zu einem Viertel und die Ausgaben des Budgetkapitals, „Subventionen für Unterrichtszwecke", zu einem Neuntel gedeckt haben. Würden diese Einkünfte so wie in der Vorkriegszeit gegenwärtig noch in Goldkronen bestehen, so müßten sie für die drei genannten Budgetkapitel allein den Betrag von S 217.959.— ergeben. Tatsächlich beläuft sich jedoch derzeit das Gesamterträgnis aller Zweckvermögenschaften, also nicht bloß jener, die für das Gemeindespital, die Versörgungsanstalt und das Unterrichtswesen bestimmt sind, — wie bereits erwähnt — auf rund S 40.000.—. Das ist ein Betrag, welcher gegenüber einem Gesamtaufwande der Kultusgemeinde von S 6,000.000.— nicht sehr ins Gewicht fällt. Dabei erscheint bemerkenswert, daß von diesen Gesamtstiftungs- und Widmungserträgnissen von rund S 40.000.— der Betrag von S 30.360.— auf solche Stiftungen und Widmungen fällt, die in der Nachkriegszeit errichtet wurden, so daß also gegenüber einem sich im Budget der Kultusgemeinde auswirkenden Vorkriegserträgnisse an Stiftungszinsen von K 550.656 derzeit und nach Durchführung der Zusammenlegungen ein Erträgnis von nicht ganz S 10.000.— auf das so imposante Gesamtkapital der Varkriegsstiftungen und Widmungen entfällt. Die langjährigen und intensiven Bemühungen des Kultusvorstandes, das Gleichgewicht in den Finanzen der Gemeinde herzustellen und aufrecht zu erhalten, waren insofern von Erfolg begleitet, als die aus den Betriebserfordernissen sich ergebenden, teils valorisierten, teils übervalorisierten Ausgaben durch die fortschreitende Valorisation der Einnahmeposten Bedeckung finden konnten. Das Defizit, welches sich aus der Gebarung des Jahres 1927 ergeben hat, und jenes, welches im Voranschlag für das Verwaltungsjahr 1928 aufscheint, wird um so begreiflicher, wenn man sich den großen Entgang an Stiftungs- und Widmungserträgnissen vor Augen hält, der ganz besonders beim Studium des umfassenden Operates des Herrn Sekretärs Dr. Stern aufscheint. Es muß dem Wunsche und der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß sich im Wandel der Zeiten wieder auf das Wohl der Kultusgemeinde bedachte Glaubensgenossen bereit finden werden, durch großzügige Zuwendungen dazu beizutragen, daß das Stiftungswesen der Kultusgemeinde, welches seit jeher auf einen imponierenden Umfang hinweisen konnte, seine frühere Bedeutung wieder erlangt. Indem das Präsidium der Kultusgemeinde den vorgetragenen Bericht dem Plenum zur Kenntnis bringt, beantragt es gleichzeitig, dem Herrn Sekretär Dr. Leopold Stern für seine ausgezeichnete und mühevolle Arbeit den Dank und die Anerkennung des Plenums auszusprechen. Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, der sich an den mühevollen Arbeiten beteiligt hatte, konstatiert, daß Herrn Sekretär Dr. Leopold Stern um so größere Anerkennung des Vorstandes für seine hervorragenden Leistungen gebührt, als dieser über den Rahmen der projektierten Aufgabe hinaus eine Generalstatistik geschaffen hat, die einzig in ihrer Art ist. Sämtliche Mitglieder des Vorstandes bereiteten hierauf Herrn Sekretär Dr. Leopold Stern wohlverdiente Ovationen. Sekretär Dr. Leopold Stern dankt dem Präsidium und dem Vorstande für die ehrende Anerkennung seiner Arbeit auf dem Gebiete der Stiftungen und Widmungen, die er wohl neu, jedoch im alten Geiste, im Geiste der von unseren Vorfahren so hochgehaltenen „Gemilath Chassodim" umgestaltete. Mit Punkt 3 der Tagesordnung „Einschreiten um Bundesbeiträge für die Zwecke der Kultusgemeinde" befassen wir uns * wegen seiner besonders großen Wichtigkeit an leitender Stelle der heutigen Nummer. Vizepräsident Dr. J. Ornstein legte einen Antrag der historischen Kommission vor. wonach die für die Geschichte der Wiener Juden im besonderen, aber auch für das Gesamtjudentum wichtigen Grundbuchseintragungen aus den Jahren 1350 bis 1421 durch Entgegenkommen des Direktors des Stadtarchivs Reg.-RatDr.Stowasser abgeschrieben und vonReg.-RatB. Wachstein wissenschaftlich bearbeitet werden sollen. Diese auch für die Zwecke der Statistik bedeutsame Anregung stammt vom verstorbenen Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s, der sich mit der Angelegenheit wiederholt und zuletzt noch einen Tag vor seinem plötzlichen Tod befaßt hatte. Der Referent ersucht um Bewilligung der für die Arbeit notwendigen Kosten, was einstimmig bewilligt wurde. Die jüdische Sonderschau der Pressa Köln 1928. Auf der eben eröffneten Kölner Internationalen Presse-Ausstellung befindet sich auch ein jüdischer Pavillon, in dem versucht werden soll, die Bedeutung der Publizistik für Judentum und Juden, wenigstens von den bemerkenswertesten Seiten beleuchtet, darzustellen. Zunächst ist eine gedrängte Schau der Schriftmittel und ihrer Entwicklung zu sehen, einerseits die hebräische Schrift, anderseits die Werkzeuge des Druckes von den ersten hebräischen Satztypen angefangen bis zur modernen hebräischen Schreibmaschine; zugleich Produkte dieser Technik, wie die ersten Wiegendrucke (Incunaheln), jüdische Flugblätter aus vergangenen Jahrhunderten und die ersten jüdischen Zeitungen. Die Ausstellung selbst enthält ihrem geistigen Aufbau nach zwei Abteilungen: 1. die jüdische Publizistik und 2. bedeutsame nichtjüdische Publizistik über Judentum und Juden.

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