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Die Wahrheit · 1928-05-11 · Heft 19 (11.5.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 19 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Ihw^^ $efte 5 Reichskanzler Coiistantin Fehrenbach: „Ich halte den wüsten Antisemitismiis für unvereinbar mit chiris'tlichem oder deutschem Geiste." (In einem Brief vom 18. September 1924.) Kaiser Friedrich III.: „Der Antiseiriitismus ist eine Schmach unserer Zeit.'" (Aeußerung in einer Sitzung der Victoria-Invalidenstiftung 1880.) Gustav Freytag: „Die antisemitischen Schreier und Ankläger dieser Tage gleichen in vielen Einzelheiten den unholden Gesellen, welche in England zur Zeit Karls. II. die Menge bis nahe an den Wahnsinn brachten. Richter und Geschworene in Angst um das eigene Leben versetzten. Damals wurden nicht die Juden, sondern die Katholiken als Feinde der Nation verklagt und durch falsche Zeugen auf das Schafott gebracht. Die beschränkten und argen Gesellen, weiche jetzt die Wege der englischen Angeber, der Titus Oates und Dangerfield wandeln, werden in Verachtung vergehen wie diese." (In „Neue Freie Presse" vom 21. Ma'i 1893.) Goethe: Ueber Lessings „Nathan": „Möge zugleich das darin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben!" Freiherr von Hardenberg: „Haß gegen die Juden erregen ist ebenso unpolitisch wie unmoralisch." (Aus einer Polizeiverfügung.) Vatikan: „Ebensosehr, wie er jeden Haß und jede Feindschaft unter den Völkern verwirft, so verwirft der Heilige Stuhl aufs schärfste den Haß gegen das erkorene Volk Gottes, jenen Haß, der im Antisemitismus in Erscheinung tritt." (In einem Dekret der Congregatiio Sancti Oficii.) Professor Dr. Rudolf Virchow: „Der Judenhaß ist der Ausdruck der Unchristlichkeit sogenannter Christen," (In einer Rede, August 1893.) Dr. Windthorst: „Einer der Hauptpunkte, worüber die Juden bei der Verhandlung ihrer Angelegenheit sich beklagen undbeklagen können, ist nach meinem Dafürhalten der, daß man, wenn ein einzelner Jude oder eine Mehrzahl der Juden, ein Teil derselben etwas getan hat, was mit Recht gerügt werden muß, daß man dies verallgemeinert und generell hinstellt, als ob es die ganze Judenschaft träfe. Das ist grundverkehrt und grundverletzend. Wenn man Klagen über einzelne oder über einen Teil hat, so soll man die einzelnen und diesen Teü konkret fassen, aber niemals die Sache generell hinstellen und die ganze Judenschaft verletzen, unter der es die allerehrenwertesten Menschen gibt." (In der Reichtagssitzung vom 2. Juni 1869.) Ernst Zahn: „Juden? Christen? Ich kenne nur Menschen. Aller Pilgerfahrt ist zeitlich, alle gebaren sich, als ob sie ewig wären, und keiner ist sicher, daß er nicht den Weg verfehlt." (Antwort auf eine Umfrage des Volkskraft-Bundes 1920.) Die Wehrpflicht der Juden in der Reformzeit Kaiser Josef II. Unter der Regierungszeit Kaiser Josef II. war Rabbi Gerson Chajes 1780 der Landesrabbiner von Mähren mit dem Sitz in Nikolsburg. Der eifrige Reformer Kaiser Josef II. verfügte nun, daß auch die jüdischen Söhne zum Militärdienst herangezogen werden sollten, was den damals unter den, _Juden herrschenden Anschauungen nicht entsprach. R e b Koppel Theben war in dieser Zeit der Vorsteher der Judengemeinde Preßburg. Dieser überreichte ein Gesuch um Befreiung der Juden in Galizien und Mähren vom Waffendienst. Der Chronist, Ortsgeschichtsschreiber des Landesrabbiners Rabbi Gerson Chajes war Abraham Trebitsch, der Verfasser des denkwürdigen Werkes Korothhuitim, ein Nachkomme aus dem Hause Rabbi.Nachum Trebitsch, mährisch-schlesischer Landesrabbiner, geboren am 14. August 1774, gestorben 4. Juli 1842 auf der Reise nach Karlsbad. Dieses Gesuch, in Reimdichtung von Abraham Trebitsch verfaßt, lautete: Wir sehen dem Tage entgegen mit Bangen, Der endlich gewähre des Herzens Verlangen. Wir standen schon auf in der Mitte der Nacht Und bis Sonnenaufgang hat jeder gewacht. O, wir rezitierten, erhebend die Hände, Die Psalmen vom Anfang bis ganz an das Ende; Und war man damit bis zu Ende gekommen, So wurde sogleich ein da capo vernommen. Wir jammerten, flehten zu Gott für die Seinen, Am Neumonde selbst, wo man nimmer darr weinen. Kaum war das Gebet nur von diesen beschlossen, Begannen's die anderen schon unverdrossen. Und uns're Vertreter begaben sich hin Zu Josef, dem Kaiser, zur Hofburg in Wien. Der Herrscher empfängt sie in Huld und in Ehren, Doch will ihre Bitte er nimmer gewähren. Sie kommen noch einmal mit einem Agenten, Um doch zu erweichen das Herz des Regenten. Vergebens; fortan sind auch Juden Soldaten. Wer sollte da nicht in Verzweiflung geraten? Auch die christliche Orthodoxie war durch . die josefinische Reform in Harnisch geraten, da sie besorgte, daß die Aufnahme der Juden im Heer auf das Christentum entchristlichend wirken könnte. Graf Festetits und Koppel Theben. Pater Wolf und der Landesrabbiner Rabbi Ezechiel Landau in Prag forderten Arm in Arm das Jahrhundert in die Schranken. Wieder ließ der Chronist Abraham Trebitsch in Nikolsburg seine Eingabe in Reimen vernehmen; diese Eingabe lautete: Dem Kaiser gilt jeglicher Menschensohn gleich. Ob vornehm, ob g'ringe, ob dürftig, ob reich. Auch Israel will seine Gnade erheben, Wir sollen nun freundliche Tage erleben: Man darf nicht wagen, den Juden zu schimpfen. Zu necken, zu schmähen und zu verunglimpfen. Ihr Ende erreichen die peinlichen Qualen. Den Leibzoll sollen wir iürder nicht zahlen; In Oesterreich, ja selbst in der Kaiserstadt Wien, Darf Israels Sohn nun die Märkte bezieh'n. Auch steht ihm frei, zu bereisen die Orte, Wo man ihm bisher hat verschlossen die Pforte: Es drohen nun nicht die geringsten Gefahren, Dem Juden in Tyrnau, im Lande der Magyaren. So stürzen zusammen die scheidenden Schranken. Weil Josef, der Kaiser, hat gute Gedanken. Albert L ö w, Wien. UnierridM in deutscher, hebräischer« Italienischer und ungarischer Sprache erteilt iunger Mann nach leicht ff a Blich er Methode zu mäßigem Honorar; auch im Teeach und Talmudfächera wird gründliche Lehre erteilt. E. Frlednann, I!., Herminengasse 11/6.

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