Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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'/ituirt und Litevatuv A. Wendel, Das Opfer in der altisraelitischen Religion, Leipzig 1927, Ed. Pfeiffer, ML 12.—. Mit umfangreichem wissenschaftlichen Apparat wird hier die archaeologisch wichtige Frage nach Ursprung und Sinn des altisraelitischen Opferwesens in Angrifft genommen. Erörterungen, die für die Vorgeschichte des Mosaismus manche reizvolle Spur aufdecken, aber doch zugleich auf den ursprünglichen Volkscharakter Israels Streiflichter werfen, die der Aktualität auch für die Gegenwart nicht entraten. Der Verfasser sagt S. 201: „Der Protestant bezeugt seine Frömmigkeit in einem frommen Lebenswandel, der Katholik in gehorsamer Treue gegen die Kirche, der Israelit — freilich nicht allein, sondern die meisten antiken Völker ihm gleich — in der Opferpraxis." Man traut seinen Augen kaum. Als ob nie ein israelitisches Prophetentum mit glühendem Eifer solcher Ueberschätzung des Opferwesens entgegengetreten wäre, als ob es seit der Einstellung des Opferdienstes keine Fortentwicklung des Judentums gäbe und nicht — christliche — Sachverständige, wie Herford u. a., darüber ganz anders geurteilt hätten, wird jenen beiden religiösen Typen das Judentum als Opferkult gegenüber gestellt! Aber auch gegen die Auffassung des altisraelitischen Opferwesens haben wir Einwendungen zu erheben. S. 153 liest man: „Die erste Wurzel des Menschenopfers ist eine genuinisraelitische". Nun ist anzuerkennen, daß nicht das Opfer Abrahams und die Jephtageschichte herangezogen werden. Daß aber Ex. 22, 28 und 34,20 nicht von Menschenopfern sprechen, sondern von dem Priesterdienst der Erstgeborenem, der nach der Sünde am goldenen Kalbe ausschließlich dem Stamme Levi übertragen wurde, und der dem Priester für jeden Erstgeborenen zu zahlenden Löse, sollte doch nach dem Wortlaut der Schrift selbst keiner besonderen Betonung bedürfen. So sonderbar sind die Wege dieser Bibelerklärer, daß S, 156, II. Reg. 3, 27 kommentiert wird: „D. h. nun wütete Kemosch mit seinen Streitern, neu gestärkt, gegen seinen Feind Israel." Dr. G. Vom Handbuch der Philosophie, herausgegeben von 0. Bäumler und A. Schröter, Druck und Verlag von R. Oldenberg, München 1927, erschienen folgende Lieferungen: Erkenntnistheorie. Prof. Dr. Friedrich K u n t z e (Berlin). In knapper und präziser Form bringt der Verfasser eine Darstellung der Entwicklung derjenigen philosophischen Theorien, die sich mit der Frage der Art und Weise, sowie der Zuverlässigkeit des menschlichen Erkenntnisvorganges beschäftigen. Indem er uns die Entstehung und Weiterbildung dieses Grundproblems aller Philosophie vor Augen führt, bietet er uns auch eine Einführung in die Philosophie, zu deren wichtigsten Teilen ja gerade die Erkenntnistheorie gehört. Die Gedankenwelt des chinesischen Kulturkreises, Prof. Dr. Alfred J o c k e - Hamburg. Die Darstellung der „Gedankenwelt des chinesischen Kulturkreies" bildet den ersten Versuch einer systematischen Wiedergabe der philosophischen Probleme, welche den chinesischen Geist bewegt haben. Indem sich der Verfasser in seiner tiefgründigen und ungemein objektiven Darstellung bemüht, die chinesischen Denker selbst für sich sprechen zu lassen, gibt er uns ein viel lebensvolleres und anschaulicheres Bild jenes merkwürdigen und fremdartigen Geistes der chinesischen Philsophie als dies die bisherigen Darstellungen der Sindogen vermochten. Philosophie des Geistes, Professor Dr. Emil W o 1 f f (Hamburg). Die Arbeit des bekannten Gelehrten, welche den vierten Abschnitt des zweiten Bandes des „Handbuches der Philosophie" bildet, geht von Hegel, dem Philosophen des Geistes, aus und kehrt, nachdem sie einen weiten Weg über die ganze Geistesphilosophie durchmessen hat, wieder zu Hegel zurück. So bietet sie uns mehr als eine bloße Darstellung des „Philosophen des Geistes", sie führt uns den Geist des Philosophen selbst vor Augen. L. Gulkowitsch: Der Chassidismus. Leipzig, 1927, Ed. Pfeiffer. Diese tief eindringende Darstellung der Anfänge des Chasidismus hat nicht nur historischen Wert. Sie dient auch nicht allein zu besserem Verständnis einer religiösen Bewegung, die gegenwärtig einen sehr großen Teil des Ostjudentums und in weiterer Auswirkung der Juden des nächsten und fernsten Westens beherrscht. Dem Verfasser selbst will es vielmehr „scheinen, daß jede tiefgreifende Erneuerung des alten Judentums aus dem Geiste heraus zu erfolgen haben wird,_den der reine Chassidismus hat verbreiten wollen." Somit handelt es sich hierbei, um die Zukunft des Judentums. Wir werden durch die lichtvollen Darlegungen dieser Studie nur in der schon früher vertretenen Ueberzeugung bestärkt, daß der Chissidismus in seinem Kern nichts völlig Neues erstrebt und erwirkt, als die Verinnerlichung des Judentums, die von älteren Wecken, wie dem Scheloh, dem Menorath hamaor und ähnlichen, in Fortsetzung uralter jüdischer Gedankengänge auf den Schild erhoben wird. Daß diese Erbauungsliteratur auch unter der Herrschaft des Rabbinismus eifrig gepflegt wurde, daß sie besonders eine Domäne der Frauen bildete und die Stimmung vor allem an den hohen Festen inspirierte, verdient eben so hervorgehoben zu werden, wie man dem religiös-ethischen Wert des „Lernens", der Disziplinierung des jüdischen Lebens durch eine restlose Durchsetzung mit Tora, mehr gerecht werden sollte, als es der Verfasser tut. Im übrigen wäre noch für die Religionsgeschichte ein Moment nachzutragen, das wir hier vermissen. Nie hat das Judentum der Diaspora sich geistig so streng gegen seine Umwelt abgeschieden, daß man nicht ähnlich wie bei der mittelalterlichen Mystik, auch beim Chassidismus an eine Wechselwirkung mit christlichen Bewegungen denken düirfte. Wer die Klosterszene in Dostojewskis „Die Brüder Karamasoff" liest, wird unwillkürlich darauf hingeführt. Daß das Beiwort „hechassid" den Rabbinern mancher Gemeinden, z. B. im Burgenlade, beigelegt wurde, verdient gleichfalls Beachtung. Dr. G. Jüdische Schwanke, herausgegeben von Max Präger und Siegfried Schmitz, R. L ö w i t - Verlag, Wien—Leipzig. Die Sammlung jüdischer Anekdoten, Witze und Schwänke, welche hier geboten wird, will mehr, als dieses große Gebiet um ein Exemplar bereichern; sie will auch etwas anderes. Der jüdische Witz ist in der ganzen Welt berühmt und jeder Witz gewinnt in den Augen der Leser und den Ohren der Zuhörer an Qualität, wenn er sozusagen jüdisch frisiert wird. Das geschieht zumeist, indem den vielen Themen des Witzes ein mehr oder weniger unmöglicher Jargon angehängt wird. Nun repräsentiert der Jargon nicht das Wesen des jüdischen .Witzes: es gibt wirklichen jüdischen Witz, der geboren ist aus der starken dialektischen Begabung der Juden, aus ihrer geradezu schrankenlosen Assoziationsfähigkeit. Dieser echte jüdische Witz hat die Witzliteratur aller Völker befruchtet und ihr eine Anzahl von unsterblichen Witzthemen gegeben. Die vorliegende Sammlung versucht, den echten jüdischen Witz wiederzugeben. Sie hat aus dem Witz der jüdischen Masse geschöpft und bringt seine vielfältigen Nuancen, wie sie das Leben schafft und das Zusammenleben von Menschen derselben Gruppe formt und modelt, zu ursprünglicher Darstellung. Sie erzählt von Geschäften und Fahrten, von Bettlern und Heiratsvermittlern, von der Weisheit des Rabbiners und den Schelmenstreichen der Schalknarreri, von der großen Welt und vom Dorf, vom Diesseits und Jenseits. Im Spiegel des bezwingenden jüdischen Humors gibt sie dem Leser befreiende Heiterkeit, allen seinen Situationen und Fährnissen gewachsen, sie mit dem Humor des echten jüdischen Optimismus überbrückend. Jede dieser Geschichten weckt herzliches Humors. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, Band XIII, Frankfurt, 1927, J. Kauffmann. Ein sehr lesenswerter Aufsatz von Stein, über die Zehn Gebote eröffnet diesmal die Reihe der durchwegs inhaltsreichen Beiträge, unter denen für Wien besonders eine Arbeit von Gelber über Oesterreich und die Damaskusaffäre 1840, für Mähren einige kleinere Abhandlungen von F1 e s c h, in Betracht kommen. Der Jahrgang, von Bondi herausgegeben, schließt sich den früheren würdig an. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, 1927, Berlin, M. Poppelauer. Aus der Fülle beachtenswerter Beiträge des auch diesmal wertvollen Jahrbuches seien besonders hervorgehoben Bergmann: Wie unsere Familiennamen entstanden sind; S. Bernfeld: Achad Haam; Bab: Die Juden in Amerika spanischer Zunge. Wieder eine Auslese gediegener Arbeit. Uerbugt ii W& m. Je mn