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Die Wahrheit · 1928-05-04 · Heft 18 (4.5.1928) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 18 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT fiiiininniiiiiifmininmiiimmniintiniiiiniiiiiiiHiiiiitiiiiiiinifiiinmiiiniiiiiiH Seite Ii kleinsten und ältesten Rasse, der wallisischen, fühle er sich glücklich, in der Mitte der Juden zu weilen und ihnen zu der wohltätigen Einrichtung eines jüdischen Hospitals ein „Masel-Tow" zu wünschen. Ein Verein, den man gründen müßte. Man könnte glauben, es hieße „Eulen nach Athen" oder „Zauberer nach Mizrajim" führen, wenn man vorschlagen würde, in Wien, in der Stadt der Vereinsmeierei, noch einen neuen Verein zu gründen. Dennoch, es fehlt uns hier an einem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, wie solch einer in Deutschland so mustergültig arbeitet. Es sei mir erlaubt, in den Spalten dieses Blattes in kurzem UmriB auf die Notwendigkeit eines solchen Vereines hinzuweisen. J e größer die wirtschaftliche Deklassier ung des Wiener jüdischen Kaufmannsstandes ist, um so mehr* muß er auf Reisen in die Provinz gehen. In der österreichischen Provinz ist es aber, mit Ausnahme des Bürge n 1 a n des, sehr schlecht um rituelle Speisehäuser gestellt. Sehr lebhaft wird dieser Mangelauch in den österreichischen Sommerfrischen empfunden. Heute ist jener Tei der Wiener jüdischen Bevölkerung, der auf rituelles Leben etwas gibt, auf die wenigen .Sommerfrischen beschränkt, wo ein rituelles Restaurant existiert. Diese Beschränktheit der Auswahl erzeugt eine solche Teuerung und eine derartige Massi'erung von Erholungsuchenden auf einige wenige Plätze, daß infolge dieser Umstände die Erholung sehr beeinträchtigt wird. In einer Periode, wo alle maßgebenden Faktoren in Oesterreich der Ansicht sind, daß die Wirtschaftslage in Oesterreich nur durch die Fremdenindustrie zu sanieren wäre, in einer Periode, wo der Ausbau der Erholungsstätten und Sommerfrischen in Oesterreich 'eine erhöhte Aufmerksamkeit beansprucht, würde jener Teil des jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, der den Traditionen der Väter Treue bewahrt, gut tun, durch Selbsthilfe — durch Förderung ritueller Speisegelegenheit — sich eine Möglichkeit der Erholung dort zu suchen, wo sie billig und erfolgversprechend zu finden ist. Es wäre verfehlt, die Lösung dieser Frage ausschließlich der Privatini t i a t i v e z u überlassen. Es gibt noch immer einzelne Landesregierungen, die Gänsehaut kriegen, wenn von der Erteilung eine Konzession für rituelle Speisehäuser die Rede ist. Einzeln© Petenten werden gegen diese Angst mancher Behörde vor Verjudung nicht aufkommen. Eine gutausgebaute Organisation jedoch würde schon mehr erreichen. Außerdem könnte so ein ritueller Speiseverein auch auf die Preise, wie auf die Beschaffenheit des Kaschruth einen wesentlichen Einfluß ausüben. Also, nur keine Angst, wenn schon so viele Vereine in Wien ihr Dasein führen, so glaube ich, daß es durchaus am Platze wäre, wenn die Wiener glaubenstreue Judenschaft sich im eigensten Interesse für einen Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Oesterreich einsetzen würde. Ein Familienvater. Die Armut unter den Juden Warschaus. Mehr als 20.000 Juden Warschaus haben bei der jüdischen Gemeinde um eine Pessach-Unterstiitzung angesucht, die ihnen gewährt worden ist. Solche Unterstützungen wurden außer durch die Gemeinde auch durch das zentrale Rettungskomitee und andere philantropische Vereinigungen gewährt. Durch die Vermittlung der Gesellschaft H I A S haben amerikanische Juden an ihre unbemittelten Verwandten in Polen 200.000 Dollar als Pessach-Aushilfe übermittelt. Von dieser Summe entfielen allein auf Warschau rund 50.000 Dollar. rrahrtninA Frieflli|iir t intsi Iii nll ilrlllr T«l. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. 98-0-85 Kein Jude am Zarenmord beteiligt. Im Verband russischer Advokaten in Paris hielt das frühere Mitglied der Regierung des weißgardistischen Generals Koltschak, M. Starinkewitsch. der der Untersuchungskommission zur Erforschung der Umstände der Ermordung des Zaren Nikolaus und seiner gesamten Familie in Jekaterinburg im Jahre 1918 zugeteilt war. ein Referat über die Ergebnisse dieser Untersuchung und erklärte, die Untersuchungskommission habe ausdrücklich festgestellt, daß Kapitän Serge je w, der die Exekution geleitet hat, in keiner Weise von Juden abstammt. Auch sonst war keiner der an der Exekution Beteiligten ein Jude oder Judenstämm- 1 i n g. Es ist auch nicht wahr, daß an den Wänden des Hauses, in welchem die Exekution vonstatten ging, Aufschriften in Jiddisch vorgefunden worden waren. Ueberhaupt haben sich alle in Verbindung mit dem Zarenmord gegenüber den Juden erhobenen Beschuldigungen als vollkommen grund- 1 o s erwiesen. „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" Die Moskauer Zeitung „Prawda" widmet zwei Spalten dem Problem des wachsenden Antisemitismus unter den russischen Kommunisten und findet es besorgniserregend, daß jüdische kommunistische Arbeiter in den Fabriken von ihren Arbeitskollegen mißhandelt worden sind. Den jüdischen Arbeitern wird das in Rußland verbotene Wort „Z s i d' (herabsetzender Ausdruck für „Jude") zugerufen, auch die alte Parole „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" wird wieder lebendig. In Charkow haben drei Führer der lokalen kommunistischen Kooperative eine scharfe antisemitische Proklamation veröffentlicht. In Moskau schrieb der kommunistische Beamte Kolbasin an seinen jüdischen Nachbar Rosenbaum: „Denkt an die alten Pogrome und gebt acht, daß ich nicht eure Federbetten aufschlitze und die Federn fliegen lasse!" — „Prawda" begleitet die Mitteilung dieser Tatsachen mit einem Kommentar, in welchem sie das Steigen des Antisemitismus auf die wirtschaftliche Lage, die Konkurrenz des Privathandels, die Wohnungsnot und die jüdische Konkurrenz in den Büros, in denen Juden in großer Zahl sitzen, zurückgeführt... Aber — ein Denkmal für jüdische Pogrom-Opfer! Die kaukasischen Sowjetbehörden haben beschlossen, den im Jahre 1918 während der vom Heer des weißrussischen Generals Schkuro in den Städten Mazdak und Houts c h u k veranstalteten Pogrome getöteten kaukasischen Bergjuden ein Denkmal, zu setzen. In diesen Pogromen ist der größte Teil der jüdischen Bevölkerung dieser Städte abgeschlachtet worden. FLE ISCHH AUEREIL SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BepggassB 15 und XVIII., HahringirstraßB 97 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen jg Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von g 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in g Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kohlen- und Koksgrofthandlung Für Tempel- und Wohlfehrtsvereine Ansnahnspreiae Wien IL, Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. R 41-0-22 Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376

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