Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite & jminiiiiajinimnjD DIE WAHRHEIT?*, «A> r-r i*» * i£ , ■ 'S* *i .v *■ f I«* •\t w l*.? MX 'Üb det Uniön-'cleutreh'CStavvcicKiffchcv Juclei%< ______/ (ibf^pcukas§e^ Hwqyatt* 4 TeUjcn:19'2'77 t*?;-su-i,_ . Judenreine Sommerfrischen. Die biederen Herbergsväter vom Land haben sich heuer wieder zu einer recht stattlichen „Einheitsliste" (die wir weiter unten veröffentlichen) zusammengefunden: ihre Gasthöfe müssen während des .Sommers judenrein bleiben. Sie handeln oft im Vollzug jeweils statuierter Gemeinderatsbeschlüsse, geben also nicht nur ihren persönlichen Antisemitsmus kund, sondern gleich den des ganzen Nestes, in dem sich ihre Wirtshäuser befinden. Zumeist ist ja irgendein Wirt in diesen Zwerggemeindewesen der Herr Bürgermeister, den die übrigen Wirte als Gemeinderäte flankieren — die frühsommerliche Arierabstimmung vollzieht sich also regelmäßig widerspruchslos und stimmeneinhellig. Die impertinenten Bemerkungen, wie: „Juden sind ungebetene Gäste" oder „An Juden wird keine Antwort erteilt" oder „An Nichtarier werden Speisen und Getränke nicht verabfolgt" oder „Hunden und Juden ist der Eintritt verboten", wachsen aber nicht auf dem Mist dieser Dörfer, sondern sie sind Reinkulturprodukte zahlreicher durch das Hakenkreuz als Symbol gekennzeichneter Schreibstuben in Provinzstädten und vor allem der Arierhochburgen in Wien, wo besonders gescheite, gebildete, wohlerzogene und feingesittete Heilbrüder nach monatelangen Entwürfen und oft verworfenen Manuskripten denn doch zur endgültigen Fassung dieser Sudelschriften kommen. Die antisemitische Fertigware wird an Interessenten verschickt und dient den arischen Sommerfrischen als feierlich genehmigtes Propagandamittel. Diese antisemitische Verhetzung ist nicht nur eine freche Beleidigung der Juden, die die Unvor- Niederösterreich. Asssbach-Markt, Wachau. („Nur an Katholiken.") Emmersdorf a. d. Donau, Wachau. („Nur Arier.") Gobelsburg am Kamp. Mank. (Gemeinderatsbeschluß, den „Aufenthalt jüdischer Sommerfrischler nicht zu dulden.") Schablingkirchen a. d. Aspangbahn. Schönberg am Kamp. (Im Jahre 1925 antisemitische Exzesse.) Türnitz. Ybbsitz. Oberösterreich. Aigen im Ennstal. Altmünster. (Pension Dr. Müller.) Eferding. (Laut Gerneinderatsbeschluß Aufenthaltsdauer für „Nichtarier" auf 24 Stunden beschränkt.) Frankenmarkt Freistadt St Georgen im Attergau. (Der Gasthof „B a u e ir n - L ö c k n e r" inseriert: „Nur christliche- Sommergäste erhalten Unterkunft"). Goisern. (Hotel Post.) sichtigkeit begehen, einen Urlaub in judenfrei zu haltenden Sommerfrischen Oesterreichs verbringen zu wollen, sondern auch aller Kulturmenschen, die ihre Erholung in irgendeinem friedlichen Ort suchen und finden wollen und nun auch außerhalb des politisch verseuchten Stadtgetriebes Zeugen roher Gewaltakte, lausbübischer Verordnungen und roher Exzesse werden müssen. Die Waffe, die der anständige, erholungsbedürftige Wiener gegen die Pöbeleien der arischen Herbergsväter und Bürgermeister samt Gemeinderäten anwenden muß, ist die tiefste Verachtung. Gönnt der Beschränktheit das bißchen Freude und meidet die Sommerfrischen mit Arierparagraphen; mögen es auch mitunter landschaftlich reizende Flecken sein — das Opfer muß eben gebracht werden. Die Dreschflegel mit eingebrannten Hakenkreuzen sollen unter sich bleiben. Es ist ja traurig genug, daß viele sehr stark besuchte Sommerfrischen in Oesterreich bis Mitte Juni radikal antisemitisch, von Mitte Juni bis Mitte September verlogen judenfreundlich — Judengeld ist eben doch auch Geld — und vom halben September an wieder radikal antisemitisch sind. Eine der großen Lügen, die mit allem übrigen Konventionellen in Kauf genommen werden muß. Aber dort, wo der Haß unverfroren plakatiert, wo der Anstieg zur Schutzhütte durch Hakenkreuze markiert, wo die Schutzhütte selbst mit antisemitischen Radaukundmachungen bekleckst wird, dort haben friedliebende Elemente nichts zu suchen. Die arischen Sommerfrischen sind eine „Einheitsliste", die so wie die politische nicht gewählt werden darf. Guttau bei Kefermarkt, Mühlviertel. Hansberg, Post St Johann im Mühllviertel. („Nur christliche Gäste erwünscht") Lambach. (Hotel M e n s c h i k.) Mattighoien. Micheldorf. (Pension H ai ndl.) Neuhaus a. d. Donau. (Gasthof Ernst) Neuhofen a. d. Krems. Nußdorf am Attersee. Obermühl a. d. Donau. Reichenthal, Mühlvie<rte.l. („Nur Arier.") Scharnstein im Almtal. (Pension H © r r n s t r a ß.) Schödling am Attersee. (Alle Wirte, mit Ausnahme des Gasthofes „Blaue Traube".) Spital am Pyhrn. (Im Gasthof „Zur Pos t". Eigentümer Grundner, in der Einfahrt Inschrift: „Juden nicht ©rwünscht"; weiters Villa Schwarzenberg.) Traunkirchen. (Hotel „Am Stein".) St. Veit, Mühlviertel. („Nur für Arier.") Vorderstoder. (Steinerwirt.) Wallern bei Schallerbach. (Gasthöfe Eberstaller und Renner.) Wartberg a. d.- Krems.