Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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OLE WAHRHEU iMüie i alle Zeit zur freien Verfügung, bis von 7 bis 8 Uhr sich alle zur gemeinsamen Schularbeit einzufinden haben: um 8 Uhr gehen die Jüngsten zur Ruhe und um 9 Uhr die Aelteren. Ich denke, es ist eine sehr glückliche Lösung des so schweren Problems jeder Anstaltserziehung. Hinzu kommt, daß der Gesundheitszustand der Kinder dieses Heimes bei weitem der beste aller amerikanischen Institute ist, was teils an der guten Luft, teils an der wirklich vorzüglichen Ernährung liegt. Wir haben unser eigenes Krankenhaus und einen Arzt» der einmal wöchentlich kommt; ein häufigerer Besuch ist nicht erforderlich, da wir in Notfällen einen in Pleasantville ansässigen Arzt in wenigen Minuten bei uns haben können. Auf Sauberkeit, diesen wichtigsten Faktor gesunder Körperentwicklung, wird großes Gewicht gelegt: obligatorisch ist zweimaliges Baden wöchentlich unter Aufsicht, doch können die Duschen zu jeder Zeit nach Wunsch von den einzelnen Kindern benutzt werden. Alle Wäsche wird überaus häufig gewechselt und in eigener Wäscherei gereinigt Es sei übrigens bemerkt, daß die Kinder keine Anstaltskleidung tragen; das Institut liefert wohl die Anzüge und Kleider, doch wählen die Kinder Farbe und Machart nach ihrem eigenen Geschmack. Der Sorgfalt für die äußere Wohlfahrt entspricht die religiöse und ethische Erziehung der dem Institut anvertrauten Jugend; die religiöse Erziehung ist wohl keine streng orthodoxe, doch eine absolut jüdische. Wir haben rituelles Essen, wöchentlichen Gottesdienst am Sabbath und sehr stimmungsvolle Freitagabende, aber auch sonst ist für das seelische Wohl der Kinder das denkbar möglichste getan, um ihnen eine frohe, schöne Jugendzeit zu geben. Jede Cottage hat ihre eigene Bibliothek von etwa 200 Büchern sowie eine Tageszeitung und mehrere Wochenzeitschriften. Einmal in jeder Woche ist Kinovorführung, und verschiedene Klubs, die sich gebildet haben, haben ihre eigenen kleinen Vergnügungen, wie etwa einen Ausflug in die nähere Umgebung, Sportkämpfe und dergleichen. Zweimal im Monat ist für die Größeren Tanz nach der Musik unserer eigenen Kapelle, gebildet aus den Zöglingen der Anstalt; außerdem hat jede Cottage ein Grammophon, viele ebenfalls Klavier und Radio. Durch besondere Stiftungen sind den Kindern Fahrten nach New York, ermöglicht, teils zur Besichtigung von Museen, teils zur Teilnahme an wichtigen Sportspielen oder Theateraufführungen. Im Sommer sind Fahrten zum Badestrand etwas Herrliches für alle; Gelegenheit hierzu bietet die Nähe des Meeres; und für die Aeltesten findet einmal jährlich eine mehrtägige Reise statt, z. B. nach Philadelphia, Washington oder ähnlichen wichtigen Städten Amerikas. Diese Fahrten werden meistens kurz vor der Entlassung dieser Kinder veranstaltet; es sei erwähnt, daß wir in New York ein uns angegliedertes Institut haben, das Unterkunft und Stellungen für diese Zöglinge beschafft und ihnen auch auf ihrem ferneren Lebenswege mit Rat und Tat zur Seite bleibt. Wie das ganze amerikanische Staatsleben auf dem Prinzip der Demokratie beruht, so ist auch die Erziehung in dem Waisenhaus der Hebrew Sheltering Guardin Society auf demokratischer Grundlage aufgebaut; die Jungen und Mädchen sollen zu selbstbewußten, amerikanischen Staatsbürgern erzogen werden. Alle nationalen Verschiedenheiten ihrer Herkunft und Abstammung werden verschmolzen zu dem hohen Ziel: „amerikanischer Bürger". Die Kinder wählen sich einen Präsidenten, Vizepräsidenten, Schriftführer und Kassenführer, und zwar die Knaben je einen aus ihrer Mitte, die Mädchen desgleichen, insgesamt 8 Führer. Diese tagen einmal im Monat und berufen dann eine Versammlung aller ein, in welcher jeder seine Meinung äußern, Fragen stellen sowie Vorschläge zur Verbesserung machen kann. Ebenso wählt jede Cottage aus ihrer Mitte drei Kinder, die neben der Cottage-mother verantwortlich sind für das Wohl der Cottage, und auch als Repräsentanten ihrer „Familie" gelten. Kann man sich ein gesünderes, froheres Leben für diese Kinder denken? Ich glaube, daß dieses Waisenhaus in Pleasantville, das teils aus Staatsmitteln, teils aus Stiftungen seine Mittel erhält, die schwierige Aufgabe eines solchen Institutes in hervorragender, vorbildlicher Weise gelöst hat. Gtossen. Bela Kun, an diesen fluchbeladenen Namen knüpfen sich grauenhafte Erinnerungen aa blutige Schandtaten, deren Opfer zweifach gerade — Juüen waren. Die kommunistischen Bestialitäten, deren Schauplatz Ungarn war, haben zahlreiche unschuldige Juden am eigenen Leib erfahren. Das hinderte aber nicht, daß die Erwachenden später in diesen Greueln den dankbaren Vorwand suchten unu fanden, ihre Bestialität wieder an unschuldigen Juden austoben zu lassen. Die Juden, die Opfer des roten wie des weißen Terrors waren, haben daher doppelt ursacne, mit Abscheu und (Jrauen alles von sich zu weisen, was mit diesem blut- und schmachbedeckten Namen in Verbindung gebracht wird. Diesen Namen mögen nur jene von unstillbarem flaß beseelten Menschen gerne hören, denen es eine Wonne ist, bei dieser Gelegenheit daran erinnern zu können, daß Bela Kun als Jude geboren wurde. * Ein belauschter Dialog. — „Na, wie geht's lieber f reund? Haben Sie schon alles vermietet?" „Hm . . . das könnte ich g'rad' nicht behaupten . . ." i — „Verschicken Sie de-nn heuer keine Prospekte?" „Wissen Sie, lieber Freund, ich habk das heuer unterlassen ... Es ist zu ärgerlich, wenn man nicht das tun kann, was man tun möchte . . — „Wie soll ich das verstehen?" „Nun, voriges Jahr hat's bei mir geheißen: .Israelitische Gäste sind unerwünscht.' Nach dem, was ich erfahren, sind mir aber, meiner Seel", wirklich nur noch die — antisemitischen Gäste unerwünscht." * „. * * Die reichsdeutschen Hakenkreuzler haben sich nicht begnügt, Herrn von Hühnefeld, den mutigen Ozeanflieger, als deutschen Helden zu feiern, sie versuchten seinen Erfolg auch zu einer antisemitischen Hetze auszubeuten. Kein Jude und kein Juden stamm - ling, nur ein Arier, jubelten sie, sei solcher kühnen Taten fähig! Wie ßileam, der Israel zu fluchen auszog und es segnen mußte, so ist es den antisemitischen Herren mit Herrn von Hühnefeld ergangen. Dank dem Interesse, das für die Abstammung des ruhmgekrönten Helden geweckt worden, ergab sich, daß seine Mutter eine unverfälschte Jüdin gewesen. Die genealogischen Forschungen haben den Antisemiten, auch wenn man nicht bis an die Uranfänge des Christentums zurückgeht, nicht immer Glück gebracht. Ego. § KleiderkreditZahlbar eines 5 ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ £| Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! 5 ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ ■ Telephon A 21-501 Ottakrlngerstrafle 17 Telephon A 21-501 5 ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■0 ihui. Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon 80-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80