Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 imm [[mnrnmmimmumnniimHnnutiunmiünHimnninnnmummHmmnimnimnitniminmnnnnmiinMiHiini) pn? WAHRHEI I Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein (Spr. 26, 27). Unrecht Gut gedeihet nicht (Spr. 16, 2). Hochmut kommt vor dem Fall (Spr. 16, 18). Seinen Mut an jemand kühlen (2. B. M. 15) und andere mehr. Aus der Bibel sind in den Volksmund gedrungen: „so alt wie Methusalem" (er wurde 969 Jahre), „ein Jäger wie NimrocT, eine „Rotte Koran", ein „Tohuwabohu" ein wüstes Durcheinander, wie „Sodom und Gomorrah", die „Krethi und Plethi", ursprünglich die die Leibwache Davids bildenden Leute, „Schibboleth", wörtlich Aehre, als Erkennungszeichen, im Richterbuche 12, 6. „Beelzebub" Fliegengott im 1. Kapitel des 2. Königsbuches. „Jubiiäum", um 1800 von Papst Bonifatius III. in der christlichen Kirche eingeführt und auf weltliche Feiern übertragen, hat seinen Ursprung in dem „Juberhorn Widderhorn, durch dessen Posaunenschall (3. B. M.) das je und je 50. Jahr, das Erlaßjahr, eingeleitet wurde. Die Ableitung aus dem lateinischen jubilare ist falsch. Durch Judendeutsch wurden viele andere ursprünglich hebräische Wörter in das Deutsche eingeführt. In den ältesten Glossaren (1510 „Uber vagaborum" u. a.) finden sich schon: acheln essen; beschöckern trinken (heute schickern, beschickert;) lechen Brot; bossart Fleisch; Kaffer Bauer; doff gut (heute spricht man von einem „duften" Jungen); Schmiere stehen Schildwacht stehen beim Stehlen; kiesein beutelschneiden (der Geldbeutel, heute Kies Geld; wie Moos Geld); Klufft Rock; Schicksele Magd, Mägde (die Verächtliche, heute „Schickse"); Dalles Armut; Pleite gehen-, hebr. die Flucht (durch die man sich dem Unheil entzieht, daher als abgeleitetes Mauschelwort Pleitegeier); flöten gehen pleite gehen; Kohl in der Bedeutung: jemand ankohlen, Kohl Unsinn; Schaute. Dummkopf; Stuß Unsinn; Fratze Gesicht; mole sein in der Bedeutung betrunken sein voll sein (das ist mit Bier). Da die räumliche Beschränkung nicht gestattet, alle in Frage kommenden Wörter und Sinnsprüche aufzuführen und eine eingehende geschichtliche Entwicklung und Erklärung zu geben, so mögen die angeführten Tatsachen wenigstens genügen, um die Aufmerksamkeit auf. diese hebräischen Bestandteile hinzulenken und festzustellen, daß nicht nur der Kabarettkünstler mit „jüdischen" Wörtern hantiert, um seinen Witz zu würzen, und doch immer in das Komische eine gewisse Verächtlichkeit dadurch hineinzubringen, sondern daß mehr oder minder hebräische Bestandteile, obwohl sie heute von dem Laienpublikum als solche nicht mehr erkannt werden, sich in der Sprache des deutschen Volkes durchgesetzt haben und darin behaupten. Hans J. Salomon, JAC MAYER EUene HaOalileilwd Ein Tag im Waisenhaus zu Pleasantville (New York). Von Erna Cronheira. Cottage mother in Pleasantville. An einem sonnig-schönen Tage bestiegen wir am New Yorker Hauptbahnhof die Eisenbahn, die uns in bequemer, schneller Fahrt in einer Stunde nach Pleasantville bringt. — Voll Freude atmen wir die reine Luft ein und wandern die Landstraße entlang, bis rechts ein wohlgepflasterter Weg abzweigt, bei dessen Betreten wir auf dem Grund und Boden des Institutes der Hebrew Sheltering Guardian Society angelangt sind. — Häuser mit roten Ziegeldächern, die sich aus dem Grün der Wiesen und Bäume abheben. — Wir denken schon, auf falschem Wege zu sein, denn wie ein Waisenhaus im herkömmlichen Sinne sieht es denn nun wahrlich nicht aus. Doch wir gehen den Hauptweg hügelan und auf der Höhe angekommen, bietet sich uns ein herz/erfreulicher Anblick: ein weiter Rasenplatz, umrandet von den entzückenden „Cottages", dahinter ein weiter Ausblick über die wundervolle Landschaft, und wohin man blickt, spielende, frohe, ausgelassene Jugend — Jungens und Mädels im Alter von 8% bis 16 Jahren. Es ist ein Bild, das man so leicht nicht vergißt. Wie verläuft nun ein Tag in einem solchen Institut mit 300 Kindern? — Löst doch schon die Zahl 300 den Begriff von Massenbetrieb in uns aus. — Aber eben diese Schwierigkeit ist in Pleasantville hervorragend gelöst durch das Cottage- System, indem in jeder Cottage 24 Kinder, Knaben oder Mädchen, unter Aufsicht einer Erzieherin, Cottage-mother genannt, untergebracht sind: es mutet an wie eine kleine Familie', die nun naturgemäß für ihre eigene Häuschen aufzukommen hat. Bevor wir zum Tageslanf übergehen, sei hier versucht, das Innere des Hauses zu beschreiben. — Von der überdachten Veranda aus treten wir ein und haben, von der Halle ausgehend, zur Rechten den Eßsaal, zur Linken das Wohnzimmer, geradeaus die Küche; im ersten Stock zwei Schlafsäle, einen großen Waschraum mit Toiletten sowie das Zimmer und Badezimmer der Cottage-mother, im zweiten Stock sowie im Erdgeschoß außerdem drei Wohnräume für andere Angestellte des Institutes, und endlich im Keller Schuhraum, Schränke der Kinder sowie einen großen Raum für Spielen im Winter und an Regentagen. Alle Räume sind groß, hell und luftig, mit geschmackvollen Gardinen und sehr wohnlich anmutend durch vielerlei Bilder, Blumen und sontigen Schmuck. Ist nun aber auch die äußere Umgebung in Einklang gebracht mit der übrigen Lebensführung dieser Kinder, welchen dort Heim und Eltern ersetzt werden sollen? Wir wollen seh'n. Um 6.30 Uhr bläst es zum Aufstehen und kurz vor 7 Uhr versammeln wir uns alle zum Frühstück, das von 2 Kindern bereitet worden ist. Nach der Mahlzeit geht jeder an seine bestimmte Arbeit im Hause, um 8.30 Uhr müssen alle gewaschen und sauber zum Appell antreten, und dann geht es zur Schule. Wir haben eine staatliche Volksschule auf unserem Terrain: sie wird nur von unseren Kindern besucht, doch ist der Staat selbstverständlich vollkommen für die Schule verantwortlich. Wir haben, wie überall in Amerika, die getrennte Schulzeit, so daß die Kinder um 12 Uhr heimkommen. Gemeinsam verzehren wir das uns von der Zentralküche zugesandte, gute Mittagessen, bestehend stets aus Suppe, Fleisch oder Fisch, Kartoffeln, Gemüse und Nachtisch: bis um 1,15 Uhr ist dann gewöhnlich die nötige Hausarbeit getan und die Kinder tummeln sich im Freien, bis es um 2 Uhr wieder zum Schulanfang schellt. Um 4 Uhr bringen die Kinder ihre Bücher heim und bis um 5 Uhr (im Sommer bis um 5.30 Uhr) spielen und tollen sie frei umher auf dem weitausgedehnten Terrain des Instituts, oder sie finden sich zu den allgemein beliebten Sportarten zusammen, für die stets ein Leiter angestellt ist. Inzwischen wird von der Cottagemother ein ausreichendes und nahrhaftes Abendbrot hergerichtet, das von allen gemeinsam um 5.30 Uhr eingenommen wird. Nach getaner Hausarbeit steht den Kindern wieder Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wie» ll.y GlOCkengaSSO 24 Tel. 48-4-79 Wir Kuttusbeamte und Verelnsf unktlon&re gegen Legitimation 10«/. Nachlaß