Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064265--16234-3088973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ötfe WAHRftfif iiniiirainiiiniiniyiiiiiPiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiniiiPinHiiiiiiiii scite 5 jüdischen Bevölkerung Galiaiens und der fortschrittlichen Judenschaft der westlichen Länder herrschte und schließlich wurden die bereits eingedetiteten Vorarbeiten durch den Krieg gänzlich unterbrochen. Nach dem Kriege waren die mährischen Kultusgemeinden die ersten, welche (bereits am 30. Oktober 1918) einen Landesverband dtetr mährischen Kuiltusgemeindien gründeten, welcher behufs Erfüllung der vorangeführten Funktionen eine übergeordnete Instanz über die einzelnen Kultusgemeinden bilden sollte. Kurze Zeit nach Gründung des mährfischen Landesverbandes wurde auch ein Verband der sohlesischen Kultusgemeinden geschaffen, während in Böhmen gleichfalls Bestrebungen zur Errichtung einer derartigen Organisation sich äußerten, jedoch zufolge der in diesem Lande seit jeher schärfer ausgeprägt gewesenen sprachlichen Gegensätze die Schaffung eines einheiltlichen Landesverbandes unmöglich machten. Um jedoch auch in diesem Lande die Konzentrierung der Kuitusgemeinden in die Wege zu leiten, wurden dortselbst nach längeren Verhandlungen drei Verbände ins Leben gerufen, von welchen der eine die Kultus gemeinden auf dem Gebiete von Groß-Prag umfaßt, dße beiden anderen die Kultusgemeinden in Böhmen mit tschechischer, bzw. deutscher Geschäftssprache. Es war naheliegend, daß sich diese fünf Verbände zu einer Gesamtorganiisation zusammenschlössen, um eine zentrale Behörde für die Judenschaft der Tschechoslowakischen Republik zu schaffen, und wäre es erwünscht gewesen, wenn auch die Judenschaft der Slowakei und Karpathorußland hätten hierbei einbezogen werden können. Es wurden auch mit den maßgebenden Faktoren dieser Länder diesbezügliche Unterhandlungen gepflogen, welche jedoch vorläufig ergebnislos geblieben sind, da einerseits die Gegensätze zwischen der orthodoxen und der fortschrittlichen Judenschaft der genannten Länder sowohl auf religiösem als auch auf politischem Gebieite sehr schroffe sind, anderseits weil auch die rechtliche Grundlage der Institution der Kultuisgemeinden dortselbst eine andere ist, als in den früher zu Oesterreich gehörigen, sogenannten „historischen" Ländern. Es mußte daher die Frage der Ausdehnung der zu schaffenden Zentralorganisation auf die Judenschaft der ehemals ungarischen Landesteile der Tschechoslowakischen Republik aufgeschoben werden, und wurden bloß die erforderlichen Schritte eingeleitet, um der zu schaffenden Organisation der Judenschaft aus Böhmen, Mähren und Schlesien eine legale Sanktion zu erwirken. Tatsächlich wurde das am 28. November 1926 in der konstituierenden Sitzung der Delegierten der fünf vorgenannten Verbände, des sogenannten „Obersten Rates der Judenschaft", beschlossene Statut dieser Körperschaft vom Ministerium genehmigt, nachdem einige von der Regierung gewünschten Aenderungen vorgenommen worden waren. Auf Grund dieses genehmigten Statutes fand bereits am 22. Jänner 192S die erste Plenarsitzung des Obersten Rates unter dem Vorsitze seines Obmannes, des Prager Kultusvorstehers Dr. August Stein, statt und wurden in derselben Beschlüsse weitgehender Natur gefaßt, welche auch für die Judenschaft außerhalb der tschechoslowakischen Republik von Interesse sind. So wurde mit Rücksicht darauf, daß die vor mehr als 30 Jahren gesetzlich festgesetzten Sprengel der Kultusgemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien längst nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, zumal durch die Abwanderung der jüdischen Bevölkerung vom Lande in die Städte große Verschiebungen in der Bevölkerungszahl der Juden erfolgt sind, eine Aktion auf Zusammenfassung von lebensunfähigen Kulitusgemeiinden in lebensfähige eingeleitet. Wo es möglich ist, sollen allerdings die aufzulösenden Gemeinden wenigstens als Fiäalgemeinden weiter bestehen, damit ihnen doch eine gewisse Selbständigkeit gewahrt bleibt und das örtliche religiöse Leben nach Möglichkeit erhalten wird. Es wurde weiters auf die Notwendigkeit der Errichtung einer Lehranstalt für Rabbiner und Religionslehrer hingewiesen, da in der tschechoslowakischen Republik eine Lehranstalt in der Art der Rabbinerseminarien in Wien und Budapest nicht besteht und soll diesbezüglich ein genaues Elaborat ausgearbeitet und an die Regierung mit entsprechenden Vorschlägen herangetreten werden. Mit Rücksicht auf die durch den Umsturz geänderten politischen Verhältnisse und die erhöhte Bedeutung, welche nunmehr der tschechischen Sprache als der Staatssprache zukommt, wurde beschlossen, eine Bibelübersetzung in die tschechische Sprache zu besorgen und auf diese Weise ein Buch zu schaffen, welches nicht nur ein Schulbuch für unsere Jugend, sondern auch ein Volksbuch für Erwachsene bilden soll und wurden auch die Mittel für die finanzielle Sicherstellung dieser Unternehmung bewilligt. Der Oberste Rat befaßte sich weiters mit der Frage der Fflege der jüdischen geschichtlichen Denkmäler, da es zweifellos in den Wirkungskreis einer obersten Vertretung der Judenschaft fällt, auch auf die Erforschung und Erhaltung der Quellen für die Geschichte der Juden unseres Staates, eines uralten Kulturgebietes, ihr Augenmerk zu richten. Außer arctoivalischen Quellen sind diesbezüglich für unsere Geschichte die Reste der Denkmäler aus alter Zeit von außerordentlichem Werte. Die alten Synagogen, mit ihren Inschriften an Wänden, Tisch- und Ladendecken, mit ihren verschiedenen antiken und Kunstgegenständen, die Friedhöfe mit ihren Grabdenkmälern, den eingemeißelten Grabinschriften und Emblemen bilden reiche Fundgruben für die Geschichtsforschung, abgesehen von dem großen Altertums- und Kunstwerte, den sie für die allgemeine Geschichte und für die Kunst besitzen. Als Ziel der Denkmalpflege wurde insbesondere die Konzentrierung der mobilen Denkmäler und der historisch und künstlerisch bedeutsamen Gegenstände, sowie der Archivalien in Museen und Archiven, die Schaffung von photographischen Aufnahmen und einer Evidenz für alles, was nicht konzentriert werden kann, aufgestellt Es wurde darauf hingewiesen, daß den Anschauungen über den Wert der Geschichtsquellen und daher der Sammlung und Pflege der Archivalien und anderer Denkmäler entsprechend, die Prager Bruderloge im Vorjahre anläßlich ihres 25jährigen Bestehens nicht nur ein Geschichtswerk, „Die Juden in Prag", herausgegeben, sondern auch die Idee der Gründung einer „Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik" propagiert hat. Diese Gesellschaft soll bezwecken, die Geschichte der Juden dieses Staates wissenschaftlich zu erforschen, ihre Kenntnis zu verbreiten, ihre Quellen zu sammeln und herauszugeben. Es ist sohin ein Ineinandergreifen der Arbeit möglich und gleichzeitig eine gegenseitige Unterstützung. Aus diesem Grunde hat auch der Oberste Rat den Beschluß gefaßt, sowohl der Denkmalkommission einen entsprechenden Betrag für ihre Arbeiten zur Verfügung zu stellen als auch der vorangeiührten historischen Gesellschaft finanzielle Unterstützung angedeihen zu lassen. Es wurde schließlich die Anregung gegeben, zu erwägen, ob nicht bei der Brünner Kulturausstellung die jüdischen Altertümer usw. ausgestellt werden sollten, und wurde behufs Leistung der vorbereitenden Arbeiten ein Komitee eingesetzt. Bereits aus diesen keinesfalls erschöpfend dargestellten Beratimgsmaterien geht hervor, daß die Leistung des Obersten Rates trotz seines kurzen Bestandes eine vielseitige und ausgiebig ist, und ist zu erwarten, daß derselbe auch in der Folge eine feste Stütze unserer Religionsgesellschatt bilden, für deren Interessen stets eintreten und als deren Repräsentant in der Tschechoslowakischen Republik die gestellten Aufgaben voll und ganz erfüllen wird. Nach dieser Richtung wird auch die Wiener Judenschaft, welche durch so viele B'nde mit der Judenschaft in der Tschechoslowakei verknüpft iai, diesen Bericht mit Interesse und Befriedigung zur Kenntnis nehmen. Hebräisches im Deutschen. Wie sehr auch Antisemiten und deutsche Judenhas§er sich ob der Tatsache erbosen mögen, wie geringe Kapitel auch germanische Philologen der Tatsache in ihren Büchern über die deutsche Sprache einräumen mögen, so steht es dennoch fest, daß z u einem erheblichen Teil hebräische Elemente in das Deutsche eingedrungen sind und sich hier durchgesetzt haben. Hebräisches Element ist das Sprachgut, das sich, durch Luthers Bibelübersetzung hervorgerufen, in Form von Sprichwörtern (ursprünglich biblischen Zitaten) in der deutschen Sprache durchgesetzt hat, so zum Beispiel: Bleibe im Lande und nähre dich redlich (Ps. ol\